Ingwer

05.12.2014 08:53 | Inhaltsstoffe und Ihre Wirkung

 

Ingwer

Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Dahinter verbirgt sich diesmal eine ziemlich scharfe Wurzel mit einer langen Heilgeschichte, der vor allem viele Pferde, aber auch Hunde und Menschen ihr uneingeschränktes Wohlbefinden verdanken.

Ingwer

Um zum Produkt im Shop zu gelangen, einfach Link anklicken

 

Wie so oft im Leben stand vor einer großen Entdeckung zunächst einmal eine ebenso große Katastrophe, denn als die Trakehner Stute Renaissance Fleur am 19. Februar 2003 aus ihrer Box entwich und auf dem gefrorenen Boden ausrutschte, brach sie sich nicht nur das rechte Fesselbein, sondern setzte damit auch einer Weltkarriere als Dressurpferd ein jähes Ende.

Noch am Sonntag vor ihrem tragischen Unfall hatte sich die damals 11-jährige Trakehner Schimmelstute mit ihrer Reiterin und heutigen Bundestrainerin Monica Theodorescu für den Weltcup qualifiziert, als sie die Weltcup-Kür in Neumünster überlegen gewann. Man handelte das Paar schon als sichere Olympiahoffnung für eine Medaille in Athen 2004.

Doch auch wenn man den Trümmerbruch des Fesselbeins von Renaissance Fleur in der Pferdeklinik Telgte wieder „zusammenflicken“ konnte, sah es nach vier Monaten Klinikaufenthalt so aus, als würde das Pferd trotzdem nicht gerettet werden können, denn sie hatte Schmerzen, fraß schlecht, magerte ab und mochte sich nicht bewegen.

Dass die Stute dann aber ab September 2003 plötzlich wieder schmerzfrei laufen und traben konnte, ja sogar noch mehreren Fohlen das Leben schenken durfte – diesen Erfolg darf man Dr. rer. nat. Stefan Brosig (Physikalischer Chemiker) von der Universität Hohenheim bei Stuttgart zuschreiben. Er empfahl der Züchterin Elke von Lingelsheim, bei der Renaissance Fleur wieder eingezogen war, die Fütterung von Ingwer und wurde damit zum „Ingwer-Papst“.

Renaissance Fleurs erstes Fohlen „Roulette“ kam im April 2006, drei Jahre nach dem Unfall, zur Welt und es folgten ihm weitere Geschwister. Im Mai 2013 musste die Züchterfamilie Abschied von der beeindruckenden Schimmelstute nehmen, die 21 Jahre alt werden durfte und der damit noch 10 wunderbare Jahre und unbeschwerte Mutterfreuden geschenkt worden waren.

Dass die Fachpresse damals stetig über die Rekonvaleszenzzeit von Renaissance Fleur berichtete, verschaffte der Krankengeschichte ein breites Publikum, das zunächst mit der Züchterfamilie und der Reiterin um das Leben des Pferdes bangte und sich dann mitfreute, als der Ingwer anschlug und „Reni“ endlich wieder schmerzfrei laufen konnte.

Aber noch ein Phänomen nahm damit seinen Anfang, denn die Erfolgsgeschichte um die Trakehner Schimmelstute weckte nun auch die Hoffnung vieler Pferdehalter, dass auch ihr vierbeiniger Liebling keine Schmerzmittel mehr fressen muss (deren Nebenwirkungen nicht unerheblich sind), um wieder schmerzfrei laufen zu können: Der Ingwer wurde zum „Wundermittel“, mit dem nach Berichten von Dr. Brosig entzündliche Prozesse in den Gelenken, der Knochenhaut (Exostosen/ Überbeine), des Bindegewebes (Phlegmone = Einschuss) und Arthrosen in den Rückenwirbeln (Kissing Spines) erfolgreich behandelt werden konnten. Chronisch kranke Pferde mit einem Befund auf Hufrollenentzündung, Spat, Schale und Gelenksarthrosen bekamen Ingwer und tatsächlich zeigte der auch seine Wirkung, wie er es auch bei Renaissance Fleur tat!

Doch wie immer, wenn ein preisgünstiges und selbst bei Daueranwendung weitgehend nebenwirkungsfreies natürliches Mittel gefunden wird, das zur übermächtigen Konkurrenz chemischer Medikamente zu werden droht und Einbussen für die Pharmazeutischen Konzerne zu befürchten sind, wurden rasch auch kritische Stimmen laut, welche die Scharfstoffe als magenreizend zur Gefahr für die Gesundheit deklarierten.

Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass es seinen Widerspruchsgeist weckt, wenn man ein Mittel als nahezu perfekt anpreist, weil es ihn herausfordert, den Beweis zu erbringen, dass es keine Perfektion gibt – und die gibt es auch nicht, denn selbst „gesunde“ Lebensmittel können bei empfindlichen Menschen oder Tieren Allergien auslösen oder in zu hoher Menge eingenommen, zu Magenbeschwerden führen.

Tatsächlich ist also auch der Ingwer kein Heilmittel ganz ohne Risiken, aber es gibt unzählige Pferde, die längst im Pferdehimmel weilen müssten, hätte man ihnen nicht mit Ingwer geholfen, sich wieder wohl zu fühlen.

Die Frage ist also, ob es wirklich sinnvoll ist, den Ingwer wegzulassen, obgleich man weiß, dass er eine sehr hilfreiche Wurzel sein kann und seine Vorteile vermutlich seine Nachteile bei weitem überwiegen, respektive bei sorgfältig abgewogenem Umgang mit Ingwer kalkulierbar sind.

Wer Ingwer als Gefahr deklariert, der dürfte auch keine Möhren füttern oder essen, denn sie können als Wurzelgemüse mit Nitrit oder Nitrat belastet sein, können in großen Mengen genossen zu Durchfall führen, bei EMS- und Cushing-Pferden, respektive Hunden mit Diabetes kann das enthaltene Fructan die Insulinresistenz begünstigen und das enthaltene Beta-Carotin steht dem Organismus als fettlösliches Vitamin A auch nur zur Verfügung, wenn man den Möhren Öl zugibt. Muss man also Möhren vom eigenen Speisezettel und von dem von Pferden und Hunden streichen, obwohl sie doch ansonsten als gesund gelten?

Nein – und genauso ist das beim Ingwer, denn wenn man ihn sinnvoll dosiert einsetzt, seine Risiken kennt und kein Magengeschwürpferd damit füttert, ist er nicht gefährlicher, als die Möhren, gegen die man auch Argumente finden kann, wenn man sie sucht.
 
Es ist natürlich nicht zu verantworten, dass ein deutlich lahmendes Pferd mit Ingwer schmerzfrei gestellt wird, um es an Turnieren vorzustellen oder es auch nur zu reiten oder zu fahren - es ist also durchaus sinnvoll, dass Ingwer auf der Dopingliste steht.
 
Ebenfalls würde wohl niemand es befürworten können, dass einem Pferd, das aufgrund einer akuten Verletzung oder aufgrund von Hufrehe lahmt, mit Ingwer zur vollkommenen Schmerzfreiheit verholfen wird, um es dann auf die Weide zu stellen, denn Schmerz ist das Stoppschild des Körpers: Ein verletztes oder aufgrund von Hufrehe lahmendes Pferd soll sich schonen und das tut es nur, wenn es beim Herumspringen Schmerzen erfährt. Darum soll Ingwer in solchen Fällen prinzipiell so dosiert werden, dass das Pferd knapp unter der absoluten Schmerzfreiheitsgrenze bleibt und es sich nicht überanstrengt und sich dabei noch mehr verletzt - ein Sehnenschaden kann zum Sehnenabriss werden, wenn ein schmerzfrei gestelltes Pferd unter der Schmerzstillung das erkrankte Bein voll belastet und Hufrehe kann zur Hufbeinsenkung und Hufbeinrotation führen, wenn die Hufe nicht immer wieder durch das Hinlegen des Pferdes entlastet werden.

Aber es ist auch nicht zu verantworten, dass ein Tier mehr Schmerzen ertragen muss, als dies sinnvoll ist, um es dazu anzuhalten, sich zu schonen.

Wer jedoch Schmerzmittel und Entzündungshemmer langfristig geben müsste, um seinem Tier zur weitgehenden Schmerzfreiheit und zum verbesserten Wohlbefinden zu verhelfen, der wird rasch an den Punkt kommen, an dem der verantwortungsbewusste Tierarzt eine solche allopathische Behandlung nicht mehr verantworten wird, weil die Nebenwirkungen die Lebensqualität des Tieres ebenso einschränken, wie die schmerzhaften Entzündungen.

Hier ist eine dauerhafte Gabe von Ingwer ganz sicher eine Alternative, um nicht den letzten Schritt gehen zu müssen.

Dass der Ingwer wirkt, bestätigen wissenschaftliche Forschungen, denn der Ingwer enthält bioaktive Substanzen, von deren heilenden Eigenschaften Menschen in Ostasien seit Jahrtausenden profitieren. Vor allem gegen die Reise- und Schwangerschaftsübelkeit, gegen die Übelkeit, die Chemotherapien oder eine Narkose für eine Operation begleiten kann und gegen die Seekrankheit hat sich der Ingwer auch in der Humanmedizin einen Platz im Medizinschränkchen geschaffen. Als Grund für die antiemetische (gegen Erbrechen) Eigenschaft von Ingwer wird seine direkte Wirkung auf den Magen-Darm-Trakt angeführt. Grundsätzlich erkennt auch die Schulmedizin längst die positive Wirkung des Ingwers auf die Magensaft-, Speichel- und Gallenbildung sowie die Darmfunktion als heilend oder zumindest unterstützend an.

Im Bezug auf die Wirkung des Ingwers gegen Übelkeit käme jedoch auch ein Antagonismus von Serotonin-Typ-3-Rezeptoren in Frage, denn Serotonin ist ein Gewebshormon und Neurotransmitter, der vielfach als Glückshormon bezeichnet wird, weil er eine ganze Reihe von unangenehmen Gefühlszuständen dämpft wie beispielsweise Angst, Aggressivität, Kummer und Hunger. Für Depressionen wird neurochemisch ebenfalls häufig ein Mangel an Serotonin verantwortlich gemacht. Serotonin ist also ein Wohlfühlhormon und tatsächlich soll der Ingwer stimmungsaufhellend wirken und das Abnehmen unterstützen, indem er das Hungergefühl dämpft, den Stoffwechsel ankurbelt und die Fettverbrennung steigert, denn der Ingwer-Wurzelstock enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus ätherischen Ölen und einem Scharfstoffanteil, den Gingerolen und Shogaolen, besteht – und die sind auf vielen Ebenen des Organismus höchst wirksam.

 


Gingerol und Shoganol


Im Ingwer sind 3 verschiedene Arten des Gingerols zu finden: [6]-, [8]- und [10]-Gingerol. Hervorzuheben ist hierbei vor allem der Wirkstoff [6]-Gingerol, denn ihm wird eine antikarzinogene (anti-krebserregend), antientzündliche und immunsuppressive (unerwünschte Reaktionen des Immunsystems unterdrückende) Wirkung bescheinigt. Überdies erforschen Wissenschaftler die Eigenschaften vom [6]-Gingerol im Bezug auf seine Wirkung auf asthmatische Erkrankungen. Als erwiesen gilt die antioxidative Wirkung des Ingwers, die eine natürliche Verteidigung des Körpers gegen freie Radikale unterstützt. Freie Radikale greifen die Zellen an, führen zu Veränderungsprozessen der Zellen und lassen damit das Krebsrisiko wachsen. Insofern konnten die Gingerole aus dem Ingwer bereits erfolgreich bei der Behandlung von Darm und Hautkrebs eingesetzt werden. Hierbei wird vor allem auch die antientzündliche Wirkung des [6]-Gingerols angeführt, die unter Umständen auch die Entstehung von Tumoren verhindern oder zumindest einschränken könnte. Als erwiesen gilt, dass das [6]-Gingerol Expression des Cyclooxygenase-2 Enzyms hemmt, welches Entzündungen in den Gelenken fördert. Damit wirkt Ingwer in ganz ähnlicher Weise wie die Acetylsalicylsäure – besser bekannt als der Wirkstoff von Aspirin, das ebenfalls das Cyclooxygenase-2 Enzym hemmt - schmerzstillend bei Kopfschmerzen bis hin zur Migräne, bei Muskelschmerzen, aber auch bei schmerzhaften Entzündungen wie Arthitis (Gelenksentzündung).

Gingerole gelten überdies als antibakteriell wirkend und hemmen das Wachstum des Magen-Schleimhaut-Bakterium Helicobacter pylori, was sich positiv auf Behandlungen von Magenproblemen sowie eventuell der Magenkrebs Vorsorge auswirken könnte. Besonders interessant dabei ist es zu wissen, dass aus den Gingerolen beim Trocknungsvorgang der Ingwerwurzel sogenannte Shoganole entstehen, denen eine noch intensivere Wirkung zugeschrieben wird, als den Gingerolen aus dem frischen Ingwer.

Insofern fördert getrockneter Ingwer in geschnittener oder gemahlener Form die Produktion von Magensäure und erleichtert so die Verdauung. Ingwer kurbelt überdies auch den Stoffwechsel an und sorgt für eine bessere Durchblutung – interessant ist dieser Effekt vor allem bei der Vorsorge vor Thrombose, Herzinfarkt und Schlaganfall, denn die verbesserte Durchblutung trägt dazu bei, dass sich keine gefährlichen Ablagerungen in den Blutgefäßen bilden, die als Hauptauslöser des Schlaganfalls, des Herzinfarkts und der Thrombose gelten.

Ingwer enthält neben den Scharfstoffen Ginerol und Shoganol aber auch über 160 weitere Wirkstoffe, wie das Vitamin C und das Vitamin B6, sowie die Mineralstoffe und Spurenelemente Eisen, Magnesium, Kalzium, Kalium, Natrium und Phosphor. Darüber hinaus wirken im Ingwer chemische Verbindungen aus der Stoffklasse der bicyclischen Monoterpene wie beispielsweise Borneol und bicyclischen Epoxy-Monoterpene, die zu den Limonenoxiden gehören, wie Cineol. Beide finden als ätherische Öle in der Aromatherapie gegen Atemwegsprobleme Verwendung, aber sie sorgen auch dafür, dass der Ingwer bei Atemwegserkrankungen wie Bronchitiden bzw. Erkältungskrankheiten der Atemwege, aber auch bei chronischen und entzündlichen Atemwegserkrankungen sowie Asthma und Heuschnupfen seinen Einsatz findet.

Als weitere ätherische Öle, die im Ingwer enthalten sind, werden Zingiberol, Zingiberen und Diarylhetanoide angeführt. Sie unterstützen die Schmerzsstillung und die Entzündungshemmung, denn vor allem die Diarylhetanoide hemmen die Bildung von Prostaglandinen, die bei die Entstehung von Fieber, Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind.

Im weiteren enthält Ingwer Harzsäuren und neutrales Harz.

Das Spektrum der Anwendung des Ingwers ist also weit gesteckt und so findet er seinen Einsatz vor allem

  • gegen Übelkeit und Erbrechen
  • zur Verdauungsförderung
  • zur Magenstärkung
  • zur Anregung der Verdauung und der Gallenfunktion
  • gegen Durchfall und Kotwasser
  • zur Anregung von Stoffwechsel und Kreislauf
  • zur Stimulierung aller Organe
  • zur Vitalisierung
  • zur Unterstützung der Zellerneuerung
  • zur Vorbeugung vor frühzeitigen Alterungsprozessen
  • zur Durchblutungsförderung
  • zur Muskelentspannung bei Verspannungen, Verkrampfungen und Muskelkater
  • gegen Arthritis und Arthrose
  • gegen Schwellungen
  • gegen Entzündungen
  • gegen Schmerzen aller Art
  • zur Endoparasitenprophylaxe
  • zusätzlich bei Pferden: Hufrehe, Spat, Hufrollenentzündung, Kissing Spines, Stoffwechselerkrankungen (Cushing, EMS)
  • zusätzlich bei Hunden: Spondylose und alle Formen von Arthrose, Cauda Equinum, Stoffwechselerkrankungen

Ingwer enthält ätherische Öle und darf aufgrund der Glucuronidierungsschwäche nicht bei Katzen angewendet werden!

Achtung

Ingwer zur Entwurmung

 


Wir würden Ingwer nicht grundsätzlich zur Entwurmung empfehlen, aber bei unerheblichem Wurmdruck kann er vorbeugend gegen Endoparasiten wirken. Dr. Stefan Brosig berichtet zwar, dass bei langfristiger Fütterung von Ingwer in einer Dosis von bereits 1,5 bis 2 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht und Tag (Warmblüter) bei vielen Pferden zu einer Beseitigung oder sehr deutlichen Verminderung im Wurmbefall führt und dass es bei Hunden und Schafen auch bereits klinische Studien dazu gibt (Iqbal u.a., J. Ethnopharmacol., 2006, 106, S. 285ff), aber wichtig ist dabei eine Kontrolle des Kotes in regelmäßigen Abständen.
 


Ingwer in der Zucht und der Trächtigkeit


Die Frage, ob Ingwer tragenden Stuten oder trächtigen Hündinnen verabreicht werden darf, ist pauschal schwierig zu beantworten. Grundsätzlich wird dem Ingwer eine wehenfördernde und blutverdünnende Wirkung zugeschrieben, was das Risiko von einer Frühgeburt oder von stärkeren Blutungen bei der Geburt bergen kann. Zwar können wir aus eigener Erfahrung berichten, dass wir Ingwer in der Wohlfühldosis (3 Gramm pro 100 kg Gewicht) bei tragenden und laktierenden Stuten einsetzten und wir nie unerwünschte Nebenwirkungen feststellen konnten, aber das Risiko sollte mit einem Tierarzt besprochen werden und muss letztendlich vom Tierhalter getragen werden.

Sehr gute Erfahrung konnten wir jedoch bei der Behandlung der Fertilität feststellen: Mit Ingwer in der Wohlfühldosis behandelte Problemstuten zeigten eine deutlichere Rosse und eine deutlich gesteigerte Fruchtbarkeit.



Verabreichung und Dosierung von Ingwer


Für sein zitronenartiges Aroma ist unter anderem das Cineol verantwortlich – die Schärfe bestimmt hingegen das Gingerol.

Beides mögen manche Menschen nicht und Tiere sind in dieser Beziehung teilweise noch empfindlicher. Bei Pferden ist es vor allem der Zitrusduft, der sie stört und weniger die Schärfe.

Es ist also immer sinnvoll, bei allen Tieren mit sehr geringen Mengen von 3 bis 5 Gramm zu beginnen und diese langsam zu steigern. Eventuell kann man den Ingwer für Pferde in Apfelmus einrühren, ihn mit entzuckerten Rübenschnitzeln geben oder ihn in eingeweichten Heucobs verstecken.

Bei Hunden hilft es manchmal, den Ingwer in angeschmolzenen Käse einzuwickeln (verbessert auch die Wirksamkeit der Gingerole, weil der Käse sie vor dem Magensaft schützt), ihn in Katzenfutter anzubieten oder ihn mit Leberwurst zu verrühren. Aufgrund ihrer aggressiv wirkenden Magensäfte sind Hunde jedoch auch in der Lage, grob geschnittenen getrockneten Ingwer, der weniger intensiv duftet, gut zu verwerten.

Das Problem des Ingwergenusses liegt beim Hund und beim Mensch in der Menge, die man für eine Wirkung benötigt, denn bei Pferden wirken die meisten Medikamente deutlich intensiver, als das bei gleicher Dosis bei Mensch und Hund der Fall ist. Zum Vergleich: Die entzündungshemmende Dosis Aspirin® liegt beim Warmblutpferd bei etwa 3 Gramm am Tag, beim viel leichteren Menschen liegt sie bei 1 bis 2 Gramm!

Der Grund dafür liegt in der Magenverdauung. Beim Pferd ist der Magen weniger Verdauungsorgan, sondern mehr "Desinfektionskammer" und Schleuse zum Darm, während Hund und Mensch eine deutlich ausgeprägtere Magenverdauung haben und eine aggressivere Magensäure bei der Verdauung hilft. Schließlich muss der Hund beispielsweise auch Knochenstücke verdauen können, die zu seiner natürlichen Nahrung gehören, während ein Pferd eigentlich vor allem pflanzliche Zellulose aufschließen muss.

Leider sind aber die Gingerole des Ingwers nicht sehr säurebeständig, was bedeutet: Hund und Mensch brauchen eine größere Dosis Ingwer, um die gleiche Wirkung zu erreichen, als das Pferd.

Nach der Erfahrung Dr. Stefan Brosigs verhält sich die auf das Körpergewicht bezogene Wirksamkeit des Ingwers bei reinen Gelenkerkrankungen und direkter Gabe oral (ohne Schutzmantel gegen den Magensaft) demnach für


Pferd : Mensch : Hund ungefähr wie 1 : 7 : 10.

Das bedeutet zum einen, dass wenn ein Pferd pro 100 kg Körpergewicht 3 bis 5 Gramm Ingwer als Wohlfühldosis benötigt, ein Mensch mit 50 Kilogramm Körpergewicht 11 bis 18 Gramm Ingwer einnehmen müsste und ein Hund von 50 Kilogramm Körpergewicht mindestens 15 bis 25 Gramm Ingwer verabreicht bekommen muss, um sich wohl zu fühlen. Sollen Gelenkschmerzen und eine Entzündung gelindert werden, würde nach den Dosisberechnungen von Dr. Stefan Brosig für einen mittelgroßen Schäferhund (rund 35 kg Körpergewicht) 30 g Ingwer eingesetzt werden müssen – beim Hund wäre die Dosis Ingwer also mit rund 1 g pro kg Körpergewicht zu berechnen.

 

Da es schwierig ist, einem Hund solche Mengen Ingwer zu verabreichen, verzichten viele Hundehalter schon im Vorfeld auf eine auf Ingwer gestützte Therapie.

Dabei kann der Ingwer niedriger dosiert werden, wenn er in Kapseln verabreicht oder eingenommen wird, die unzerkaut geschluckt werden, weil sie das Gingerol vor der Magensäure schützen! Dadurch wird der Zersetzungsprozess im Magen umgangen und es tritt eine deutliche Steigerung in der Wirksamkeit ein! Dr. Stefan Brosig geht bei dieser Anwendung beim Menschen von einer Dosis von 3 bis 10 Gramm Ingwer aus. Beim Hund entspräche dies einer Menge von rund 4 bis 15 Gramm pro 100 Kilogramm Gewicht – ein 30 Kilogramm schwerer Schäferhund bräuchte also nicht mehr 30 Gramm Ingwer, sondern käme mit 1,5 bis 4,5 Gramm aus.

Wichtig bei der Dosierung ist jedoch vor allem der Gingerolgehalt im Ingwer – er muss mindestens 2% entsprechen. Ingwer mit niedrigerem Gingerolgehalt ist zwar weniger scharf und für Hund und Mensch angenehmer im Geschmack, aber man benötigt auch wieder eine höhere Dosis, um die gleiche Wirkung zu erreichen.

Wird Ingwer in möglichst viel Flüssigkeit (zimmertemperaturwarme Milch oder Saft) eingerührt und schnell getrunken, wird der Ingwer ebenfalls rasch in den Darm weitergeleitet und so nicht zu lange dem sauren Darmmilieu des Magens ausgesetzt, das die Wirksamkeit des Gingerols herabsetzt.

Die Dosis des Ingwers ist aber überdies auch von der Art der Beschwerden abhängig, die er lindern soll:

Bei Gelenksproblemen von Pferden kann schon eine Gabe von mehr als der Wohlfühldosis (3 bis 5 g pro 100 kg Körpergewicht) erstaunliche Erfolge zeigen, während man bei Problemen mit Sehnen, Bändern oder der Muskulatur teilweise 10 bis 12 g pro 100 kg Körpergewicht einsetzen muss, um eine Schmerzfreiheit zu erreichen. Bei einer Hufrollenentzündung oder einem Hufreheschub kann auch eine Dosis von 20 g pro 100 kg Körpergewicht angezeigt sein.

Dabei stellt sich die Frage, ob eine so hohe Dosierung auf Dauer nicht schädlich wirken kann. Grundsätzlich haben wir feststellen können, dass sogar eine Gabe von 150 g pro Tag an ein 600 kg schweres Warmblutpferd mit schwerer Hufrehe über einen Zeitraum von acht Wochen sehr gut und ohne sichtbare unerwünschte Nebenwirkungen vertragen wurde. Allerdings wurde die Dosis auch auf drei Gaben verteilt.

Dr. Stefan Brosig rät bei älteren Pferden grundsätzlich zur dauerhaften Ingwerfütterung in der Wohlfühldosis – wir nehmen diesen Tipp gerne an und freuen uns an sehr vitalen Senioren, aber wie sich ein Tierbesitzer schlussendlich entscheidet und ob er Ingwer dauerhaft in der Wohlfühldosis an seinen vierbeinigen Liebling verabreicht, ist vom Patienten abhängig und im Zweifelsfall sollte der Rat eines Tierarztes eingeholt werden, um kein Risiko einzugehen.

Als Wohlfühldosis gilt:

 

  • für Pferde 3 bis 5 Gramm pro 100 kg Körpergewicht
  • für Hunde 1 Gramm pro Kilo Köpergewicht/ bei einer Gabe in einer Kapsel 0,4 bis 1,5 Gramm pro 10 kg Körpergewicht
  • für Menschen 2,1 bis 3,5 Gramm pro 10 kg Körpergewicht / bei einer Gabe in einer Kapsel 0,3 bis 1,0 Gramm pro 10 kg Körpergewicht

Oft kann die Wohlfühldosis die Beschwerden und gesundheitlichen Probleme bereits deutlich lindern.

Sollte die Dosis aber noch nicht die gewünschte Wirkung zeigen, wird sie langsam erhöht (bei Pferden um 5 g/ bei Hunden und Menschen um 1 g). Die Besserung stellt sich sofort ein, wenn die passende Dosis erreicht ist, die dann beibehalten werden sollte.

Wer den Ingwer also mit Bedacht verwendet, wird in ihm einen wunderbaren Helfer bei vielen gesundheitlichen Problemen finden.

 

Sabine Bröckel

vom Team der Kräuter- und Gewürzmanufaktur Neumann Tiergewürze

 

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.