Leinsamen

18.12.2014 20:20 | Inhaltsstoffe und Ihre Wirkung

 

Leinsamen

Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Leinkuchenflakes

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Leinsamen und Leinkuchenflakes für:

Für Pferde Für HundeFür KatzenFür Geniesser

Die gelten längst nicht nur als Verdauungshilfe und zur Unterstützung einer gesunden Haut und glänzender Haare, sondern sind ein wunderbarer Energielieferant zur Leistungssteigerung und zum Auffüttern magerer Tiere. Aber Leinsamen können auch kalorienarm sein, wenn man nur von ihren Schleimstoffen und ihrer verdauungsfördernden Wirkung zur Unterstützung einer Diät profitieren möchte – man muss sie dafür nur in ganzer Form anwenden, denn dann bleibt das enthaltene Öl unter dem Schutz der Schale verborgen, die nicht verdaut werden kann, sondern wieder ausgeschieden wird.

Wer jedoch auch die vielen Vitamine, Mineralstoffe, die essentiellen Fettsäuren, den hohen Proteingehalt und all die anderen wertvollen Inhaltsstoffe der Leinsaat nutzen möchte, muss sie mahlen oder auf Leinkuchenflakes zurückgreifen.

Welche Wahl ihr trefft oder ob ihr beide Produkte bestellt, überlassen wir natürlich Eurer Entscheidung:

 

Leinsamen


Unter den Ölfrüchten, also den Samen von Ölpflanzen, gehören die Leinsamen – verglichen mit Kürbiskernen und Sonnenblumenkernen – eher zu den Kleinen, denn sie erreichen gerade mal eine Länge von 4 bis 6 mm.

Was ihre gesundheitsfördernde Wirkung anbelangt, sind sie aber mit die Größten, denn die Leinsamen gehören zu den besten pflanzlichen Quellen für Omega-3-Fettsäuren, denen ein allgemeiner Herz-Kreislauf-Schutz zugeschrieben wird.

 

Leinsamen

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Überdies enthält die Samenschale des Leinsamens eine hohe Menge an Ballaststoffen, die sich durch ihr hohes Quellvermögen auszeichnen, denn sie vergrößern ihr Volumen im Dickdarm auf mindestens das zwei- bis dreifache ihrer ursprünglichen Größe, weil sie Wasser aus diesem Darmabschnitt aufnehmen und so Durchfall entgegenwirken. Gleichzeitig vergrößert sich das Kotvolumen und regt so die Darmperistaltik an – der Darm bewegt sich mehr und die Verdauung wird angekurbelt. Leinsamen reguliert damit die Verdauung, denn die Saat wirkt einer Verstopfung wie auch Durchfällen entgegen.

Das Besondere an diesen Ballaststoffen ist jedoch ihre schleimbildende Eigenschaft und dieser Schleim (in 100 g Leinsamen sind zwischen 3 und 10 g Schleimstoffe enthalten) erhält den Darminhalt gleitfähig. Überdies legt er sich wie ein Schutzfilm über die Magen- und Darmschleimhaut und ist damit ein wirksamer Helfer gegen chronische Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, denn unter dem schützenden Schleim können gereizte und entzündete Schleimhäute besser abheilen.

Ein weiterer Inhaltsstoff der Leinsamen sind die Lignane – tatsächlich gilt der Leinsamen unter den Ölfrüchten zu den Samen, welche die meisten Lignane enthält. Im Prinzip handelt es sich bei diesen sekundären Pflanzenstoffen um ein Zwischenprodukt beim biologischen Aufbau von Lignin (lat. lignum = Holz), also den verholzten Pflanzenteilen. Lignane kommen in den Zellwänden in unterschiedlichen Konzentrationen vor und reichern sich besonders in den Randschichten von Samen an. Sie gehören zur Gruppe der Phytoöstrogene und sind in ihrer biologischen Aktivität der des weiblichen Sexualhormons Östrogen sehr ähnlich. In der Humanmedizin setzt man solche Phytohormone beispielsweise bei Frauen in den Wechseljahren ein, weil sie die Beschwerden, die mit dem Beginn der Menopause einhergehen lindern und sogar einer Osteoporose entgegen wirken können.

Immer wieder stehen Lignane auch im Zusammenhang mit ihrer gesundheitsfördernden Wirkung bei hormonabhängigen Tumorerkrankungen. Hier kann jedoch auch die antioxidative Wirkung des enthaltenen Leinöls das Krebsrisiko mindern, denn die enthaltenen Vitamine – vor allem das Vitamin E – macht sich stark im Kampf gegen freie Radikale, welche die Zellalterung fördern und Zellen angreifen, zerstören oder in ihrer Struktur so verändern, dass sie zur Tumorbildung neigen. Doch Leinsamen enthält Antioxidantien und bei denen handelt es sich um freie Radikalefänger – Leinsamen schützt also die Zellen.

Dabei enthalten die Vitamine aus dem Leinöl zusätzliche Unterstützung von essentiellen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie den Omega-3-Fettsäuren (Alpha-Linolensäure). Damit kann Leinsamen das Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren im Körper positiv beeinflussen, denn im Organismus stehen Omega-3-Fettsäuren in Konkurrenz zu Omega-6-Fettsäuren, deren wichtigster Vertreter die Linolsäure ist. Im Verlauf der Stoffwechselvorgänge entstehen entzündungshemmende oder entzündungsfördernde Substanzen. Dies geschieht in Abhängigkeit vom Verhältnis der Omega-3 und der Omega-6-Fettsäuren: Bei hohen Mengen an Omega-6-Fettsäuren (z. B. Linolsäure) werden eher entzündungsfördernde Substanzen, bei vergleichsweise höheren Mengen an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Alpha-Linolensäure) eher entzündungshemmende Substanzen gebildet. Dabei sollte das Verhältnis der Omega-6-Fettsäure zur Omega-3-Fettsäure nicht größer als 5:1 sein.

Omega-3-Fettsäuren sind jedoch auch beteiligt am Aufbau von Nerven- und Gehirnzellen, verbessern die Fließfähigkeit des Blutes und gelten als "herzgesunde" Fettsäuren.

Überdies haben die Fettsäuren und die Vitamine eine sehr positive Wirkung auf die Haut und die Haare, denn die Elastizität und der Schutzmantel der Haut werden gestärkt, sodass sie insgesamt widerstandsfähiger und gesunder ist und das Haarwachstum wird gefördert – daraus resultiert auch ein herrlich glänzendes Fell.

An Leinsamen sollte darum auch bei allen juckenden Hautveränderungen gedacht werden.

Für PferdeBei Pferden wird Leinsamen vor allen bei der Neigung zu Verstopfungskoliken angewendet, denn er wirkt verdauungsfördernd und krampflösend. Aber Leinsamen ist auch ein hervorragender Energielieferant, der den Stoffwechsel nicht so belastet, wie ein entsprechend energiereiches Futter.

Für PferdeFür HundeInsofern eignet sich Leinsamen auch zum Auffüttern schwerfuttriger Pferde oder zu magerer Hunde. Durch die enthaltenen essentiellen Fettsäuren können auch die Nährstoffe besser vom Organismus verwertet werden.

Leinsamen haben überdies sowohl eine entzündungshemmende, als auch eine fruchtbarkeitsfördernde Wirkung.

 

Nährstoffgehalt von Leinsamen:


100 g enthalten...

Leinsamen

Energie

379 kcal/ 16 MJ

Rohprotein

22%

Rohfaser

7%

Fett
davon:

31,4 g

Linolsäure (n-6-FS)

4,1 g

Linolensäure (n-3-FS)

16,7 g

Eiweiß

24,8 g

Kohlenhydrate

0 g

Ballaststoffe

33,8 g

Wasser

6,2 g

Allerdings rückt beim Verzehr oder bei der Fütterung von Leinsamen an Tiere auch immer wieder der Gehalt an Cadmium und Blausäure in den Fokus. Bei einer Verzehrmenge von maximal 20 Gramm, schadet dieser Inhaltsstoff keinem Menschen und beim Hund können bedenkenlos 5 bis 10 g, bei Katzen 1 bis 3 g Leinsamen auch dauerhaft verfüttert werden. Vor allem wenn solch geringe Mengen als ganze Samen oder mit minimal aufgebrochener (angeschroteter) Schale aufgenommen werden, bleibt das Cadmium im Keim und tritt nicht aus.

Für PferdeBei Pferden wird jedoch aufgrund der höheren Dosierung von ca. 50 bis 100 g pro Tag immer wieder dazu geraten, den Leinsamen eine Nacht in Wasser quellen zu lassen, um ihn anschließend unter Zugabe von etwa 2 Litern Wasser rund 30 Minuten zu kochen. Danach stellt man die Hitze der Herdplatte aus, bedeckt den Topf mit einem Deckel und lässt die Leinsamen noch ziehen, bis sie soweit abgekühlt sind, dass man sie beispielsweise in ein Kleiemash einrühren kann, um sie zu verfüttern.

Hierbei geht es aber nicht nur um das enthaltene Cadmium, sondern auch um die im Leinsamen enthaltene Substanz Linamarin – das kann für Pferde giftig sein, weil es durch Enzymprozesse im Pferdedarm zu Blausäure umgewandelt werden kann. Das Kochen des Leinsamens zerstört jedoch das Enzym, welches für die Freisetzung des Linamarin verantwortlich ist.

Wer Leinsamen füttert, um eine Gewichtszunahme bei seinem Tier zu erreichen, der sollte den Leinsamen schroten oder mahlen, denn nur so gelangen die unter der schützenden Schale (die nicht verdaut werden kann und wieder ausgeschieden wird) verborgen Fettsäuren, das enthaltene Eiweiß sowie die verschiedenen Vitamine und Mineralstoffe in den Darm und können verstoffwechselt werden. Allerdings sollte man keinen geschroteten oder gemahlenen Leinsamen auf Vorrat kaufen, denn die mehrfach ungesättigten Fettsäuren reagieren höchst empfindlich auf Sauerstoff und werden sehr schnell ranzig.

Wer nur von der Schleimbildung profitieren und nicht zunehmen möchte (oder darauf achten will, dass seine Tiere auch schlank bleiben) sollte ihn als „kalorienarme Variante“ als ganze Samen verwenden – hier bleibt aber zu beachten, dass die Mengen dabei auch nicht zu groß sein dürfen und diese Option nicht für Pferde gilt.

 

Dosierung


 

Für PferdeFür HundeFür KatzenFür Geniesser

Mensch 20 g pro Tag

Hund 5 bis 10 g pro Tag

Katze 1 bis 3 g pro Tag

Pferde 50 bis 100 g am Tag (nur aufgekocht verwenden)

 

Leinkuchenflakes


Leinkuchenflakes stellen eine zeitsparende Alternative zur Verwendung von Leinsamen dar, denn man muss sie nicht kochen oder einweichen und kann sie trocken verfüttern, weil sie keine Blausäure und kein Cadmium enthalten. Allerdings fehlt Leinkuchenflakes die hohe Menge an Leinöl des Samens, denn bei ihnen handelt es sich um ein Nebenprodukt, das nach der Pressung der Leinsaat bei der Ölgewinnung entsteht.

Trotzdem wirkt der Leinkuchen ähnlich günstig auf die Gesundheit, wie der Leinsamen selbst, denn nach wie vor sind die wertvollen Ballast- und Schleimstoffe, ein Teil der essentiellen Fettsäuren und die Vitamine und Mineralstoffe enthalten.

Besonders interessant ist die Fütterung von Leinkuchenflakes bei Verdauungs- und Fellproblemen, beispielsweise:

  • zur Vorbeugung gegen Koliken
  • bei Durchfallerkrankungen
  • zur Anregung der Darmtätigkeit
  • zum Aufbau einer gesunden Darmschleimhaut (wertvolle Mikroorganismen können sich im Darm ansiedeln)
  • zur schonenden Regenerierung gereizter Magen- und Darmschleimhäute (schützende Schleimstoffe beugt Reizungen vor)
  • bei Ekzemneigung (Sommerekzem)
  • bei empfindlicher Haut
  • bei schuppiger, trockener Haut oder glanzlosem Fell

Aber Leinkuchen ist auch reich an

  • essenziellen Aminosäuren
  • natürlichem Vitamin E
  • verdauungsfördernden Schleimstoffen
  • mehrfach ungesättigter Fettsäuren (Omega-3)

Für Pferdeund verbessert die Futterverwertung und die Aufspaltung von Nährstoffen. Insofern eignet er sich auch zum Auffüttern magerer Pferde oder zur Zufuhr von zusätzlicher Energie, ohne den Stoffwechsel mit schwerverdaulichen Kohlehydraten zu belasten.

Wegen seines hohen Eiweißgehaltes kann er auch an Sportpferde und Zuchtstuten verfüttert werden. Auch in der Fohlenaufzucht kann Leinkuchen mit einem Anteil von 15% dem Aufzuchtfutter beigemischt werden

 

Dosierung für Pferde


  • für Pferde zur Vorbeugung und Gesunderhaltung 100 g pro Tag
  • zum Auffüttern, bei laktierenden Zuchtstuten oder stark beanspruchten Sportpferden sowie bei starker Kolikneigung 200 g pro Tag

Leinkuchenflakes können auch an Hunde und Katzen verfüttert werden, aber sollten dann vor der Fütterung eingeweicht werden

 

Dosierung für Hunde und Katzen


Für Katzen

  • Katzen bis 5 kg Körpergewicht 5 g täglich
  • Katzen über 5 kg Körpergewicht 10 g täglich

Für Hunde

  • Hunde bis 15 kg Körpergewicht 10 g täglich
  • Hunde 15 bis 30 kg Körpergewicht 15 g täglich
  • Hunde über 30 kg 20 g täglich

 

Ihr könntet natürlich auch mal eine sehr gesunde Variante von

 

Plätzchen mit Leinsamen backen:


Zutaten

  • 500 g Mehl
  • 250 g Zucker
  • 200 g Margarine
  • 50 g Leinsamen gemahlen
  • das Mark einer Vanilleschote
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 1 gestrichener Teelöffel Backpulver

Zubereitung

Margarine schmelzen.
Gemahlenen Leinsamen mit dem Wasser schaumig rühren.

Alle Zutaten vermengen.

Dann den Teig ausrollen und ausstechen.
Die Plätzchen im vorgeheizten Backofen bei 150° ca 15-20 Minuten backen und dann abkühlen lassen.

 

Aber Ihr könnt die Leinsamen natürlich auch in Brot einbacken:


  • 100 g Leinsamen
  • 350 ml kochendes Wasser
  • 250 g Mehl (Weizenmehl Typ 405)
  • 250 g Mehl (Weizenvollkornmehl)
  • 1 Würfel Hefe (oder ein Päckchen Trockenbackhefe)
  • 2 TL Honig
  • 2 TL Salz
  • Butter zum Einfetten der Kastenbackform

Die Leinsamen mit dem kochenden Wasser übergießen, umrühren und zugedeckt etwa 1 Stunde quellen lassen.
Beide Mehlsorten in einer großen Rührschüssel mischen, die Hefe an eine Seite am Schüsselrand bröckeln, den Honig über die Hefe verteilen.

Die gequollenen, lauwarmen Leinsamen mit der Flüssigkeit darüber geben und mit der Hefe, dem Honig und dem Mehl verrühren.
Die Schüssel mit einem Tuch zudecken und etwa 30 Minuten an einen warmen Ort stellen, damit er „gehen“ kann.

Die Kastenbackform mit etwas Butter einfetten.
Den Teig noch einmal gründlich kneten, bis er geschmeidig ist und sich vom Schüsselrand löst.

Dann in die Backform füllen und glatt streichen. Mit einem Tuch zudecken und nochmals etwa 25 Minuten an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Teigvolumen um etwa ein Drittel vergrößert hat.
Dann evt. die Oberfläche mit einem Messer schräg einkerben.

Das Brot im Backofen (unterste Schiene) bei 200°C etwa 50 bis 60 Minuten goldbraun backen.


Das Brot aus dem Backofen nehmen, auskühlen lassen und dann vorsichtig aus der Form nehmen und genießen!

 

Sabine Bröckel

vom Team der Kräuter- und Gewürzmanufaktur Neumann Tiergewürze

 

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