Grasen, bis der Bauch wächst – das Problem Moppelpferd

17.07.2014 18:17 | Gewichtsirritationen

Moppelpferd  

Grasen, bis der Bauch wächst – das Problem Moppelpferd


Moppelhü-Kräuterunterstützte Abnahmeversuchsreihe

Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Wenn man die Kreuzgurte der Fliegendecke, die letztes Jahr noch um den Bauch des Pferdes passten, um einige Zentimeter verlängern muss, lässt das nur den Schluss zu, dass das Pferd zugenommen hat!

Moppelpferd

Das Phänomen ist aber gerade im Moment weit verbreitet, denn das Hochleistungsgras auf den Wiesen und der permanente Zugang zum Grünfutter, lassen die Pferdebäuche wachsen. Dazu kommt, dass wir ja manchmal auch ganz froh sind, wenn man den lieben Vierhufer auf der Dauerweide weiß. Schließlich läuft er den ganzen Tag und die ganze Nacht frei auf der Koppel – ganz wie die Natur es vorgesehen hat. Entbindet uns das nicht von der Pflicht, für seine ausreichende Bewegung zu sorgen?

Schön wär´s.

Zwar ist der Pferdemagen tatsächlich dafür ausgelegt, zwei Drittel des Tages mit Fressen zu verbringen, aber die natürliche Pferdenahrung wäre eigentlich mageres Steppengras – das ist, im Gegensatz zum üblichen Bewuchs auf unseren Weiden, sehr nährstoffarm. Um satt zu werden, müssen es Wildpferde in relativ großen Mengen und damit permanent – bis auf wenige Fresspausen - zu sich nehmen. Außerdem wächst es nicht immer in großen Mengen direkt vor der Pferdenase, wo es bequem erreicht und abgefressen werden kann. Darum legen grasende Wildpferde in der Schrittbewegung, während der täglichen Futteraufnahme, eine Strecke von 30 bis 40 Kilometern pro Tag zurück – unsere domestizierten  Pferde finden die üppige Nahrung vor ihren Hufen und wandern durchschnittlich 6 bis 11 Kilometer innerhalb von 16 Stunden Fresszeit.

Unsere Pferde bewegen sich weniger und grasen überdies auf Weiden, die ursprünglich für Hochleistungsrinder angelegt wurden. Die benötigen extrem energiereiches Futter, um genügend Fleisch anzusetzen, besonders fruchtbar zu sein und eine extreme Milchleistung zu erbringen.

Übermäßig gehaltvolle Nahrung bedeutet nicht, dass das Pferd schneller satt ist und weniger frisst. Im Gegenteil: Das Hochleistungsgras enthält zu wenig sättigende Rohfasern. Das Pferd folgt also seinem Instinkt, dauernd zu fressen, verfettet dadurch, weil das Gras zu gehaltvoll ist und ist dennoch hungrig, weil die Rohfaser fehlt, um ein Sättigungsgefühl zu erzeugen.

 

Mattes Moppelchen – Muntermacher Müsli?


 

Damit beginnt ein Teufelskreis, denn das Moppelpferd wird meist auch träger. Seine Bewegungslust und seine Leistungsbereitschaft sinkt. Es wird aber nicht nur auf der Weide zunehmend inaktiver, sondern auch unter dem Sattel geht ihm schnell die Puste aus. Dazu kommt, dass die Speckschicht den Körper isoliert und verhindert, dass Wärme abgegeben wird. Um die Verdunstungskühle zu nutzen, müssen dicke Pferde bei sportlicher Anstrengung stärker schwitzen. Das bringt den Wasser- und Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht.

Das Pferd wirkt matt und unmotiviert.

Und was macht der besorgte Pferdebesitzer? Er füttert energiereiches Kraftfutter dazu, damit sein vierhufiger Liebling wieder munterer wird. Das Pferd enthält ein hohes Maß an überschüssiger Energie, die vom Organismus nicht verbrannt werden kann – sie wird in Fett umgewandelt, in den Fettzellen gelagert und landet zusätzlich in den Speckpolstern. Besonders melassierte Müslis werden durch ihren hohen Stärkeanteil zu Dickmachern – selbst wenn es sich um Diätmüslis handelt. Diät bedeutet bei den meisten Müslisorten im Übrigen auch meist nur, dass sie eiweißreduziert sind. Kohlehydrate aus stark zuckerhaltiger Melasse findet man trotzdem darin, weil das Futter dadurch eine bessere Akzeptanz erhält und was dem Pferd gut schmeckt, das kauft der Pferdebesitzer auch gerne wieder.

Wer nun auch noch bei Nachts aufgestallten Pferden die Heuration kürzt, damit die Kalorien aus dem tagsüber aufgenommenen Weidegras und dem übermäßigen Kraftfutter wieder eingespart werden, der begeht den nächsten Fehler und schickt sein Pferd endgültig auf den Weg zum Moppelhüh, denn ein befriedigendes Sättigungsgefühl entsteht nur durch Raufutter. Das füllt den Verdauungstrakt und beschäftigt das Pferd auch seiner Art entsprechend lange mit der Futteraufnahme.

Als Faustregel gilt:

  • Ein Kilogramm Heu auf 100 Kilogramm Lebendgewicht pro Tag ein 500 Kilogramm schweres Warmblut sollte also mindestens 5 kg Heu bekommen.

Vielfach beobachtet man im Rahmen einer artgerechten Pferdehaltung, dass das Heu unbegrenzt zur Verfügung steht. Grundsätzlich ist es sicher richtig und der Gesundheit von Magen und Darm förderlich, wenn das Pferd sich ad libidum am Heu bedienen kann. Bei Pferden, die abnehmen sollten, ist eine Rationierung der

Heumenge aber unumgänglich. Nun bleibt an dieser Stelle die Frage zu beantworten, ob man die Faustregel für den Heubedarf des Pferdes ignorieren darf und weniger Heu füttern sollte, als das eine Kilo Heu auf 100 kg Lebendgewicht.

Das Problem bei reduzierter Heufütterung kann dann entstehen, wenn das Pferd seinen Raufutterbedarf dann aus der Stroheinstreu deckt – die Folge kann eine Verstopfungskolik sein. Wer die Heuration im Rahmen einer Diät kürzt, muss sein Pferd konsequenter Weise auch auf Späne stellen. Man kann übergangsweise auch einen Teil des Raufutterbedarfs aus hochwertigem Futterstroh decken, das kaum Energie, aber einen hohen Sättigungswert hat.

Die verbleibende Menge Heu sollte aber auf keinen Fall in einer Ration gefüttert werden, denn damit ist den Ansprüchen vom Verdauungssystem des Pferdes nicht Genüge getan, das auf permanente Futteraufnahme programmiert ist. Frisst das Moppelchen sein Heu auf und sein Magen bleibt danach stundenlang untätig, können im schlimmsten Fall Magengeschwüre die Folge sein. Mehr als drei Stunden sollten nie zwischen den Fütterungen liegen. Das bedeutet, dass die Heumenge für die Nacht zwar zwei Rationen abdecken sollte, aber dass sie so gereicht werden muss, dass das Pferd mit der Menge Heu auch die nächsten sechs Stunden beschäftigt sein wird.

Ein engmaschiges Heunetz kann die Lösung sein. Zu beachten ist aber, dass es hoch genug aufgehängt werden muss, denn je weniger Inhalt im Netz zurückbleibt, desto näher senkt es sich zum Boden hin – es wird quasi länger. Ein nach Futter scharrendes Pferd kann mit dem Huf hineingeraten und sich beim Versuch, sich zu befreien, eine Sehnenzerrung zuziehen. Eine besondere Gefahr stellen auch die Schenkel der Hufeisen dar: Das Heunetz kann sich darunter verklemmen und das Eisen könnte im besten Fall abgerissen werden ... im schlimmsten Fall bleibt ein Teil der Hufwand am Eisen. Ein sogenannter Heuigel ist die sicherere Variante, damit das Pferd länger beschäftigt ist und langsamer frisst. Es handelt sich dabei um einen Plastikzylinder mit Löchern, aus denen die Pferde das Heu nur allmählich knabbern können.

 

Grüner Dickmacher: Hochleistungsgras für Rinder


 

Neben dem Kraftfutter gilt aber vor allem die Weide als Dickmacher. Den Beweis dafür kennen wir alle: Im Sommer, wenn die Pferde auf einer Dauerweide (7 Tage/ 24 Stunden) stehen, entstehen die dicken Weidebäuche, die uns dann zur Verzweiflung treiben, wenn wir den Sattelgurt, den wir im Frühling doch noch bequem ins dritte Loch der Gurtstrippe einschnallen konnten, nur noch mit Mühe ins erste Loch zerren können.

Darf unser Moppelchen sich nun also nur noch im Sandpaddock frei bewegen?

Ist die Weide tabu, wenn das Pferd abnehmen soll?

Ganz so drastisch muss man ganz sicher nicht eingreifen, denn dem Pferd den Zugang zum natürlichsten Futter und zur artgerechtesten Lebensweise zu verwehren, ist in der Phase der Prophylaxe noch nicht nötig.

Wer seine eigenen oder gepachtete Grünflächen bewirtschaftet, kann beispielsweise seine Weide durch überlegte Düngung und Nachsaat mit für Pferde besonders geeignete Grassorten in Magerweiden verwandeln. Wer nicht selbst das Wissen eines Landwirtes hat, kann sich dabei von Fachleuten, beispielsweise den Mitarbeitern einer Landwirtschaftskammer beraten lassen.

Wer das Weidemanagement nicht selbst übernehmen kann, muss leider bei Koppeln mit energiereichem Leistungsgras für Rinder damit rechnen, dass der kräftige Überschuss an Eiweiß und Kohlehydraten beim Pferd in Fett umgewandelt würde.

In diesem Fall hilft also nur der reduzierte, stundenweise Weidegang, der mit dem Aufenthalt auf einem Sandpaddock abwechselt oder die Portionierung der Weide. Der Zeitaufwand ist natürlich größer. Überdies erfordert die Portionierung der Weide eine Investition in einen mobilen Zaun. Er trennt die kleine Fläche, die dem Moppel zur Verfügung stehen soll ab und wird weiter gesteckt, sobald das Gras dort abgefressen ist. Leider birgt dieses System noch mehr Nachteile, denn die zu Anfang noch üppig bewachsenen Parzellen bieten viel Grünfutter für dicke Pferde und müssen darum sehr klein gehalten werden. Die Herdenhaltung ist damit nahezu unmöglich: Die Pferde hätten keinen Platz mehr, sich auszuweichen. Weideverletzungen könnten die Folge sein. Nicht zu vergessen ist auch, dass der Reiz, sich zu bewegen, auf kleinen Flächen deutlich abnimmt – und das ist für das Abspecken wieder kontraproduktiv.

Dazu kommt, dass mobile Zaunsysteme verstärkte Eckpfosten brauchen, damit der Zaun stabil ist – die müssen zusätzlich gesetzt werden. Eine Garantie, dass das hungrige Pferd, welches durchaus sieht, dass das Gras auf der anderen Seite der Litze höher und grüner ist, die Abtrennung nicht ignoriert, gibt es auch nicht. Gerade Ponys mit dicker Mähne können eine erstaunliche Fertigkeit darin entwickeln, die stromführende Litze hochzuheben, um darunter durch zu flitzen.

Der viel gegebene Rat, adipöse Pferde auf abgefressene oder abgemähte Grasflächen zu stellen, ist auch nur bedingt gut. Insbesondere bereits abgemähte Wiesen und sehr kurz gefressene Grasbestände zeichnen sich durch eine geringere Blattmasse aus und weisen darum sogar eine höhere Konzentration an Fructan auf, als blattreiche Aufwüchse, weil Fructane als Reservekohlenhydrate vornehmlich im Stängel und in der Halmbasis gespeichert werden. Das kurze "gestresste" Gras ist also besonders fructanreich und damit eine Gefahr für Pferde oder Ponys, die eine Disposition für Hufrehe haben – und die haben dicke Pferde und Ponys eigentlich alle.

 

Moppel oder Muskelprotz?


 

Zu beachten ist jedoch, dass ein dicker Bauch nicht unbedingt ein Zeichen für Übergewicht ist. Gerade stark verwurmte Pferde haben oft einen aufgetriebenen Blähbauch, unter dessen Fell deutlich die Rippen hervorstechen. Auch Pferde, die große Mengen Raufutter aufnehmen, haben oft kurzfristig einen dicken Kugelbauch, weil ihr Darm sehr voll ist. Sobald der Inhalt verdaut ist, normalisiert sich der Bauchumfang wieder. Allerdings ist auch der sogenannte "Stroh- oder Heubauch" nicht ganz unbedenklich, denn die Verdauung des sehr ballaststoffreichen Strohs ist in zu großen Mengen belastend und kann zu Verstopfungskoliken führen.

Im Bezug auf die Gesundheit des Verdauungssystems stellt der "Weidebauch" erst einmal keine Gefahr dar, auch wenn die Ursache sehr ähnlich ist, wie die vom Heu- oder Strohbauch: Der Magen-Darm-Trakt ebenfalls sehr voll und der Bauch wirkt von

außen dick – sobald der Inhalt verdaut ist, nimmt er wieder einen normalen Umfang an. Gras ist jedoch leichter verdaulich als Stroh. Trotzdem ist das Gewicht, das die Pferde mit sich herumtragen, nicht ganz unbedenklich, denn ein durchschnittlich großes und schweres Warmblutpferd nimmt, je nach der Intensität des Bewuchses der Wiese, ab einer Länge der Grashalme von ca. 10 cm, innerhalb von einer Stunde rund 5 bis 8 Kilogramm Gras auf und damit gerät schon bei vier Stunden Weidezeit eine Menge an Grünfutter in seinen Verdauungstrakt. Das Gewicht lastet natürlich ebenfalls auf den Gelenken. Wenn ein Pferd schon übergewichtig ist, wirken diese rund 30 Kilo zusätzlich als Ballast.

Ab wann ist ein Pferd aber nun zu dick?

 

Vergleicht man beispielsweise Dressurpferde mit Renn- oder Distanz-, respektive Vielseitigkeitspferden, dann fällt zum einen auf, dass Dressurreiter ihre Pferde eher etwas üppiger bevorzugen, während im Distanzsport, im Busch und auf der Rennbahn, wo es auf Geschwindigkeit und Ausdauer ankommt, die schlanke Linie zählt. Bei den Galoppern gilt sogar, dass ein Kilogramm zuviel auf 100 Metern eine Pferdelänge Verlust bedeutet. Inzwischen haben übrigens auch die Springreiter erkannt, dass jedes zusätzliche Kilo mit über die Stangen getragen werden muss – das ist nicht nur anstrengend und die Pferde können weniger leisten, sondern überdies belastet das Zuviel an Gewicht die Gelenke bei der Landung zusätzlich.

Die Tänzer im Dressurviereck wünscht man sich aber imposant und mit möglichst viel Halskamm. Die Oberhalslinie wächst natürlich auch mit dem entsprechenden Training und eine starke Bemuskelung lässt ein Pferd selbstverständlich auch runder wirken. Dass also ein Dressurpferd nicht unbedingt fettleibig ist, nur weil es optisch nicht so schlank wirkt, wie ein englisches Vollblut im Rennsport, liegt vor allem daran, dass sie eher mit Kraftsportlern verglichen werden können, während der Galopper eher ein Ausdauersportler ist – die Muskulatur ist eine andere. Aber auch das Exterieur des Vollblutpferdes unterscheidet sich vom Gebäude des Warmblüters: Rennpferde sind meist hochbeiniger, verfügen über mehr "Wind unter dem Bauch" und haben eine schlankere Silhouette.

Im Fokus der Diskussion, wann ein Pferd muskulös und wann es adipös ist, stehen aber auch immer wieder die Barockpferde, wie zum Beispiel die spanischen Pferde. Sie sind kurz im Rücken und im Hals, kurz und rund in der Kruppenformation und verfügen durch ihren hohen Halsaufsatz bereits über viel Aufrichtung – dadurch wirken sie schnell moppelig, auch wenn sie lediglich muskulös sind.

Moppelpferd

Leider sind sie aber tatsächlich auch sehr leichtfuttrig. Ein üppiger Grasbewuchs auf der Koppel führt bei vielen Spaniern rasch zu Übergewicht. Meist brauchen diese Pferde nicht einmal Kraftfutter, sondern nur Heu und Mineralstoffe, um ihr Idealgewicht zu halten. Weil die Hengste dieser Rasse aber aufgrund ihres meist ausgeprägt guten Sozialverhaltens häufig unkastriert bleiben, liefert auch der kräftige Halskamm nicht unbedingt den Hinweis auf eine zu gehaltvolle Fütterung – hier wirkt eher reines Testosteron.

Es ist also gar nicht so leicht, den Futterzustand eines Pferdes zu beurteilen, nachdem der rasse- und geschlechtstypische Körperbau so unterschiedlich sein kann.

Sieht man beispielsweise bei einem englischen Vollblut in Rennkondition die Rippen, ist es nicht mager, sondern im optimalen Trainings- und Futterzustand. Hat ein Kaltblüter einen "Brötchenhintern" mit gespaltener Kruppe, dann entspricht er dem Zuchtziel.

Dennoch gibt es einige Richtlinien, die unter Berücksichtigung rasse – und geschlechtstypischer Besonderheiten für alle Pferde gelten:

  • Das Kammfett sollte den Hals weder massiv nach oben verdicken, noch darf es seitlich heraustragen.
  • Während die Halswirbel fühlbar sein müssen, gilt das nicht für die Dornfortsätze am Widerrist - die sollten nicht einzeln erkennbar sein.
  • Der Hüfthöcker darf kaum, der Sitzbeinhöcker überhaupt nicht sichtbar sein.
  • Dornfortsätze der Wirbelsäule sollten so in die Rückenmuskulatur eingebettet sein, dass sie auf der gleichen Höhe liegen – weder sollten sie in Fettwülsten versinken, noch sollte die Wirbelsäule hervorstehen, sodass der Rücken wie ein "Dach" aussieht.
  • Geringfügige Fettpolster hinter der Schulter und rund um den Schweifansatz sind unbedenklich.
  • Die Innenseiten der Oberschenkel dürfen sich nicht berühren.
  • Die Rippen sollten sich unter dem Fell nicht sichtbar abzeichnen, aber wenn man darüber streicht, sollten sie ohne, dass man drücken muss, fühlbar sein.

Krank durch Kalorien


 

Als ich vor etwas mehr als 30 Jahren mein erstes eigenes Pferd kaufte, galten noch die Gewährsmängel: Rotz, Dummkoller, Dämpfigkeit, Kehlkopfpfeifen, Mondblindheit und Koppen. Natürlich kannte man auch Spat und die Hufrollenentzündung als Verschleißerscheinungen von Sportpferden oder Arthrose bei älteren Pferden. Hufrehe war jedoch eher ein Problem, das nur Shettlandponys betraf und das Sommerekzem kam nur bei importierten Islandpferden vor.

Wenn ich heute ein Pferd kaufe, dann werde ich hingegen mit vielen Wohlstandskrankheiten konfrontiert: Üppig gefütterte Pferde, deren Speckschicht die fehlenden Muskeln vortäuschen soll, lassen mich annehmen, dass ihr Bewegungsapparat vermutlich schon Schaden nahm, weil das Übergewicht die Gelenke übermäßig belastete und frühzeitig verschleißen lassen wird. Organe wie Niere und Leber, die vor 30 Jahren höchstens durch eine Vergiftung oder massive Verwurmung Schaden nahmen, wurden vielleicht ebenfalls bereits durch die Fettleibigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Erhöhte Insulin- und Glucosewerte könnten langfristig die Gesundheit und die Einsetzbarkeit als Reitpferd beeinträchtigen. Und auch ein imposanter Hals weckt mein Misstrauen, weil ich sofort an das Equine metabolische Syndrom (EMS) denke. Wachstumsrillen in den Hufen assoziiere ich sowieso sofort mit einer Disposition für Hufrehe.

Wo ich hinschaue, entdecke ich potentielle Tierarztkosten. Natürlich haben wissenschaftliche Untersuchungen, die verbesserte Aufklärung und die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren, dazu beigetragen, dass Krankheiten, die man früher gar nicht kannte und für die es nicht mal einen Namen gab, wie EMS, nun diagnostizierbar geworden sind. Man wurde in Fachmagazinen darauf aufmerksam gemacht und inzwischen wird man im Internet damit konfrontiert, kaum dass man eine Webseite anklickt, bei der es um Pferde geht.

Vielleicht erkrankten Pferde auch schon vor drei Jahrzehnten an Stoffwechselstörungen, aber nun kennt man die Ursache des Problems. Allerdings kann ich mich auch nicht daran erinnern, dass damals so viele Pferde übergewichtig waren.

Das mag daran liegen, dass meist nur Hafer in den Trog kam. Denaturalisiertes Zusatzfutter, Pülverchen und Müslis für jedes Problem waren eher die Ausnahme, als die Regel. Trotzdem wurden meine Pferde relativ alt und blieben auch als Senior noch leistungsfähig. Die Frage, die sich mir also immer wieder stellt ist, ob die Pferde durch all die Wundermittelchen, die sie gesund erhalten oder heilen sollen, wirklich gesunder werden oder ob nur die Bilanz der Hersteller dadurch gesundet. Vielleicht wäre der Weg zurück zur natürlichen Fütterung auch der zurück zur Gesundheit.

 

Rund und Gesund?


 

  • Dicke Pferde und ihr Bewegungsapparat

Das naheliegendste gesundheitliche Problem, das durch das Übergewicht beim Pferd auftreten kann, ist die Überlastung des Bewegungsapparates. Gelenke, Bänder und Sehnen verschleißen viel zu früh. Erkrankungen wie Arthrose, Spat und Hufrollensyndrom können die Folge sein.

  • Dicke Pferde und das Sommerekzem

Doch neben den offensichtlichen Folgen von zuviel Speck auf dem Pferd, gibt es leider auch Krankheiten, die durch eine zu gehaltvolle Nahrung verstärkt werden – das Sommerekzem ist ein Beispiel dafür.  Es wird sogar spekuliert, dass zu gehaltvolles Futter der Auslöser dafür ist, dass das Sommerekzem in Erscheinung tritt. Nachdem zu Anfang vor allem importierte Islandpferde, die aus ihrer Heimat eher karges Futter kennen, nach der Umstellung auf energiereicheres Kraftfutter unter Juckreiz litten, darf man annehmen, dass dem Problem unter anderem eine Stoffwechselstörung zugrunde liegt, die durch einen Überschuss an Energie aus dem Futter verursacht wird.

  • Dicke Jungpferde und Osteochondrosis dissecans (OCD)

Ein ganz besonderes Problem wird zuviel Speck für Jungpferde, die sich noch im Wachstum befinden. Gehaltvolles Futter "treibt" die Größe – die Pferde erreichen ihr Endmaß deutlich früher, als extensiv gefütterte Aufzuchtpferde. Knochen, Gelenkknorpel, Bänder und Sehnen benötigen aber Zeit, um ihre Stabilität zu erreichen, die sie brauchen, um das Gewicht eines ausgewachsenen Pferdes zu tragen. Die Folge von einem, durch eine zu energiereiche Fütterung forciertes Wachstum, kann OCD (Osteochondrosis dissecans) sein. Hierbei handelt es sich um eine, immer häufiger bei Jungpferden auftretende Gelenkserkrankung des wachsenden Pferdes im Zuge der Skelettentwicklung.

  • Dicke Pferde und der Kreuzverschlag (paralytische Myoglobinurie)

Kohlenhydratreiches Futter birgt aber nicht nur das Risiko des Übergewichtes, denn Kohlehydrate werden in Glukose umgewandelt und diese wiederum als Glykogen in den Muskeln gespeichert, welche daraus ihre Energie beziehen. Wird nun mehr Glykogen gespeichert, als die Muskeln durch Beanspruchung verbrauchen, kann eine Stoffwechselstörung auftreten: der extrem schmerzhaften Kreuzverschlag (paralytische Myoglobinurie)-eine Entzündung der Rückenmuskulatur, die bei einer zucker- und stärkehaltige Fütterung, bei gleichzeitig ungenügender Bewegung auftreten kann. Risikoreich ist auch der Wechsel zwischen einerseits extremer Belastung und andererseits reinen Weide- oder gar Stehtagen. Das ist auch der Grund, warum der Kreuzverschlag auch als

"Montagskrankheit (Monday Morning Disease)"

bezeichnet wird: Sie tritt oft nach einer längeren Ruhezeit bei gleichzeitig üppiger Fütterung auf, der dann ein intensives Training folgt. Auffallend ist ein starkes Schwitzen bei plötzlich auftretender Steifheit. Das Pferd möchte sich nicht mehr bewegen, zittert, drückt häufig den Rücken nach unten und geht in eine "Sägebockhaltung", stellt also die Vorderbeine nach vorne und die Hinterbeine nach hinten heraus. Im schlimmsten Fall knickt es mit den Hinterbeinen ein und legt sich fest. Besonders auf der Kruppe ist die Muskulatur stark verhärtet und durch den Myoglobinabbau kommt es zu einer rötlich-braunen Verfärbung des Urins. Die Symptome treten durch eine Stoffwechselstörung auf, die mit der Glykogenspeicherung in der Muskulatur zusammenhängt. Kann nicht ausreichend Sauerstoff bereitgestellt werden, um die bei Beanspruchung der Muskeln entstehenden Abbauprodukte wie Laktat zu entsorgen, übersäuern die Muskeln und versagen. Es kann sogar zum Zerfall von Muskelzellen kommen. Das für die Speicherung von Sauerstoff in der Muskulatur zuständige Myoglobin, geht in den Blutkreislauf über und wird über die Niere ausgeschieden. Oft kommt es dabei auch zu einem lebensgefährlichen und vielfach auch irreversiblen Nierenschaden.

  • Dicke Pferde und ihre Leber

Leber und Niere sind die Organe, welche für den Abbau und den Abtransport von überschüssigen und/ oder für den Körper schädliche Substanzen zuständig sind.

Ein ständiges Überangebot von Proteinen überlastet die Leber und führt zu krankhaft erhöhten Leberwertenim Blutbild. Leider ist das regenerationsfähige Gewebe meist schon zum großen Teil zerstört, wenn das Blutbild den Hinweis auf eine krankhafte Veränderung der Leberfunktion liefert.

  • Dicke Pferde und ihre Nieren

Die von der Leber abgegebenen Giftstoffe müssen im Anschluss über die Nieren ausgeschieden werden. Sind aber nun auch die Nieren durch ein dauernd zu hohes Maß an Eiweiß und Kohlehydraten überlastet, so werden die Giftstoffe in Depots im Körper abgelagert und führen dort zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen - die Überlastung dieses Organs kann zu einer Niereninsuffizienz mit ihrem tödlichem Ausmaß führen.

  • Dicke Pferde und ihre Herz-Lungenaktivität

Übermäßige Fetteinlagerungen im Körper des Pferdes können auch die Herz- und Lungenaktivität einschränken.

  • Dicke Pferde und ihre Fruchtbarkeit

Übergewichtige Stuten zeigen oft kaum Rosse oder bilden Follikel, die nicht zur Ovulation kommen. Auch das Einnisten des Fötus im Uterus kann erschwert sein. Bei moppeligen Hengsten sinkt die Libido und die Spermienqualität.

  • Dicke Pferde und ihr Verdauungssystem

Die gesundheitsschädlichen Folgen von üppigem Futterangebot und damit verbundener Fettleibigkeit des Pferdes machen auch vor dem Verdauungstrakt nicht halt: Fettkügelchen können im Dünndarm-Gekröse Darmabschnitte blockieren und Koliken auslösen.

  • Dicke Pferde und die Hufrehe

Hufrehe ist eine aseptische diffuse Entzündung der Huflederhaut, wobei sich die Hufkapsel von der Lederhaut ablöst. Sie ist eine der typischen Wohlstandsprobleme in der Pferdefütterung, denn der Grund, warum Hufrehe entsteht, liegt leider oft in einer zu üppigen, strukturlosen und kohlehydratreichen Fütterung begründet. Die führt zu einer explosionsartigen Vermehrung der Streptokokken (kohlenhydratspaltenden Bakterien) im Dickdarm und zu einem massiven Auftreten von Milchsäure, aufgrund der die rohfaserverdauenden Bakterien in großen Massen sterben.

Es werden Giftstoffe (Endotoxine) freigesetzt, was zu einer Übersäuerung im gesamten Organismus führt. In der Folge kommt es im Huf zu einer Entzündung, mit der eine lokale Durchblutungsstörung mit Austritt von Gewebsflüssigkeit und festen Bestandteilen (Blutkörperchen) aus den Blutgefäßen der Lederhautblättchen einhergeht. Es entsteht eine Schwellung mit Ödembildung. Extrem schmerzhalt ist hierbei der Flüssigkeitsaustritt bei gleichzeitig fehlender Ausdehnungsmöglichkeit im Huf. Hält die Entzündung und der Flüssigkeitsaustritt an, lösen sich die reißverschlussartig ineinander greifenden Lederhautblättchen (innen) von den Oberhautblättchen (außen). Das kann zu einer Hufbeinrotation und/ oder zu einer Hufbeinabsenkung führen. Im schlimmsten Fall kann es auch zum Ausschuhen kommen – der vollständigen Ablösung der Hornkapsel vom Huf.

  • Dicke Pferde und das Equine Metabolische Syndrom (EMS)

Eine Folge eines ständigen Überangebots von sehr gehaltvollem Futter kann zu einer Erkrankung des endokrinen Systems bei Pferden führen. In den USA wurde diese Symptomatik als Equines Metabolisches Syndrom (EMS) definiert. Allerdings wird es erst seit wenigen Jahren in der Veterinärmedizin bekannt und wird inzwischen über einen erhöhten Nüchterninsulinspiegel im Blutplasma diagnostiziert. Beim EMS-Pferd ist der Blutzuckerspiegel permanent zu hoch, wodurch der Zuckerstoffwechsel, respektive die Insulinfunktion gestört ist (Insulinresistenz): Die Zellen vor allem in Leber und Muskulatur reagieren nicht mehr richtig auf Insulin das außerdem in zu großen Mengen ausgeschüttet wird. Schuld daran ist das massive Fettgewebe, das Hormone produziert, welche die den Zuckerstoffwechsel und die Insulinfunktion aus dem gesunden Gleichgewicht bringen.

Typische Symptome für EMS sind:

  • der deutliche Fettansatz an Mähnenkamm
  • üppige Fettpolster an der Schulter und auf der Kruppe, oberhalb des Schweifansatzes, an der Penisscheide bei Wallachen und am Euter bei Stuten

Eine Folgeerkrankung der EMS ist die Hufrehe, weil ein zu hoher Blutzuckerspiegel zu Entzündungen in den Gefäßen führen kann. Man muss auch davon ausgehen, dass sich eine Disposition für das Sommerekzem durch eine EMS verstärken kann.

  • Dicke Pferde und Diabetes mellitus

Ein Mangel an Insulin und ein damit verbundene, dauerhaft erhöhte Blutglucose, wird beim Pferd (noch) relativ selten diagnostiziert, denn der Blutzuckerspiegel steigt nicht oft so sehr an, dass das Ausmaß eines Diabetes mellitus erreicht wird. Trotzdem besteht das Risiko dieser Folgeerscheinung einer ständiger Überfütterung. Vor allem kann ein sekundärer Diabetes durch EMS entstehen und Veterinärmediziner gehen davon aus, dass wenn suboptimale Haltungsbedingungen, wie zuviel und zu gehaltvolles Futter, sowie zuwenig Bewegung auf eine genetische Disposition für die Zuckerkrankheit trifft, das Risiko für Diabetes mellitus beim Pferd steigt.

Typische Symptome sind:

  • Vermehrtes Trinken und damit verbundenes häufiges Absetzen von Urin
  • Stumpfes, glanzloses Fell
  • Gestörter und unvollständiger Fellwechsel
  • Die Häufigkeit von Entzündungen, wie Hufrehe steigt
  • Leistungsfähigkeit sinkt

Diagnostiziert wird eine Diabetes mellitus durch Blutuntersuchungen und Urinuntersuchungen

 

Der Speck muss weg!


 

Pferde auf Diät zu setzen, ist nicht ganz einfach, denn ihr Verdauungssystem ist auf ständige Futterzufuhr ausgelegt und reagiert empfindlich auf plötzlichen Futterentzug. Bekommen Magen und Darm nicht mindestens alle drei Stunden etwas zu tun, können Koliken oder sogar Magengeschwüre die Folge sein.

Entzieht man übergewichtigen Pferden das Futter sogar plötzlich total, droht außerdem eine lebensbedrohliche Störung des Fettstoffwechsels, die sogenannte Hyperlipämie. Der Grund dafür ist das Freisetzen großer Mengen Fett aus den Depots. Die Leber ist mit der Verstoffwechselung solcher Fettmengen überfordert und das Fett gerät ins Blut. Der Gesamtfettgehalt im Blutplasma steigt über den Maximalwert. In der Folge wird das Plasma trüb und milchig, die Pulsfrequenz erhöht sich aufgrund einer fettbedingten Degeneration des Herzmuskels. Symptome der Hyperlipämie sind:

  • Apathie
  • Bewegungsunlust
  • Verweigerung von Futter und Wasser

Im schlimmsten Fall kommt es zum Leber- und Nierenversagen, was häufig zum Tod des Pferdes führt.

Radikaldiäten beim Pferd können überdies auch zu einer akuten und besonders schweren  Entzündung des Blinddarmsund des anschließenden Dickdarmabschnitts, den man Colon ascendens nennt, führen – der Colitis X. Anzunehmen ist, dass eine Veränderung der Zusammensetzung der Darmflora von entscheidender Bedeutung ist. Besonders bestimmte Clostridien (Clostridium difficile undClostridium perfringens) – Bakterien, die eigentlich zur normalen Darmflora gehören und mit dem Kot ausgeschieden werden - vermehren sich im Darm eines erkrankten Pferdes unverhältnismäßig stark.

Dabei setzen sie Giftstoffe (Endotoxine) frei.

Die werden über die Darmwand in das Blut aufgenommen und führen so zu einem Endotoxinschock. Dazu kommt, dass die Darmwand von Blinddarm und Kolon sehr stark entzündet ist und dadurch eine verstärkte Durchblutung der Darmwand stattfindet. In der Folge gehen große Mengen Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Darminhalt verloren. Das Pferd leidet unter unstillbaren, teilweise sogar blutigen und wässrigen Durchfällen. Trotzdem ist die Darmperistaltik – anders als bei "normalem" Durchfall – herabgesetzt. Weil dadurch das Blut eindickt, erleidet das erkrankte Pferd zusätzlich einen Volumenmangelschock. Durch die starke Entzündung der Darmwand kommt es schließlich zu einem Absterben von Darmwandteilen.

Erste Symptome sind:

  • große Mattigkeit, Apathie und Futterverweigerung
  • Zusätzlich treten leichte Koliksymptome auf.
  • Dazu kommen Schocksymptome
  • und hochgradiger wässriger, später blutiger Durchfall

Leider ist die Heilungsprognose schlecht – nur 30 bis 50 % der erkrankten Pferde überleben die Krankheit.

Um keine gesundheitsgefährdeten Risiken beim Abnehmen einzugehen, sollte die Reduktion des Futters wohlüberlegt und nur in Maßen erfolgen. Idealerweise sollte zuerst das Kraftfutter allmählich verringert werden. Je nach Anforderung, die an das Pferd gestellt werden, ist zu überlegen, ob es überhaupt Kraftfutter braucht oder ob ein sehr hochwertiges Heu und ein naturnahes Mineralfutter seinen Energiebedarf decken. Eine Fütterungsanalyse kann bei diesem Entscheid wertvolle Hinweise liefern.

Wie schwer es natürlich ist, wenn man seinem Liebling zu den Fütterungszeiten nichts in den Trog geben darf, weiß ich aus eigener Erfahrung – mein "Moppelhüh" bekommt abends auch nur die Alibi-Handvoll Hafer, in die ich seine "Abnehmkräuter" mische. Morgens erhält er Obst oder Gemüse – also zwei oder drei Möhren, Äpfel, Birnen oder auch mal eine halbe Banane. Wer ganz auf Getreide verzichten möchte oder verzichten kann, der darf seinem Diätkandidaten auch eine kleine Portion eingeweichte Heucobs füttern. Mais oder Gerste enthalten hingegen relativ viel Energie. Wer aufgrund eines regelmäßigen Trainings nicht auf Getreide verzichten kann, sollte also besser auf Hafer umsteigen.

Bei übergewichtigen Sportpferden kann natürlich die Motivation und die Leistungsfähigkeit leiden, wenn man sie nur mit Heu und einem naturnahen Mineralfutter ernährt. Aus meiner Erfahrung möchte ich aber unbedingt zu einer Rationsberechnung raten, bevor Pülverchen und Mittelchen gegeben werden, die man auch nicht nach den Motto: "Nützen sie nichts – schaden sie wenigstens auch nicht" geben sollte. Auch Diätmüslis sind vielfach Augenwischerei. Einige Sorten enthalten trotzdem 20 % Stärke und 8 % Zucker, also die klassischen Dickmacher – hier wird lediglich der Proteingehalt reduziert. Der Organismus von Sportpferden benötigt aber Eiweiß zum Aufbau und Erhalt der Muskulatur und insofern ist man besser beraten, wenn man die Futterration berechnet, auf Fertigfutter verzichtet und die Nahrung des Pferdes selbst zusammenstellt.

Ich bin als Tierheilpraktikerin auch kein Freund von Kräutermüslis, die meist synthetisch hergestellte ätherische Öle enthalten, damit sie nach "Kräutern" duften. Wer jedoch nachrechnet, wie viel Kräuter wirklich enthalten sein könnten, wird zum Fazit kommen, dass es zu wenig sein werden, um zu wirken. Außerdem sollten Kräuter nur kurmässig verabreicht werden und nicht dauerhaft mit dem Kraftfutter in den Trog wandern.

Insofern füttere ich meinem Moppelhüh ca. 6 Kilogramm Heu von sehr hoher Qualität und zu den Fütterungszeiten bekommt er etwas Obst oder Gemüse in den Trog, damit er nicht futterneidisch oder frustriert wird, wenn der Boxennachbar seine Portion genießt. Abends bekommt er eine Handvoll Hafer – ca. 250 g.

Tagsüber steht er auf einer sehr mageren Weide und natürlich lieferte er die Inspiration zur

"Abnehmkräuterkur Moppelhüh".

 

Kräuter Moppelpferd

Die besteht aus:

  • Ingwer
  • Mariendistelsamen
  • Schafgarbe
  • Löwenzahnwurzel mit Kraut
  • Fenchel
  • Gänseblümchen
  • Goldrute
  • Kamille
  • Pfefferminze

Zur Aktivierung des Stoffwechsels trägt vor allem die durchblutungsfördernde Ingwerwurzel bei. Die Unterstützung der Entschlackung und Entgiftung des Organismus unterstützen die Löwenzahnwurzel mit Kraut mit ihrer ausleitenden Wirkung, die Schafgarbe mit ihrer blutreinigenden Wirkung und der Fenchel kurbelt die Verdauung an. Das Gänseblümchen regt den Stoffwechsel an und hilft beim Ausleiten und Entschlacken. Ergänzend wirken die Goldrute und die Kamille mit ihren harntreibende und blutreinigenden Eigenschaften. Nicht fehlen darf natürlich die Mariendistel, als leberstärkende Pflanze, welche die Entgiftung unterstützt. Abgerundet wird die Mischung durch die magenstärkende Pfefferminze, die überdies für gute Akzeptanz – auch bei mäkeligeren Pferden – sorgt.

Ich füge der Mischung jeweils noch 15 g gemahlenen Zimt hinzu, denn der reguliert den Blutzuckerspiegel und wird für EMS-Pferde empfohlen. Da ich lieber vorbeuge, als zu heilen, ist dies aber eher eine prophylaktische Maßnahme, deren intensiver Geruch manche Pferde stören könnte – hier geht probieren über studieren.

Mein Moppelhüh ist da nun kein Mass der Dinge, denn er ist nicht wählerisch und frisst die Kräutermischung sogar ohne Beigaben wie Hafer oder eingeweichte Heucobs. Aber der leicht zitronige Geruch der geringen Menge Ingwer kann bei mäkeligen Pferden als störend empfunden werden. Grundsätzlich finde ich – und mein Moppelhüh – dass der Duft der Pfefferminze das Aroma des Ingwers überdeckt. Ein wenig Apfelmus kann aber für bessere Akzeptanz sorgen.

Um auch die Bedenken all derer auszuräumen, die mit Ingwer die Schmerzlinderung bei Lahmheiten assoziieren: In dieser Kräutermischung wird lediglich die Wohlfühldosis wirksam, die noch keine entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung hat. Ihr dürft Eure Pferde also unbesorgt reiten, ohne Euch zu fragen, ob Ihr es vielleicht nicht merken würdet, wenn sie lahmen.

Im Prinzip ist Bewegung sogar gerade beim Abnehmen unerlässlich. Gemütliche Schrittausritte sind aber leider – so entspannend und wichtig sie zwischendurch auch sind – der Reduktion der Kilos wenig förderlich. Die Übergänge zwischen Trab und Galopp, Tempowechsel durch Zulegen und Versammeln oder eine etwas längere Galoppstrecke fördern hingegen die Fettverbrennung und den Muskelaufbau. Stangenarbeit sorgt für Abwechslung. Allerdings muss das Training auch der Kondition des Pferdes angepasst werden, denn nach Monaten des dolce far niente mit dem untrainierten Moppelchen einen dreistündigen Ausritt anzustreben und es über kilometerlange Galoppstrecken zu jagen, wäre nicht nur kontraproduktiv, sondern überdies gesundheitsgefährdend. Eine plötzliche Überforderung kann zu einem Kreuzverschlag oder zur Hyperlipidämie führen. Darum gilt: Der langsame Aufbau des Pensums und kurze, intensive Intervalle, die vom Schrittreiten, vom entspannenden Zügel aus der Hand kauen lassen oder vorwärts-abwärts Reiten abgelöst werden, machen das Pferd fit, bauen stetig mehr Kondition und Muskeln auf und sorgen dafür, das die Fettpolster schwinden.

Wir wünschen Euch einen erfolgreichen Kampf gegen die Kilos!

Eure Neumann Kräuter- und Gewürzeteam

 

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