Züchten, die Leidenschaft, die Leiden schafft ...

14.02.2015 11:30 | Für Pferde

 

Züchten

Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Wer züchtet muss ein bisschen Gaga im Gehirn sein, denn warum sonst tut man sich all die Aufregung, den Stress, die Enttäuschung und die Arbeit an?

Spätestens im Januar beginnt die Qual im Züchterleben, denn es gilt den passenden Hengst für die Zuchtstute auszuwählen und weil man vor lauter Wald, in diesem Fall Deckanzeigen und Hengstkatalogen, die Bäume, also die Hengste nicht sieht, fährt man entweder zur Hengstschau, oder direkt zur Deckstation, um den zukünftigen Schwiegersohn persönlich in Augenschein zu nehmen und was stellt man fest? Nun ist es auch nicht leichter geworden, die Auswahl zu treffen, denn sind sie nicht alle atemberaubend mit ihrer geballten maskulinen Ausstrahlung?

Also werden die aktuellen Jahrbücher Zucht und Sport studiert – die Bibel des Züchters. Hier kann der Zuchtwertindex helfen, aber ob er’s wirklich tut? Ob es gepasst hat, weiß man eben auch erst, wenn das Fohlen auf der Welt ist und das dauert bekanntlich nach der erfolgreichen Befruchtung noch ca. 342 Tage der Ungewissheit ob Top oder Flop.

Bevor der Countdown für die Trächtigkeit beginnt, muss die Stute erst mal rossen und das kann zur ersten Prüfung der Langmut und Geduld eines Pferdezüchters werden, denn wenn der Zuchteinsteiger noch glaubt, dass die Stute weiß, dass ihr Zyklus exakt 21 Tage dauert und jeder Zyklus mit der Rosse und vor allem mit dem Eisprung endet, auf den dann die Befruchtung durch den Hengstsamen folgt, dem schenkt der erfahrene oder eben der leidgeprüfte Züchter ein mildes Lächeln der Nachsicht.

Es gibt nämlich Pferdedamen, die denken gar nicht daran, sich an die Regel zu halten und bilden damit nicht unbedingt die Ausnahme, wie man annehmen muss, wenn man mit Pferdezüchtern spricht, die allesamt ein Lied von der Warterei auf ein Follikel singen können.

Die Eiblase wird zum terminbestimmenden Faktor im Leben des Stutenbesitzers, denn schließlich hat auch ein Veterinär mal Feierabend und macht ungern nach 18 Uhr noch Haus- oder in dem Fall eher Stallbesuche, wenn es sich nicht unbedingt um einen Notfall handelt. Also ist ein strenges Terminmanagemant nun unabdingbar, damit man in den 5 Tagen, welche die Rosse nach Lehrbuch eigentlich dauert nichts verpasst und schon gar nicht den Eissprung.

Ein Pferdefachtierarzt hat in der Besamungssaison auch nicht gerade wenig zu tun und solche Einwände wie:“ Da muss ich aber arbeiten“, die passen nun mal mit einer Züchterkarriere nicht zusammen und schon gar nicht mit dem Zeitplan des Tierarztes. Wer zunächst noch guter Hoffnung ist, dass die Mittagspause von einer ¾ Stunde schon reichen wird, um die Stute zu untersuchen oder wahlweise zu besamen, der wird schnell eines Besseren belehrt: Die strenge Terminplanung gilt für den Züchter, nicht aber für den Pferdedoktor, der sein Tagespensum nicht minutiös voraussehen kann, denn wenn noch ein Notfall dazwischen kommt oder mehrere Stuten zum selben Zeitpunkt rossen, dann kommt der Mann oder die Frau ganz schön ins Schwitzen, wenn er all die Stuten zwischen viertel nach zwölf und eins besuchen soll und eigentlich hat er da ja auch mal Hunger und eine Pause verdient.

Also gilt es, zumindest für die Besamungssaison entweder flexible Arbeitszeiten vom Chef zu erbitten, damit man sich kurzfristig auch mal frei hält für die kostbaren Minuten der Zeit des Besamungstierarztes, denn der hat richtig Stress oder Urlaub zu nehmen.

Wer einmal neben dem schon anfahrenden Auto des Veterinärs herlief um noch eine Frage loszuwerden, bevor der Wagen vom Hof rollt und zum nächsten Termin auf dem nächsten Gestüt oder Reiterhof davonbraust und die Antwort nur noch in im Winde verwehenden Wortfetzen die durchs halb geöffnete Autofenster drangen hörte, der weiß wovon ich spreche – mit dem Tierarzt ist es wie mit einer Begegnung der 3. Art: Man sieht nur einen Lichtstreif und bevor man begriffen hat, dass da gerade ein Ufo landete, sind die Marsmenschen schon alle wieder eingestiegen und auf dem Weg zur Venus oder einem anderen Planeten auf ihrer Stippvisite durchs Universum und zurück bleibt nur ein Muster im Kornfeld.

 

Aber wenn die Zeit trotz aller Widrigkeiten dennoch zu einem Zusammentreffen mit dem studierten Mann in der grünen Schürze reicht und man life dabei ist, wenn er mit seinem Arm tief im Popo der Stute steckt, dann wird so ein Termin ganz sicher gekrönt von der überschäumenden Freude, dass das Warten endlich ein Ende hat, wenn der Tierarzt dann verkündet:“ Die ist soweit!“

Dass dieser erhebenden Glückseligkeit des Züchters viele enttäuschende Tierarzttermine zur Follikelkontrolle vorausgegangen sind, versteht sich eigentlich von selbst, denn wenn der erste Ultraschall gleich mit einer Reise zum Hengst oder dem Gang zum Telefon verbunden wäre, damit der Samen bestellt werden kann, dann wäre das ungefähr wie ein 6-er im Lotto oder so wahrscheinlich, wie vom Blitz getroffen zu werden. So gesehen, kann man eigentlich froh sein, wenn es nicht gleich klappt, denn sonst wäre man vielleicht tatsächlich auch ein Kandidat, der beim nächsten Gewitter besser zu Hause bleibt.

Vielleicht würde es nun zu weit führen, in 5000-Teilen-Puzzle großen Einzelheiten über den Kampf um die Trächtigkeit zu referieren – aber soviel sei gesagt: Wer auf der Kirmes mit einem Schuss den Hauptgewinn trifft, der sollte sich unbedingt in der Pferdezucht versuchen, wer noch nie den riesigen und eigentlich abscheulich hässlichen Teddybären traf und mit Glück eine Plastikrose trifft und es nicht aufgibt, immer wieder mit einem verstellten Zielfernrohr am Gewehr in die Regale zu ballern, der hat die richtige Einstellung zum Züchten.

Nach der Ovulation folgen in der Regel achtzehn aufregende Tage und am Tag x der bange Blick zum Tierarzt, wenn er wieder einmal den Arm in der Stute steckend, angestrengt auf dem Monitor des Ultraschallgerätes starrt, auf dem sich ähnlich aufschlussreiche Bilder zeigen, wie wenn man versucht Herrn Kachelmanns Wetterbilder mit Strömungskanälen und Tiefdruckgebieten zu interpretieren – bis da der schwarze Punkt auf dem Bildschirm auftaucht, der einem einen Herzschlag lang vor Glück den Atem stocken lässt und der Veterinär verkündet: “Tragend!“

 

Aber bevor Euphorie aufkommt, bremst man sich als vorausschauender Züchter besser etwas. Zwar soll man immer das Beste hoffen, aber um Enttäuschungen zu vermeiden, ist es oft sinnvoll das Schlimmste anzunehmen und das ist in diesem Fall, dass man bei der nächsten Trächtigkeitsuntersuchung nach ungefähr vier Wochen vergeblich nach dem nun großen schwarzen Punkt auf dem Monitor fahndet und einem klar wird, dass die Stute resorbiert hat und das Spiel von vorne beginnt – also warten auf die Rosse, dann auf einen befruchtungsfähigen Follikel und schlussendlich auf eine neuerliche Trächtigkeitskontrolle.

Wenn aber das Teilen der Zellen soweit fortgeschritten ist, kann man erst mal davon ausgehen, dass sich nun eine Leibesfrucht in der Gebärmutter eingenistet hat, die sich mit Züchterglück zu einem gesunden und munteren Fohlen entwickelt.

Dann kehrt aber erst mal Ruhe in die Terminplanung des Pferdezüchters ein, denn die Trächtigkeit Dauer grob 11 Monate oder 342 Tage – wobei das nur eine ungefähre Zeitangabe ist, denn so mancher Pferdebesitzer, der auf sein Fohlen wartet und Nacht für Nacht nach der Stute schauen geht, der sieht nach spätestens einer Woche wie Nosferatu aus, nur um dann festzustellen, dass das Fohlen mal eben geboren wurde, als man sich frischen heißen Tee kochte, um die klamm gewordenen Finger an einer Tasse Darjeeling zu wärmen – Züchter erkennt man in den Monaten, in denen die neue Generation der Zukunftshoffnungen geboren wird daran, dass sie tiefe schwarze Augenringe haben und im Stehen einschlafen, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt.

Natürlich gibt es Zeichen, die auf eine bevorstehende Geburt hindeuten und die Wartezeit einschränken könnten: Die Beckenbänder die weicher werden und die Kruppe spitzer erscheinen lassen, der sich senkende Bauch, die Scham, die ihre Plisseefalten verliert, das immer praller werdende Euter und die Harztropfen daran – alles Indizien dafür, dass es bald losgehen könnte. Aber es kann auch sein, dass man trotzdem noch mal eine Woche wartet, bis man sein Überraschungspaket das man sich 11 Monate lang ausmalte im Stroh findet, obwohl sogar der abgegangene Schleimpfropf hoffen ließ, dass es sich nur noch um Stunden handeln könnte.

 
Es gibt eben keine Regel ohne Ausnahme und während die eine Stute ihre Besitzer mit starken Senkwehen beunruhigt, bringt die andere das Fohlen ohne erkenntliche Anzeichen der bevorstehenden Geburt auf die Welt.

Aber wenn es dann losgeht, dann ist auch der müdeste Stutenbesitzer hellwach, denn die Freude über den lang ersehnten Nachwuchs lässt einem die ganzen Strapazen vergessen, die man auf sich nahm, um nun das Fohlen zu bestaunen.

Beim ersten Fohlen ist man als Züchter sowieso im Glückstaumel. Vorausgesetzt, man fuhr nicht nur zum Hengst, weil man unbedingt einen zukünftigen Dressurkracher in lackschwarz mit einer Flocke auf der Stirn und vier weißen Söckchen haben wollte – denn dann liegt die Enttäuschung nah, wenn man nun ein brandrotes Stutfohlen mit einer megagroßen Laterne im Gesicht im Stroh findet, das überdies drei hochweiße Füße und einen fuchsigen Fuß hat und dessen tief angesetzter Hals schon ahnen lässt, dass mit der gewünschten Aufrichtung ein reiterliches Stück Arbeit verbunden sein wird. Aber schlussendlich muss man eben doch nehmen, was man bekommt und sich im Idealfall trotzdem freuen – Hauptsache gesund und vier grade Beine!

 

Das Motto sollte man sich rechtzeitig einsuggerieren, denn auch wenn die Hoffnung auf das Traumfohlen zuletzt stirbt, wer nicht züchten, sondern beim lieben Gott mit beiliegendem Plan und Zeichnung in Auftrag geben will, dem bleiben Enttäuschungen ohne diese Einstellung nicht erspart.

Aber erst einmal ist das Fohlen da und man ist einfach nur glücklich ... ungefähr 12 Sekunden lang, denn dann kommt schon wieder der bange Gedanke, ob die Nachgeburt wohl problemlos abgeht und ob die Stute alles gut überstanden hat.

Wenn auch die Sorge sich in Wohlgefallen auflöst, weil die Reste der Eihaut und die Plazenta vollständig und in kurzer Zeit ins Stroh gefallen sind, dann kommt sie nächste Zitterpartie, denn nun muss das Pferdekind auf die Beine und ans Euter der Mutter, damit es die wichtige Kolostralmilch auch zur Genüge bekommt – wird nämlich der IgG-Titer als zu niedrig gemessen, dann fehlen dem Pferdekind die Abwehrstoffe.

Dem Nabel gilt natürlich ebenfalls die Besorgnis: Ist er auch nicht zu kurz abgerissen oder muss man gar einen Bruch befürchten? Das erste Pinkeln des Fohlens wird mit Argusaugen und Blick auf den Nabel betrachtet: Tröpfelt es da raus? Eine Urachusfistel kann ein Grund sein, das Fohlen operieren zu müssen und da entstehen dann wieder Kosten ... mal vom Emotionsfaktor abgesehen.

Als nächstes wartet der verantwortungsbewusste Stutenbesitzer, dessen Fohlen nun hoffenlich durch die Box wackelt und dabei schon mal erste Bocksprünge probt darauf, dass das Fohlenpech abgeht und der senfgelbe Milchkot sichtbar wird - prophylaktisch ein Klistier zu geben ist meist sinnvoll und wenn der TA grad mal da ist, da wird dann gleich noch die Fohlenprophylaxe in Auftrag gegeben. Klar, das kostet, aber kommt es da noch drauf an?

Wenn der stolze Pferdezüchter nun ins Bett geht, um wenigstens noch ein paar wenige Stunden den Schlaf der letzten Nachtwachen nachzuholen, dann träumt er wahrscheinlich von der ganz großen Zukunft seines Pferdekindes, vom Auktionsring, durch das es elegant traben wird und die Bieter zu schwindelerregenden Geboten ermutigt ... aber Züchterträume sind meist Schäume und man tut gut daran, in kleinen Schritten zu denken, denn jeder Tag birgt Gefahren und manchmal auch neue Züchtersorgen: Wird die kleine Lahmheit bis zum Fohlenbrennen weg sein? Warum hört der Fohlenrossedurchfall gar nicht auf? Hat er gerade gehustet? Und ist das normal, dass das Gelenk so geschwollen ist?

Warum man dennoch Pferde züchtet und bereit ist, auf so vieles zu verzichten, nur um die Decktaxe und die Rechnungen des Tierarztes zu bezahlen und sich wochenlang gerädert und von akutem Schlafmangel gezeichnet im Büro den Pulverkaffeevorrat mit dem Löffel einverleibt, weil er als überbrühtes Destilat nicht mehr ausreichend Wirkung zeigt - das kann man als Nichtzüchter kaum nachvollziehen.

 

Auch nicht, dass man jedes Jahr Geld drauflegt, wenn das Fohlen dann nach endlosen Verhandlungen doch noch verkauft wird und trotzdem wie ein paralysiertes Eichhörnchen vor der Schlange vor den Deckprospekten sitzt, weil man die Stute selbstverständlich wieder tragend macht und wieder 11 Monate die stille Hoffnung nährt, dass im nächsten Jahr ganz sicher das Siegerfohlen und das große Geld winken.

Wer diese Zeit und die Erlebnisse mit den Fohlen trotz allem als bereichernd empfindet und behauptet, dass sein Leben ohne all dies viel ärmer wäre, der ist entweder wirklich Gaga im Kopf oder aber ein passionierter Pferdezüchter für den das Glück der Erde nicht unbedingt auf dem Rücken der Pferde liegt, aber ganz sicher in ihrem Stall und auf der Weide, wo die Fohlen eine Lebensfreude vermitteln, die ein Urlaub auf Mallorca oder die Schuhe von Prada nicht annähernd in ihm schaffen zu erzeugen.

... aber ein bisschen Gaga ist es trotzdem.

Ein bisschen Unterstützung wollen wir aber nun gerne leisten, von dem vielleicht die Erstzüchter, aber auch die leidgeplagten Profis profitieren können, deren Stuten sich zum „gynäkologischen Problemfall“ entwickeln und partout nicht rossig oder tragend werden wollen:

Rosse

Der Wunsch jeden Pferdezüchters ist es natürlich, dass seine zeitlich und finanziell intensiven Bemühungen nach rund elf Monaten vom Erfolg – in diesem Fall von einem lebenden Fohlen aus seiner Stute – gekrönt werden.

Dafür ist jedoch eine wesentliche Voraussetzung dass ihr physiologischer Sexualzyklus ungestört ist.

 

Geschlechts- und Zuchtreife der Stute


Im Durchschnitt wird eine Stute mit ungefähr 18 Monaten geschlechtsreif, wobei natürlich neben der Fütterung auch der Zeitpunkt ihrer Geburt eine Rolle spielen kann, denn spät im Jahr geborene Stuten können durchaus schon früher die erste Rosse zeigen, wenn die Länge der Tage im zweiten Lebensjahr zunimmt. Aber auch wenn die körperliche Verfassungeine positive Korrelation zur Aktivität der Eierstöcke besitzt und somit mit optimalen Aufzuchtsbedingungen das Einsetzen der Pubertät früher einsetzen kann, spricht man bei Warmblutpferden erst mit drei Jahren von mentaler und körperlicher Zuchtreife.

 

Fortpflanzungszyklus der Stute


Pferde pflanzen sich in der Natur nur saisonal fort und haben somit einen polyöstrischen Fortpflanzungszyklus, denn wenn die Fohlen im Frühjahr und Sommer geboren werden, dann herrschen für ihr Überleben günstige Umweltbedingungen und so wundert es eigentlich nicht, wenn die Stute sich von ungefähr April/ Mai bis August/ September im Zyklus von rund 21 Tagen paarungsbereit zeigt und im Winter die Zyklusruhe eintritt, die auch saisonaler Anöstrus genannt wird.

Wie lange der Sexualzyklus der Stute unterbrochen wird, hängt nicht zuletzt auch von der Haltung und Fütterung ab, jedoch wurde bei Stuten unter fünf Jahren festgestellt, dass die Zyklusruhe früher einsetzt, als bei älteren Stuten und so wird im Durchschnitt von Oktober bis Februar meistens keine Tätigkeit der Eierstöcke festgestellt, was jedoch nicht heißt, dass alle Stuten in der kalten Jahreszeit nicht ovulieren, aber meist geschieht dies ohne die typischen äußeren Rosseanzeichen.

Sowohl der Sexualzyklus als auch die Zyklusruhe sind vom Tageslicht und der Temperatur abhängig, dennder Hypothalamus, der die Sinneseindrücke im Gehirn über das Sehen, Schmecken und Riechen aufnimmt, sendet das Signal, wenn die Tage länger werden, die Luft lauer und das Futter üppiger an den Hypophysevorderlappen, der dann angeregt wird zur Bildung des FSH, des follikelstimmulierenden Hormones, welches in der Folge das Entstehen und Reifen der Eiblase und durch die Ausschüttung des damit gebildeten Hormons Östrogen die äußeren Rosseanzeichen beeinflusst.

So lüftet sich das Geheimnis, warum die Stute im Winter kaum bis gar keine Rosse zeigt und im Frühjahr die ersten warmen Sonnenstahlen mit nun wieder deutlich sichtbarem Brunftverhalten begrüßt, denn wenn an den Hypothalamus die zur Rosse benötigten Sinneseindrücke fehlen, die da sind: Licht, Luft, Wärme, Kontakt zu Artgenossen, dann bleiben auch die Folgen aus und es findet kein oder nur ein sehr schwacher Zyklus statt.

Eine Stute, die also im dunklen Stall alleine und ohne Grünfutter steht, wird kaum Rosse zeigen, während die Frühlingssonne und die Weide in der Herde die Rosse stimulieren.

 

Beeinflussung der Zyklusruhe durch:


  • Licht und Temperatur: Der Züchter kann sich die Stimulation des Sexualzyklus der Stute durch Licht und Temperatur zunutze machen, indem er durch das längere Brennen lassen des Stalllichtes und der zur Hilfenahme eines Solariums die länger werdenden Tage und das UV-Licht der Sonne simuliert.Wie wirkungsvoll das tatsächlich ist, den Hypothalamus auszutricksen und Sinneseindrücke vorzutäuschen, die dem Pferd das Gefühl vermitteln sollen, dass es Frühling geworden ist, weiß ich nicht und will es auch mangels eigener Erfahrung nicht beurteilen, aber ich wage es vielleicht einzubringen, dass ich keinesfalls das Gefühl habe, dass der Mai gekommen ist, nur weil ich eine Stunde auf der Sonnenbank lag und das Licht erst um zehn Uhr lösche, solange ich draußen friere und meine Füße im Schnee stecken, sobald ich vor die Haustür trete – aber bei Pferden mag das ja funktionieren. Ob es allerdings sinnvoll ist, das Fohlen „in den Schnee“ fallen zu lassen, muss jeder Züchter für sich selbst entscheiden. Da die Rosse so früh im Jahr trotzdem oft unregelmäßig und über einen verlängerten Zeitraum statt findet und zudem die gebildeten Follikel nicht immer zur Ovulation kommen, ist eine erfolgreiche Bedeckung oder Besamung meistens erschwert.

 

  • Flushing.Effekt: Einige Züchter setzen zur Vorbereitung einer erfolgreichen und früh beginnenden Zuchtsaison den Flushing-Effekt ein. Hierbei wird die Saisonalität der unterschiedliche Energiezufuhr auf die Ovartätigkeit reflektiert und davon ausgegangen, dass die in den letzten Monaten des Jahres niedrigere Energieaufnahme, die nur knapp über dem Erhaltungsbedarf der Stute liegt mit einer Zyklusruhe verbunden ist. Dieser folgt dann im Frühjahr mit Beginn des Wachstums der Vegetation mit einem Anstieg der Energieaufnahme die Stimulation der Ovartätigkeit. Somit begünstigt eiweiß- und energiereiches Futter die Rosse und wenn das Gras im Frühling zu wachsen beginnt und die Zuchtstute das erste Grün genießt, steigt die Energiezufuhr und damit ihre Fruchtbarkeit. Eben dieses Phänomen ist es nun, das sich der Flushing-Effekt zunutze macht. Hierbei wird dem Pferd wenige Wochen vor der geplanten Bedeckung oder Besamung das eiweißhaltige Futter gekürzt und auf den reinen Erhaltungsbedarf gesetzt, um es dann wenige Tage vor der gewünschten Befruchtung in Richtung Überfluss zu steigern, also quasi den Übergang zum futterarmen Winter auf das Überangebot des Frühlings zu simulieren. Da Pferde einen sehr empfindlichen Magen-Darmtrakt haben, der auf dauerhafte Futteraufnahme und Verdauung ausgerichtet ist, gehöre ich nicht zu den Züchtern, die sich den Effekt zunutze machen, um die Stuten schon im Winter tragend zu bekommen, denn das Risiko einer Kolik aufgrund des Hungerns und Überfütterns ist meiner Meinung nach größer, als der Gewinn einer frühen Trächtigkeit.

 

Rossezyklus der Stute:

Rossezyklus

Im Idealfall hat die Stute einen Rossezyklus von 21 – 22 Tagen, was bedeutet, dass die Stute alle drei Wochen für ca. 7 Tage in die fruchtbare Phase kommt und sich dabei ein Follikel, also eine Eiblase auf einem oder beiden Gebärmutterhörnern bildet, das reift und in der Regel 24 bis 48 Stunden vor Ende der Woche, in der sie rosst, platzt. Dabei gibt es eine Eizelle frei, welche dann in den Eileitertrichter fällt und von da in den Eileiter, wo es dann, wenn die Stute bedeckt oder besamt wurde theoretisch zur Befruchtung durch den Samen des Hengstes kommt – theoretisch darum, weil nicht jede Besamung oder Bedeckung unbedingt und zwingend zu einer Trächtigkeit der Stute führt.

Nicht jede Stute rosst jedoch gleich lang und so wird der hormonell gesteuerte Zyklus in die Zeit der Zwischenrosse (Diöstrus) und der Rosse (Östrus) unterteilt, doch im Unterschied zur Rossedauer ist die Gesamtdauer des Zyklus recht  konstant. Das bedeutet, einer kurzen Rosse folgt eine längere Zwischenrosse und umgekehrt. Im Durchschnitt kann von einer Dauer der Zwischenrosse von 14-16 Tagen ausgegangen werden.

Doch zurück zur Rosse, welche damit begonnen hat, dass der Hypothalamus die Sinneseindrücke erhielt, welche für die Rosse nötig sind und die er nun an den Hypophysevorderlappen zur Bildung des FSH, des follikelstimmulierenden Hormones weitergab und sich eine Eiblase entwickelte, durch die nun Östrogen ausgeschüttet wird, welches dafür sorgt, dass die Stute die äußeren Anzeichen der Paarungsbereitschaft zeigt, welche in der Phase des Diöstrus normaler Weise nicht festgestellt werden. Dazu gehört, dassdie Stute in der Rosse nicht nur die Nähe eines Hengstes duldet, sondern nach Möglichkeit sogar aktiv zu ihm hin drängt. In Ermangelung eines Hengstes nehmen manche Stuten aber auch einen Wallach oder ihre Geschlechtsgenossinnen als Ersatz an.

Während die meisten Stuten in den ersten fünf Tagen des Östrus noch bei Körperkontakt zu anderen Pferden warnend ein Hinterbein heben, abschlagen oder warnend quietschen, zeigt die Stute, je näher der Zeitpunkt der Ovulation kommt in der Regel ihre Bereitschaft zur Paarung an, indem sie die Hinterbeine breit stellt, den Schweif hebt und ihn zur Seite legt. Dabei wird ihr Schambereich sichtbar und während die rossige Stute mit der Klitoris „blitzt“, setzt sie kleinere Mengen mit Schleim vermengten Harn, welcher nun auch dickflüssiger und trüber aussieht als normal ab und in der Stutenkarte kann nun vermerkt werden:

  • Steht, legt den Schweif zur Seite, blitzt und schleimt, bzw. es werden drei Pluszeichen (+++) vermerkt.
  • Wird hingegen folgender Befund eingetragen: +?+

bedeutet das, dass die Stute entweder am Anfang der Rosse steht oder bereits am Ende angekommen ist, denn sie steht zwar, blitzt auch, aber lädt den Hengst nicht ein aufzuspringen, indem sie den Schweif zur Seite legt .

  • Oder stehen in der Stutenkarte drei Minuszeichen: ---

dann bedeutet das, dass keinerlei äußere Anzeichen für die Rosse vorhanden sind

 

Ich halte es aber nun an dieser Stelle auch für wichtig zu erwähnen, dass die Stute ihr Verhalten trotz endogener hormoneller Steuerung beeinflussen kann.

Dem entsprechend kann sie die für die Rosse typischen Verhaltenweisen unterdrücken und man erkennt als Besitzer oder Hengsthalter die Paarungsbereitschaft äußerlich nicht, obwohl sich ein besamungsreifes Follikel auf dem Eierstock bildete und die typische Radspeichenstruktur der Gebärmutter auftritt.

Gerade junge oder unerfahrene Stuten rossen oft nicht offensichtlich. Auch eine individuelle Abneigung der Stute gegenüber dem Hengst kann ein Abschlagen des Hengstes trotz Rosse zur Folge haben. Ein weiterer Grund für ein unterdrücktes Rosseverhalten können schlechte oder schmerzhafte Erfahrungen der Stute beim Decken etwa durch Deckverletzungen im Scheidenbereich oder zwanghafte Bedeckung innerhalb und außerhalb der Rosse sein.

Im Körper lässt in dieser Phase das luteinisierende Hormon die Eiblase wachsen und die darin in Nährflüssigkeit schwimmende Eizelle reifen. Der Gebärmutterhals ist nun entspannt, der Muttermund, die Zervix ist, nachdem sie  sich mit Beginn des Diöstrus zapfenförmig schloss zunächst im Verlauf der Zwischenrosse rosettenförmig, dann schlaff und lappig überhängend, bis sie sich ganz öffnet, erschlafft und verlaufen ist und somit das Tor zur Gebärmutter freigibt.

Das Genitale ist gut durchblutet und feucht, sodass optimale Bedingungen gegeben sind, damit der Hengst die Stute mit seinem Penis nicht verletzt, denn als Uterusbesamer im Gegensatz zum Rind, das als Scheidenbesamer seinen Penis nicht durch die Zervix in die Gebärmutter einführt, muss die Eichel des Hengstes durch den Muttermund in die Gebärmutter eindringen, damit der Samen im Gebärmutterkörper platziert werden kann, von wo aus er in die Gebärmutterhörner aufsteigt bis er den Eileiter erreicht, wo es einzig zur Befruchtung einer Eizelle kommen kann.

Platzt nun das Follikel, was in der Regel wie schon erwähnt ungefähr in der Mitte oder gegen Ende der ca. sieben Tage dauernden Rosse geschieht, fällt das Ei in die Ovulationsgrube und von dort in den Eileitertrichter, von wo aus es in den Eileiter rutscht, wo es zur Befruchtung kommt, wenn die Stute gedeckt wurde und es dort auf befruchtungsfähige Hengstsamen trifft. Hierzu ist jedoch der Zeitraum auf 6 – 8 Stunden nach der Ovulation begrenzt. Danach verbleibt das unbefruchtete Ei im Eileiter und stirbt ab und es kann nun nicht mehr befruchtet werden, sondern wird vom Körper resorbiert, also quasi aufgesogen.

In der Ovulationsgrube entsteht im Anschluss an den Eisprung das Corpus luteum, der Gelbkörper, welcher Progesteron, das Schwangerschaftsschutzhormon, bildet.

Etwa 48 Stunden nach dem Eisprung beginnt die Phase desDiöstus, also der Zwischenrosse, in der noch das Progesteron dominiert, doch rund eine Woche später, ungefähr also am 13. Tag des Sexualzyklus der Stute nimmt die Konzentration des follikelstimulierenden Hormons aus dem Hypophysenvorderlappen wieder zuwenn es zu keiner Befruchtung der Eizelle gekommen ist und nachdem durch das in der Gebärmutterschleimhaut entstandene Prostaglandin, welches über die Lymphbahnen in die Eierstöcke geführt wurde, der Gelbbkörper zurückgebildet wurde, wird nun kein Progesteron F2α  (PGF2α) mehr ausgeschüttet und das FSH und das Prostaglandin dominieren im Körper.

Gleichzeitig werden etwa 12 Tage vor dem Eisprung im Diöstrus, also ungefähr in der Mitte des Zyklus nun zunächst meist mehrere kleine und harte Follikel auf den Eierstöcken fühlbar, welche zum Ende der Zwischenrosse deutlich wachsen und als Follikelwelle bezeichnet werden. Vergleichbar ist dies mit dem Bild einer Himbeere mit ihren vielen kleinen saftgefüllten Zellen.

Durch das luteinisierende Hormon (LH) und das follikelstimmulierende Hormon (FSH) wird aus dieser Follikelwelle meist nur ein Follikel selektiert.

Zwar ist es auch möglich, dass auf beiden Gebärmutterhörnern ein Rossefollikel wächst, welche beide zur Ovulation kommen oder zwei Follikel auf einem Horn reifen, die nacheinander zur Ovulation kommen, aber da dies bei Befruchtung beider freigegebener Eizellen zu einer Zwillingsträchtigkeit führen kann, ist dies eher nicht erwünscht.

Der so genannte Rossefollikel produziert mit zunehmendem Wachstum mit Beginn der Rosse ein Östrogen (Östradiol-17ß), wodurch es zur Ausbildung der äußeren und inneren Rossesymptomen kommt.

Während nun der Rossefollikel an Umfang zu nimmt, verdrängt er die übrigen kleinen Follikel und unterdrückt ihr weiteres Wachstum.

Schließlich kommt es in der Regel am 21. Tag des Zyklus und 5. oder 6. Tag der Rosse wieder durch bestimmte Enzyme zu einer Reduzierung des Widerstandes der Follikelwand und danach zur Freisetzung der Eizelle aus dem Follikel (Ovulation), welche durch den LH-Peak, eine hohe Konzentration des luteinisierenden Hormons ausgelöst wird.

Bis die Ovulation des Follikels erfolgt und die Eiblase platzt und die Eizelle freigibt kann sieeinen Durchmesser von meist 3-5 cm Durchmesser oder mehr erreichen, wobei man sie nur über eine rektale Untersuchung ertasten oder über das Ultraschallgerät sichtbar machen kann. Der Befund wird anhand von Vergleichen gestellt:

  • haselnussgroß (Ha)                                                                     ca. 1-1,5 cm
  • kirschgroß (K)                                                                               ca. 2 cm
  • walnussgroß (W)                                                                          ca. 3 cm
  • hühnereigroß (H)                                                                          ca. 5-6 cm
  • oder – was eher selten der Fall ist enteneigroß (E)              ca. 6-7 cm

Zwar gibt es auch noch gänseei- und faustgroße Follikel, aber die sind vermutlich sehr selten, denn sie kamen bei unseren Stuten in den ganzen Jahren noch nie vor.

Entscheidend für die Reife des Follikels ist aber nicht allein die Größe, sondern vor allem die Konsistenz, welche von

  • hart und fest                                                         
  • über 2                        prall, Fluktuation schon feststellbar 
  • zu 3                            sehr deutliche aber noch gespannte Fluktuation
  • bis hin zu 4               weiche Fluktuation

gemessen werden.

Wird  die Konsistenz des Follikels gar mit

  • 5                                knetbar, lappig-weich

beschrieben, dann ist es vermutlich gerade ausgelaufen und es besteht Grund zur Eile, den Samen in die Stute zu bringen, denn die Eizelle bleibt im Eileiter nur 6 – 8 Stunden befruchtungsfähig.

Durch den Einsatz  spezieller Hormonpräparate wird das Zeitmanagement der Zucht planbar, denn mit der Injektion von Prostaglandin kann der Zeitpunkt der Rosse gesteuert werden und mit der Gabe des des humanen Choriongonadotropin (hCG),  welches aus der  menschlichen Plazenta gewonnen wird und das analog zum luteinisierenden Hormon die Eiblase reifen lässt und den Follikelsprung auslöst wird die Ovulation innerhalb der nächsten 48 Stunden vorhersagbar, denn selbst für einen sehr routinierten Tierarzt ist der genaue Zeitpunkt der Ovulation trotz rektaler und vaginaler Untersuchung schwierig vorhersagbar, weil Faktoren wie Hengstkontakt eine schnelle Reifung begünstigen können oder fallende Temperaturen verbunden mit fehlendem Sonnenlicht zu einer verzögerten Reifung führen können. 

Trotzdem bin ich kein Freund der hormonellen Manipulation des Sexualzyklus der Stute, denn wenn man ganzheitlich denkt, dann muss man eigentlich doch eher überlegen, welchen tieferen Grund die Stute hat, nicht zu rossen, wenn sie ansonsten gynäkologisch unauffällig ist.

Wichtig zur Besamung ist allerdings auch ein weiteres Indiz der Rosse, welches durch die vaginale Untersuchung festgestellt werden kann, nämlich die

Form des Muttermundes (Portio vaginalis uteri):

  • Z steht für zapfenförmig
  • R steht für rosettenförmig
  • S steht für schlaff, lappig, überhängend
  • V steht für verlaufen

und die Öffnung des Muttermundes und des Zervixkanales:

  • 0 steht für vollständig geschlossen
  • 1 steht für mit einem Strohhalm passierbar
  • 2 steht für mit einem Bleistift passierbar
  • 3 steht für ein bis zwei Finger passierbar
  • 4 steht für zwei bis fünf Finger passierbar

Sehr gute Besamungsbedingungen herrschen natürlich, wenn der Befund S4 lautet, denn dann ist der Muttermund vollkommen geöffnet und man empfindet ihn beim Tasten fast als Loch, von dem keine Spur mehr auf seine ehemalige Zapfenform hindeutet und man kann die Besamungspipette problemlos hindurchführen, während es bei dem Befund R2 schon mühsam ist, einen Weg für den Samen zu finden, der ihm hilft seinen Platz im Uterus einzunehmen und ein Z0 ist gleichbedeutend mit keiner Möglichkeit zur Besamung, denn auch wenn da ein Follikel auf einem der Gebärmutterhörner herangereift wäre, ist bei dem Befund kein Durchkommen möglich.

Auch die Farbe des Muttermundes und der Scheidenschleimhaut können Auskunft über den jeweilige Phase der Rosse geben, in der sich die Stute befindet, denn


 A = anämisch, blass bedeutet, dass die Rosse noch nicht so weit gediehen ist, dass

        man es anhand stärkerer Durchblutung merken könnte

 B = blassrosa und bedeutet, dass die Rosse am Beginn oder am Ende steht, denn

        die Durchblutung wird sichtbar oder nimmt bereits wieder ab

 C = hyperämisch und bedeutet, dass nun eine starke Durchblutung eine deutlich

        Rötung sichtbar macht, welche für Hochrosse spricht

 D = deutlich krankhafte Rötung deutet auf einen Genitalkatarrh hin und der Verdacht

        kann sich zusätzlich bestätigen, wenn dazu noch eine Flüssigkeitsansammlung

        in der Gebärmutter besteht

 

dies führt nun zur Beurteilung der Feuchtigkeit des Muttermundes und der Scheidenschleimhaut


 I   = trocken, klebrig bedeutet, dass aktuell keine Rosse besteht

 II  = wenig feucht bedeutet, dass die Rosse am Beginn oder am Ende steht,

        denn das Genital wird feuchter oder die Feuchtigkeit nimmt bereits wieder ab

 III = mäßig feucht, spiegelnd bedeutet, dass in Kürze mit dem Abschluss der Reifung

        des Follikels zu rechnen ist

 IV = stark feucht, Sekretfäden bedeutet, dass die Stute bereit ist gedeckt/ besamt zu

        werden, denn das leicht schleimige Umfeld ermöglicht dem Hengst das

        Eindringen in die Scheide mit dem Penis und das Durchdringen des

        Muttermundes mit der Eichel , um seinen Samen im Uterus zu deponieren

 V  = Flüssigkeitsansammlung bedeutet, dass vielleicht entweder aufgrund einer

        Gebärmuttersenkung Urin in den Uterus gelangt, ein entzündlicher Prozess

        besteht oder die Rückbildung der Gebärmutter und ihre Reinigung nach der

        Geburt noch nicht abgeschlossen ist

 

Nur rektal ist der Gebärmutterbefund zu ertasten:


1. Größe

    G I   = klein, Gebärmutterhörner etwa daumenstark

    G II  = mittelgroß, Gebärmutterhörner etwa kinderarmstark

    G III = groß, Gebärmutterhörner etwa unterarmstark

 

2. Symmetrie

     S    = beide Hörner symmetrisch

    AS  = Asymmetrie des rechten oder linken Hornes; es wird je nach Grad der

    Asymmetrie als + - gering, ++ ist deutlich, bei umschriebenen

    Umfangsvermehrungen je nach deren Größe als H(ühnereigroß)/ Durchmesser 5 –

    6 cm, G(änseeigroß)/ Durchmesser 7 – 8 cm, F(austgroß) / Durchmesser 10 cm

    bezeichnet und je nach Lage der Asymmetrie im linken Horn mit Klammern vor

    dem Symbol As oder rechten Horn in Klammern dahinter gesetzt:

 

z.B.   (++)As = deutliche Symmetrie des linken Hornes

oder  As(H) = hühnereigroße Asymmetrie des rechten Hornes

 

3. Kontraktionsbereitschaft

 KI    = schlaff, wenig kontraktionsbereit

 K II  = mäßig kontraktionsbereit

 K III = stark und schnell kontraktionsbereit

 K IV = dauernd kontrahiert

 K II spricht für Rosse, K III für eine Frühträchtigkeit

 

4. Inhalt der Gebärmutter

Für diese Angaben werden Worte benutzt wie Pyometra, bei einer eitrigen 

Entzündung, Hydrometra bei Flüssigkeitsansammlungen oder im Falle einer

Trächtigkeit wird das jeweilige Stadium beschrieben mit: Sensibilisierungsstadium,

Kleinsäckchenstadium, Großsäckchenstadium, Ballonstadium oder

Senkungsstadium.


Wie würde nun so ein Befund von deutlicher Rosse in die Stutenkarte eingetragen werden?

Stutenkarte

 

Rosseproblemen und die alternativen Behandlungen von Störungen der Rosse



Immer wieder werde ich gefragt, wie man dazu beitragen kann, dass eine Stute eine fruchtbare und deutlich für den Züchter erkennbare Rosse zeigt.

In erster Linie sind die Voraussetzungen dafür die Sinneseindrücke der Stute, welche über das Auge, die Nüstern und die Haut empfangen und dann an den Hypothalamus im Gehirn weitergeleitet werden.

Doch eben diese Sinneseindrücke sind:

  • Licht – also längere Tagesrhythmen mit zunehmender Helligkeit am Abend
  • Wärme durch Sonne
  • Luft durch Bewegung im Freien
  • Kontakt zu Artgenossen
  • der steigende Eiweiß- und Energiegehalt im Futter, welcher mit der Vegetationsphase des Grases beginnt

Da im Winter das Tageslicht nur eingeschränkt zur Verfügung steht, die Wärme auch eher erst im Frühling lockt und die Pferde in den kühlen und dunkleren Wintermonaten nicht so lange draußen an der Luft sind ist der Kontakt zu den Artgenossen oft auch nicht so intensiv und dass das Gras erst ab April/ Mai zu wachsen beginnt, lässt sich auch nicht verleugnen und darum befindet sich die Stute im Winter in einer sogenannten Zyklusruhe, in der eigentlich keine Rosse vorgesehen ist. Man spricht von einem polyöstrischen Fortpflanzungszyklus, welcher in der Regel nur saisonal aktiv wird und damit sind die Bedingungen für eine fruchtbare und produktive Rosse im Winter, also im saisonalen Anöstrus - eben jener Zyklusruhe, sicher nicht als optimal zu bezeichnen, um zum Erfolg, in diesem Fall die Trächtigkeit zu führen.

Nun hängt die Zeitspanne, wie lange der Sexualzyklus der Stute unterbrochen wird, nicht allein vom Wetter ab, sondern auch von der Haltung und Fütterung der Stute. Dabei spielt zum Beispiel auch eine Rolle, wie leicht oder schwer eine Stute durch den Haarwechsel kommt, denn die Umstellung von Winter- auf Sommerfell und von Sommer- auf Winterfell zehrt durchaus auch an den Reserven und belastet den Organismus. Bei einem gesunden Pferd wird es kein Problem sein, dies zu verkraften, aber bei mageren Tieren mit schlechter gesundheitlicher Konstitution kann so die Phase des Abhaarens verzögert und des Anöstrus verlängert werden.

Es ist also sicher von Vorteil, wenn man die Stute vor der geplanten Bedeckung / Besamung in einem guten Futterzustand behält, denn der begünstigt einen problemlosen Fellwechsel und die damit auch unproblematischer einsetzende Rosse.

 

Mit dem Anklicken des unteren Links findet Ihr zum 2.Teil des Textes

Züchten Teil 2

 

 

Kommentar eingeben

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben.