Wenn der Kamm schwillt – das Equine metabolische Syndrom (EMS)

24.07.2014 07:27 | Gesundheitliche Probleme mit Kräutern heilen

 

Wenn der Kamm schwillt – das Equine metabolische Syndrom (EMS)


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Wenn man vor 15 Jahren ein Pferd mit einem enormen Halskamm präsentierte, erntete man vielfach anerkennende Blicke – schließlich wirkt so ein „Hengsthals“ sehr imposant und zumindest damals förderte er den Rückschluss darauf, dass das Pferd entsprechend trainiert wird. Insofern wurde der Reiter eines solchen Pferdes von den Dressurrichtern auch mit guten Wertnoten belohnt - viel Aufsatz und „Kragen“ erweckt schlussendlich auch den Eindruck der Aufrichtung und vollendeten Versammlung. Waren die Dressurpferde einst eher schlanke Athleten, strebte man nun nach mehr Üppigkeit. Damit begann auch der „Hengstboom“, denn wer Schleifen im Dressurviereck sammeln wollte, ritt vorzugsweise einen Hengst, der in der Regel schon aufgrund seiner Hormone viel beeindruckendere Muskelpakete vorweisen kann. Zu jener Zeit  galt ein „Speckkamm“ an der Oberlinie des Pferdehalses als erstrebenswert.

Allerdings änderte sich 2002 der Blickwinkel vieler Pferdefreunde, denn in der Abteilungfür Tiermedizin und Chirurgie der Universität von Missouridefinierte Professor Dr. Philipp Johnson erstmalig den „Speckkamm“ an der Oberlinie des Pferdehalses zum Krankheitssymptom einer endokrinen Erkrankung, bei der klinische oder subklinische Reheschübe auftreten, obwohl es dafür eigentlich keine erkennbaren Ursachen wie Endotoxämie oder eine akute Überfütterung mit Stärke oder Fruktanen gibt. In einem Symposium über Hufrehe am 31. Januar 2003 an der Tiermedizinischen UniversitätWisconsin benannte er die Krankheit als „Equines Metabolisches Syndrom“ (EMS).

Seitdem richtet sich das Augenmerk der Pferdefreunde nicht mehr positiv auf einen imposanten Hengsthals. Vielmehr wird unter jedem kräftigen Mähnenkamm die Wohlstandskrankheit vermutet, die sich aufgrund der auftretenden Insulinresistenz am ehesten mit einem Typ 2 Diabetes mellitus vergleichen lässt.

 

EMS: Auslöser und Symptome


Doch bevor nun die Hengsthalter ihre Pferdejungs auf eine radikale Diät setzen, nur weil sie einen „Hengsthals“ mit ausgeprägtem Mähnenkamm haben, sollte zwischen hengsttypischem Muskelaufbau und abnormalen Fettdepots unterschieden werden.

Die finden sich beim EMS-Pferd

  • im deutlichen Fettansatz am Mähnenkamm („cresty neck“: der mittlere Halsumfang ist negativ korreliert mit der Insulinsensitivität)
  • in üppigen Fettpolstern an der Schulter und auf der Kruppe, oberhalb des Schweifansatzes, an der Penisscheide (Präputium) bei Wallachen/ Hengsten und am Euter bei Stuten

dazu kommen bei einer bestehenden EMS meist Begleiterscheinungen wie

  • Abbau der Muskulatur
  • Leistungsmangel, trotz energiereicher Fütterung
  • Infektionskrankheiten
  • Fruchtbarkeitsstörungen (bei Stuten Infertilität/ verzögerter Rossezyklus, beim Hengst mangelhafte Libido)
  • Hufrehe, die akut, chronisch oder schleichend verlaufen kann, bei der kein anderer auslösender Faktor zu finden ist
  • ein pathologisch gesteigertes Durstgefühl (Polydipsie), dasin der Regel von einer vermehrten Harnausscheidung (Polyurie)begleitet wird
  • sowie eine Insulinresistenz, welche durch einen abnormen Zucker- und Insulinstoffwechsel gekennzeichnet ist

Aber auch wenn die meisten, von der EMS betroffenen Pferde auch bei reduzierter Fütterung nur sehr schwer Gewicht verlieren und durch ihre Fettleibigkeit auffallen, gibt es tatsächlich auch dünne Pferde mit EMS. Über diese ist noch recht wenig bekannt: Vermutet werden eine übertriebene Insulinantwort auf bestimmte Inhaltsstoffe im Futter („hepatische Insulinresistenz) oder eine gesteigerte endokrine Aktivität des Bauchhöhlenfetts.

Als Auslöser der EMS gelten folgende Risikofaktoren:

  • ein ständiges Überangebot von sehr gehaltvollem (energiereichem) Futter und ein hohes Maß an leichtverdaulichen Kohlehydraten (Stärke, Zucker), was zur Fettleibigkeit (Adipositas) führt
  • mangelnde körperliche Aktivität
  • eine genetische Disposition (Spanish Mustang, Paso Fino, Peruvian Paso, Morgan Horse) oder ein niedriger Futterbedarf von an sich sehr genügsamen Robustpferderassen/ leichtfuttrigen Pferderassen/ Ponys („easy keeper“): Araber, Fjordpferde, Haflinger und ähnliche. Überdies sind manche Pony- und Robustpferderassen von einer genetischen Besonderheit betroffen, die an diese Tiere ein wechselndes Nahrungsangebot anpasst („thrifty genes“). Diese Pferde/ Ponys fressen sich in der futterreichen Jahreszeit (Sommer und Herbst) quasi „Winterspeck“ an. Begleitend dazu besteht eine temporäre Insulinresistenz, so dass die aufgenommene Energie als Fett gespeichert werden kann. In der Winterzeit wird dann diese Energiereserve bei normaler Insulinempfindlichkeit genutzt. Verbraucht sich das Energiedepot in der futterarmen Jahreszeit aber nicht, weil durch eine weitere üppige Fütterung kein Nahrungsmangel entsteht und wird das Pferd oder Pony auch noch bewegungsarm gehalten, verfetten diese Pferde und Ponys und es kann zu einer dauerhaften Insulinresistenz kommen, aus der dann das Equine Metabolische Syndrom resultiert.

Die Frage, in welchem Alter Pferde von EMS betroffen sein können, kann meist nur vage beantwortet werden, denn die erkrankten Pferde müssen über einen längeren Zeitraum (oft mehrere Jahre) adipös sein, bevor sich eine Insulinresistenz aufgrund der Fettleibigkeit entwickelt. Das bedeutet, dass sich ein EMS in der Kombination von mangelnder Bewegung plus Futter im Überangebot, respektive durch Interaktion von genetischen und Umweltfaktoren, vielfach schon in der Aufzuchtphase entwickelt und sich ab einem Alter von etwa 5 Jahren mit den typischen Symptomen zeigt. Am häufigsten erkranken jedoch Pferde zwischen 5 und 15 Jahren.

 

Hormone im Chaos


Ein ständiges Überangebot von sehr gehaltvollen, vor allem kohlehydratreichem Futter, dessen Energiegehalt nicht der körperlichen Aktivität des Pferdes angepasst wird, kann zu einer Erkrankung des endokrinen Systems bei Pferden führen.

Beim Equinen Metabolischen Syndrom handelt sich um eine Erkrankung des Energie- bzw. Zuckerstoffwechsels.

Beim gesunden Pferd steigt nach der Futteraufnahme der Blutzuckerspiegel entsprechend der Art des Futtersan(bei stärkereichen Futter, respektive Futter mit hohen glykämischen Index steigt der Blutzuckerspiegel deutlich höher an, beispielsweise nach der Gabe von Heu). Weil jedoch die erhöhte Konzentration an Glukose die Zellen schädigen würde (Glukotoxizität), reagiert die Bauchspeicheldrüse mit der Ausschüttung des Hormons Insulin – dem einzigen körpereigenen Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt!

Der Gegenspieler vom Insulin ist das ebenfalls in der Bauchspeicheldrüse gebildete Hormon Glukagon. Beide spielen insofern eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Kohlenhydrate, als dass Insulin den Blutzuckerspiegel senkt, während Glukagon den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt, in dem es den Abbau von Glykogen in der Leber steigert. Insulin hingegen hemmt die Glucose-Freisetzung aus der Leber.

Insulin regt aber auch die Aufnahme der Glucose in das Muskel- und Fettgewebe an, indem es die Zellen veranlasst, den Glukoserezeptor GLUT4 zur Zelloberfläche zu transportieren und daraufhin Glukose aufzunehmen. Der Zucker könnte zwar prinzipiell von jeder Zelle aufgenommen werden, aber er wird vor allemin den Zellen von

  • Muskulatur (Zucker wird in Energie umgewandelt und steht dem Muskel zur Verfügung)
  • Leber (Leberzellen wandeln den Zucker in Glykogen um und speichern dieses ab)
  • Fettgewebe (Glukose wird durch Insulin in die Fettzelle transportiert)

aufgenommen. Hier wird er entweder zur Energiegewinnung verbrannt oder als Reservezucker im Muskel (Muskelglykogen) und in der Leber (Leberglykogen) gespeichert.

Gleichzeitig unterbindet Insulin die Glukoseneogenese (Eigensynthese von Glukose) in der Leber und hemmt auch die Fettverbrennung, während die Glykogensynthese (Speicherform der Glukose) gefördert wird. Nachdem genügend Glukoseaus der Blutbahn über das Insulin an die Zellen verteilt wurdeund der Blutzuckerspiegel wieder im Normbereich liegt, wird das Insulin von der Leber wieder abgebaut, so dass auch der Insulinspiegel wieder sinkt.

Nun wird das Hormon Glukagon aktiv, das ebenfalls die Bauchspeicheldrüse ausschüttet und stellt sicher, dass es im Körper nun nicht zu einer Unterzuckerung kommt.

Solange Insulin und Glukagon in einer ausgeglichenen Balance sind, funktioniert der Zuckerstoffwechsel. Kommt es aber zu einer Störung des Gleichgewichtes durch vermehrte Energieaufnahme und unzureichendem Abbau durch Muskelarbeit, werden verstärkt Fettpolster gebildet.

Grund dafür ist der Einfluss von Insulin auf den Fettstoffwechsel, denn es begünstigt die Bildung von Körperfett und unterdrückt gleichzeitig den Fettabbau (Lipolyse).

Überdies signalisiert dem Gehirn die Sättigung der Zellen. Bei einer Überfütterung mit Kohlenhydraten steigt der Blutzuckerspiegel weiter an und Insulin muss weiter produziert werden. Sind die Depots der Leber- und Muskelzellen jedoch nicht mehr in der Lage, weitere Kapazitäten aufzunehmen, transportiert das Insulin die Glukose und die Fettsäuren in die Fettzellen – ist dort nun auch kein Platz mehr, werden weitere Fettdepots in anderen Körperzellen angelegt. Durch die vermehrte Aufnahme von Fettsäuren kommt es auch zum Anstieg von intrazellulären Lipidmetaboliten, wie zum Beispiel Diaglycerol. Im weiteren Verlauf werden Serin/ Threonin von Bestandteilen des Insulinrezeptors phosphoryliert. Die Folge ist die Insulinresistenz, welche aufgrund fehlender Insulinrezeptoren auf der Zelloberfläche hervorgerufen wird. Dieser Vorgang wird als Lipotoxizität bezeichnet.

Das spezielle omentale Fettgewebe aus den neu angelegten Depots fungiert aber nicht, wie üblich, als Energiespeicher, sondern wird zu einer aktiven Hormondrüse und zur Quelle der AdipokineLeptin, TNF-α, Interleukin-6 und 11-β-Hydroxysteroiddehydrogenase. Diese Botenstoffe spielen wiederum eine Rolle bei der Regulation der Körpermasse und ihrer Zusammensetzung:

  • Leptin hat dabei eine wichtige Funktion im Zentralen Nervensystem: Es reguliert das Hungergefühl
  • TNF- α und Interleukin-6 werden als Entzündungsmediatoren zum Auslöser der Hufrehe und tragen zur Entstehung einer Insulinresistenz bei, denn sie führen bei vermehrter Produktion zu einem chronisch systemischen Entzündungszustand.
  • 11-β-Hydroxysteroiddehydrogenase-1 (11ß-HSD-1)ist für die Umwandlung von zirkulierendem, metabolisch inaktivem Kortison in das physiologisch aktive Kortisol zuständig, welches zu einer weiteren Zunahme von Fettgewebe führt und die Insulinresistenz verstärkt.

 

Die Insulinresistenz (IR) definiert sich wie folgt:

IR ist die Unfähigkeit des insulinabhängigen Gewebes auf das zirkulierende Insulin adäquat zu reagieren – die Zellen sprechen aufgrund der aus dem krankhaft veränderten Fettgewebe abgegebenen Botenstoffe nur noch vermindert auf Insulin an. Diese verschlechterte „Insulinantwort“ der Zellen führt dazu, dass der Blutzucker nicht mehr - wie beim gesunden Pferd - in die Körperzellen aufgenommen werden kann, woraus ein erhöhter Blutzuckerspiegel resultiert, die wiederum zu einer gesteigerten Insulinausschüttung mit chronisch erhöhtem Insulinspiegel führt.

 

Welchen Einfluss nimmt nun die Insulinresistenz (IR) auf den Körper des Pferdes?


  • Muskulatur

Glukose wird entweder zur Energiegewinnung verbrannt oder als Reservezucker im Muskel (Muskelglykogen) gespeichert. Durch die verminderte Aufnahme von Glukose steht weniger Energie zur Verfügung – die Leistungsfähigkeit des Pferdes wird eingeschränkt und durch die Unterversorgung der Muskelzellen baut sich auch die Körpermuskulatur ab.

  • Leber:

Um die Muskelzellen mit der fehlenden Energie zu versorgen, steigert die Leber die Glukoseneubildung. Der Blutzucker steigt an und auch der Fettgehalt der Leber nimmt zu.

  • Fettzellen

Das Übermaß von Fettzellen führt dazu, dass sie sich auch im Blutplasma befinden, womit zusätzlich die Zuckeraufnahme in die Zellen blockiert wird. DieGlukose wird hauptsächlich nur noch durch das Fettgewebe aufgenommen. Auch die durch das Futter aufgenommenen Kohlenhydrate können durch die geminderte Fähigkeit der Zellen, Glucose aufzunehmen, nicht in Energie umgewandelt werden und werden zu Fettdepots – das Pferd wird zunehmend dicker, obwohl es nicht mehr Futter bekommt. Die geminderte Leistungsfähigkeit verführt viele Pferdebesitzer dazu, mehr Energie ins Pferd zu füttern, die aber wiederum nicht von der Muskulatur genutzt werden kann, sondern die Fettdepots wachsen lässt.

  • Blutbahn

In der Blutbahn kommt es durch die Resistenz der Zellen, die kaum noch Insulin aufnehmen, zu einem Insulinüberschuss, der sich in Form von Plaque in den Gefäßen anlagert und diese verengt – es kommt zum Bluthochdruck.

  • Magnesium

Insulin und Magnesium ergänzen sich in ihren Aufgaben, denn Insulin kann nur produziert werden, wenn dem Körper ausreichend Magnesium zur Verfügung steht. Insulin unterstützt wiederum die Speicherung von Magnesium in den Muskelzellen. Besteht eine IR, gelangt kaum noch Magnesium in die Zellen - durch diesen Verlust kann wiederum kein Insulin produziert werden.

 

Hufrehe – die dramatischste Auswirkung der EMS


Ganz sicher ist es kein erstrebenswerter Zustand, wenn das Pferd fettleibig ist und es ihm an Muskulatur und Leistungsfähigkeit fehlt. Doch schlimmer geht bekanntlich immer:

Die Gefahr einer Hufrehe schwebt wir ein Damoklesschwert über jedem EMS-Pferd.

Im Gegensatz zur Futterrehe, die durch eine Störung der Darmflora (Dysbiose) im Dickdarm, bei der es zur vermehrten Bildung von Gärungs- und Fäulnisprodukten kommt, vermutet man bei der Hufrehe, welche die EMS begleitet, dass das Insulin zum Auslöser derselben wird. Die Vermutung liegt nah, dass die Insulinresistenz den Glukosestoffwechsel der Hufkeratinozyten stört. Allerdings ist es wohl nicht, wie zunächst angenommen, die mangelhafte Versorgung der Hufzellen, welche einen sehr hohen Glukosebedarf haben, die zur Ablösung des Hufträgers führt. Vielmehr wurde inzwischen der Nachweis erbracht, dass die Glukoseaufnahme in den Hufzellen auf einem Weg vonstatten geht, der nicht vom Insulin abhängig ist: In den Zellen der Hufe ließ sich der Glukosetransporter GLUT4 nicht nachweisen und bei Versuchen mit langanhaltenden hohen Insulingaben, kam es in den Hufzellen nicht zu einer Unterversorgung mit Glukose, während andere Zellen eine Resistenz entwickelten. Insulin nimmt jedoch insofern Einfluss auf die Hufgefäße, als dass das Hormon gefäßerweiternd wirkt – bei einer bestehenden EMS mit Insulinresistenz kommt es jedoch zu einer Gefäßverengung, welche bekannterweise bei der Entstehung einer Hufrehe eine Schlüsselrolle spielt.

Zu Schäden an der Huflederhaut kommt es überdies bei einem bestehenden EMS vermutlich aufgrund der hohen Wahrscheinlichkeit, dass Insulin selbst toxisch zu wirken scheint. Dazu kommt, dass auch Glukose nachweislich Zellen schädigt, vor allem Blutgefäße – durch den permanent hohen Blutzuckerspiegel kommt es zu Entzündungen in den Gefäßen der Hufe. Bei anhaltender EMS kann dieser Umstand zur Ablösung des Hufbeinträgers führen.

Ob man nun als Pferdebesitzer eines EMS-Pferdes froh sein darf, dass diese Tiere oft unter einer weniger ausgeprägten Form der Hufrehe leiden, ist fraglich. Vor allem aus dem Grund, dass man gerade bei Pferden, die im Sommer dauerhaft auf der Weide stehen, so gut wie keine Rehesymptome, wie die typische „Rehestellung“ erkennen kann. Meist fällt höchstens ein leicht klammer Gang auf, wenn das Pferd im Trab bewegt wird. Der Hufbeinträger kann damit quasi unentdeckt geschädigt werden, während bei einer Futterrehe eine sofort eingeleitete Therapie bei den ersten Reheanzeichen verhindern kann, dass das Hufbein Schaden nimmt.

Eine Möglichkeit, das Risiko einer Hufreheerkrankung bei einem EMS-Pferd abschätzen zu können, ist es, die Insulinkonzentration messen zu lassen. In diesem Fall geht es jedoch nicht um die vermehrte Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, sondern um den verminderten Abbau durch die Leber, die bei fortschreitender EMS ebenfalls Schaden nimmt. Da ein Zusammenhang zwischen dieser erhöhten Insulinkonzentration und dem Schweregrad einer Rehe besteht, kann anhand der Insulinkonzentration bei einem EMS Pferd eine Aussagen getroffen werden, wie wahrscheinlich eine Hufreheerkrankheit ist und wenn dem so ist, ob der Hufbeinträger schon Schaden genommen haben kann.

Trotzdem bleibt nach wie vor das Weidegras ein hoher Hufrehe-Risikofaktor für EMS-Pferde. Sein Gehalt an schnell zunehmenden, unstrukturierten Kohlehydraten (Einfachzucker, Stärke, Fruktane) schwankt erheblich in Abhängigkeit von Lage, Bodenart, Klima und Tageszeit. Die exzessive Aufnahme dieser Zucker ist in der Humanmedizin als Verstärker einer Insulinresistenz bekannt, doch beim Pferd verändern sie außerdem die bakterielle Dickdarmflora. Hierbei entstehen extrazelluläre bakterielle Gifte mit Eiweißcharakter (Exotoxine), die von den lebenden Bakterien abgegeben werden, sowie hochmolekulare Verbindungen, die aus einer Polysaccharid- und Lipoidkomponente bestehen (Endotoxine) und nach dem Zelltod der Bakterien freigesetzt werden.

Außerdem kommt es zur Produktion von Aminen, welche den Tonus der Gefäße beeinflussen und zu einer Gefäßerweiterung oder -verengung führen (vasoaktive Amine), sowie zur Ausschüttung anderer Entzündungsmediatoren, die ebenfalls als auslösende Faktoren für eine Hufrehe angesehen werden können. Insulinresistente EMS-Pferde regieren im Bezug auf die Änderung der Weidegraszusammensetzung sensibler – es wird vermutet, dass bei ihnen auch der Schwellenwert niedriger liegt, als bei gesunden Pferden.

 

Heilwege beim Equinen Metabolischen Syndrom: Weniger Futter und mehr Bewegung


Eine medikamentöse Therapie, welche alle Faktoren die zu einem EMS führten behandeln kann (ätiologische Therapie) und deren Erfolg und Sicherheit beim Pferd eindeutig nachgewiesen ist, gibt es im Prinzip noch nicht. Zeitlich begrenzt können Schilddrüsenhormone mit dem Ziel zum Einsatz kommen, die Gewichtsreduktion zu unterstützen. Auch Medikamente aus der humanen Diabetologie werden in ihrer unterstützenden Heilwirkung bei EMS-Pferden geprüft - allen voran das Metformin. Doch auch hierbei gibt es noch keine aussagekräftigen Studien über die Bioverfügbarkeit und auch objektive mittelfristige und Langzeitergebnisse liegen noch nicht vor.

Lediglich den Begleitsymptomen, wie der Hufrehe kann mit allopathischen Heilmitteln entgegengewirkt werden. Zwar wurden bereits Arzneien, die beim Equinen Cushing Syndrom zur Verbesserung des Gesundheitszustandes führten, auch an EMS-Fällen getestet, aber meist führte dies nicht zu einem Heilerfolg.

Trotzdem kann ein EMS-Pferd, welches noch keine Rehe entwickelt hatte, theoretisch wieder völlig gesund werden, wenn die therapierelevante Ernährung und Bewegung beibehalten werden, denn der Insulinspiegel kann bei entsprechender Diät und körperlicher Aktivität auch wieder sinken.

 

Fütterung

Allerdings soll das EMS-Pferd keinesfalls durch einen radikalen Futterentzug abnehmen – hierbei bestünde die Gefahr, dass unter diesem Futterentzug vermehrt Fette abgebaut werdenund eine weitere Stoffwechselstörung, die  lebensbedrohliche Hyperlipidämie, entstehen kann. Vielmehr sollte auf eine sowohl stärke- als auch fettarme Ernährung, bei ausreichender Mineralversorgung geachtet werden. Auch eine abrupte Futterumstellungen sollte unbedingt vermieden werden.

Beim fettleibigen Pferd, das vom Equinen Metabolischen Syndrom ist, bewirkt die Diät nicht nur eine Abnahme des Gewichtes, sondern zusätzlich ein Abbau der Fettdepots, eine kontrolliertere Fettverteilung und auf längere Sicht auch die Sensibilisierung derInsulinrezeptoren.

Im Rahmen einer EMS-Diät sollte bei der Fütterung verzichtet werden auf:

  • Heu mit mehr Gehalt als 10% an Zucker und an Stärke (im Zweifelsfall sollte das Heu vor dem Füttern zwischen 30 und 120 Minuten zum Auswaschen von Fruktan und löslichen Kohlehydraten eingeweicht werden)
  • Futter mit hohem glycämischem Index, wie zum Beispiel mit Melasse versetze Kraftfuttermittel
    Futtermittel, die Glucosamine oder Yukkaextrakt enthalten
    Karotten
  • Äpfel
  • Brot
  • Weizenkleie
  • Gras (grundsätzlich sollte Weidegang wegen des hohen Fruktangehaltes im Gras vermieden werden)

Meist werden reine Heudiäten empfohlen, bei denen gänzlich auf Kraftfutter verzichtet werden soll.

Hierbei bekommt das Pferd:

  • Heu von sehr guter Qualität, jedoch möglichst alter Schnitt und mit weniger als 10% an Zucker- und Stärkegehalt (im Zweifelsfall sollte das Heu vor dem Füttern zwischen 30 und 120 Minuten zum Auswaschen von Fruktan und löslichen Kohlehydraten eingeweicht werden) – maximal 1,3 bis 1,5 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht pro Tag – bezogen auf das angestrebte Idealgewicht, das bedeutet: Ein 600kg schwerer EMS-Patient sollte bei einem Idealgewicht von 500kg eine Heumenge von höchstens 7,5kg über den Tag verteilt oder aus einem engmaschigen Heunetz/ Heuigel erhalten.
  • Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine:

Die Zufütterung von Mengen- und Spurenelementen, sowie Vitaminen wird dringend empfohlen.

 

Insbesondere wird zu folgenden Nahrungsergänzung geraten:

  • Chromhefe/ 3-wertigem Chrom

(20 μg pro kg Gewicht und Tag - entspricht 3-5 g Chromhefe), der sich an den Insulinrezeptor der Zellen binden und ihn für Insulin sensibilisieren kann, wodurch die Blutzuckeraufnahme in die Zellen verbessert wird. Das Spurenelement kommt in natürlicher Form vor allem in Bierhefe vor. Für ein 500 kg schweres Pferd wird eine tägliche Menge von 5 bis 6 mg Chrom empfohlen, um die Bildung des wichtigen altershemmenden Hormons DHEA (Dehydroepiandrosteron) zu steigern, das durch einen hohen Insulinspiegel gehemmt wird. Zusammen mit Zink kann Chrom einer auftretenden Muskelschwäche entgegen wirken.

  • Jod

ist ein natürlich vorkommendes Spurenelement, das für die Gesundheit des Pferdes lebensnotwendig ist. Es dient dem körpereigenen Aufbau der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin, welche viele Prozesse im Körper wie Wachstum, Knochenbildung, Entwicklung des Gehirns sowie den Energiestoffwechsel steuern. Es wird eine Tagesdosis von 5 bis 6 mg Jod empfohlen. Abzudecken ist der Bedarf beispielsweise durch 10 Gramm Knotentang Ascophylum nodosum.

  • Magnesium 

ist ein wichtiges Mengenelement für die Skelettentwicklung und den Knochenaufbau. Eine weitere wichtige Bedeutung bekommt Magnesium als entscheidender Baustein für das Muskel- und das Nervengewebe – beide werden durch das Equine Metabolische Syndrom in Mitleidenschaft gezogen. Wenn erkrankte Pferde außerdem stark schwitzen, verlieren sie Magnesium, denn das Mengenelement wird auch über den Schweiß ausgeschieden. Ein Mangel dieses Minerals kann zu Muskelzittern, Nervosität und sogar zu Krämpfen oder einem unsicheren Gang führen. Die empfohlene Dosis für ein 500 kg schweres Pferd liegt bei 4 mg (Magnesium kann bis zu vierfach überdosiert werden, ohne dass gesundheitliche Probleme auftreten)

  • Vitamin E

hat eine wichtige, herzrelevante Funktion im Körper, denn es gilt aufgrund seiner Funktion als Antioxidants und durch seine hohe Bedeutung beim Muskelstoffwechsel (Herz) als „Leistungsvitamin“. Vitamin E ist auch für die Gesunderhaltung der Blutgefäße und bei der Bekämpfung von Entzündungen von großer Relevanz. Vitamin E schützt vor allem in der fettsäurehaltigen Zellmembran die empfindlichen ungesättigten Fettsäuren vor der Oxidation, was es in den Stand des wichtigsten Zellschutzvitamins erhebt. Die empfohlene tägliche Dosis liegt bei 2000 bis 3000 i.E. für ein 500 kg schweres Warmblutpferd – Hanfsamen kann als Vitamin E-reiches Futtermittel für ein von EMS betroffenes Pferd ein wichtiges Antioxidants sein, das es unter anderem vor einer Huflederhautschädigung schützen kann.

In der Regel wird eine reine Heudiät für Sport- und Zuchtpferde nicht reichen, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Die Futtermittelhersteller bieten jedoch auch stärke- und zuckerreduzierte Spezialfuttermittel für EMS-Pferde an. Gerade mäkelige Pferde, die an melassiertes Krippenfutter gewöhnt sind, fressen sie aber teilweise nur ungern. Hier können zuckerreduzierte, also unmelassierte Rübenschnitzel eine gute Alternative bieten. In ihnen kann man auch Medikamente „verstecken“.  Die Zufütterung von Ölen führt zwar gerade bei EMS-Pferden zu Kontroversen, aber um bei höherem Energiebedarf nicht auf stärkereiche Futtermittel zurückgreifen zu müssen, ist Pflanzenöl (Leinöl, Mariendistelöl) empfehlenswerter, als Kohlehydrate in Form von Stärke und Zucker.

Nicht zuletzt ist in der Natur für jede Krankheit ein Kraut gewachsen.

 

Es gibt zahlreiche phytotherapeutische Heilmittel, die denInsulin-Stoffwechsel unterstützenden und sich bereits bei EMS bewährten:

  • Ginseng-Wurzel

zum einen kann sie andere Heilmittel unterstützen, zum anderen wirkt sie umfassend und regt viele Körperfunktionen an. Erwiesen ist vor allem ist die Stoffwechselwirkung im Sinne einer unspezifischen Reiztherapie, was bedeutet, dass Ginseng die körpereigenen Abwehrkräfte mobilisiert, die Leistungsfähigkeit wird gesteigert, die Anpassung an Stresssituationen, außergewöhnliche Belastungen und erhöhte Anforderungen werden verbessert, die Konzentrationsfähigkeit verbessert und die Abwehrbereitschaft gegen Krankheitserreger wird gestärkt. Ebenso wirkt die Ginsengwurzel regulierend auf den Blutzuckerspiegel – die Ginsengwurzel kann, bei längerer Zufütterung eine Steigerung des Zuckerabbaus (Glykolyse) und der Glukoseverwertung, die durch Insulin induziert wird, bewirken.

  • Ceylon-Zimt

Auch wenn seine Heilwirkung noch nicht so lange bekannt ist, wird er mittlerweile als das Gewürz bezeichnet, das zuverlässig den Blutzuckerspiegel zu senken imstande sein soll. Allerdings geriet Zimt aufgrund seiner Inhaltsstoffe aus der Gruppe der Cumarine in den Verdacht, leberschädigend zu wirken. Diese Vorurteile wurden durch den Nachweis einer solchen Eigenschaft bei cumarinhaltigen Arzneimitteln geschürt. Da sich jedoch die Cumarine aus Zimt und Arzneimitteln unterscheiden, können die Nebenwirkungen der cumarinhaltigen Arzneimittel nicht auf Zimt übertragen werden. Es gibt keine Studie, die dem Zimt eine schädigende Wirkung nachgewiesen hat. Aber es gibt viele Studien, die nachweisen, dass besonders das Polyphenol MHCP (Methylhydroxy-Chalcone-Polymer) gesundheitsförderlich ist, weil es direkt an den Insulinrezeptoren wirkt und den Blutzucker senkt. Als Dosis wird für 250 kg Lebendgewicht von einem Teelöffel Zimt ausgegangen. Bei einem 500 kg schweren Warmblutpferd würden zwei Teelöffel reichen, um den Blutzuckerspiegel zu senken.

  • Mädesüßkraut

Die durchblutungsfördernde, entgiftende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung von Mädesüß macht diese Pflanze auch zu einem sehr guten Helfer, welcher sich bei Hufrehepferden empfiehlt. Der Grund für die gute Heilkraft ist der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, denn er ist auch die Grundsubstanz von Aspirin.

  • Mariendistelsamen

Die leberschützende und leberfunktionsanregende Wirkung der Mariendistel ist durch mehrere wissenschaftliche Studien belegt. Sie kann sogar bereits geschädigte Leberzellen wieder herstellen, was ihre Bedeutung im Bezug auf EMS stärkt.

  • Birkenblätter

Sie dienen vor allem zur Entschlackung und Entgiftung bei entzündlichen Prozessen und zur Anregung des Stoffwechsels durch die harntreibende, ausschwemmende Wirkung, zu welcher noch die Entwässerung kommt, die bei Ödemen hilfreich wirkt. Damit entlasten sie auch die Leber.

  • Brennnesselblätter

Sie enthalten sehr viel Eisen und Vitamin C und sind bei Stoffwechselstörungen wie EMS, welche einhergehen mit Hufrehe, das erste Mittel der Wahl zur Entgiftung und zum Abtransport von Toxinen, sowie der Entlastung der Leber und zur Entschlackung.

  • Löwenzahnblätter

Dem Löwenzahn ist, wie vielen Frühlingspflanzen, eine ausgeprägt blutreinigende und entschlackende Wirkung eigen, weshalb er sich nach Medikamentenbehandlungen oder bei Hufrehe bewährt hat, denn er regt sämtliche Verdauungsorgane, sowie die Funktion von Niere und Blase an, wodurch alte Schlacken ausgeschieden werden können. Löwenzahn hilft auch bei vielen chronischen Krankheiten und regenerierend und entlastend im Bezug auf die Leber

  • Mistel

In der modernen Pflanzenheilkunde wird die Mistel zur Regulierung des Blutdrucks über die Normalisierung des Kreislaufs und eine Stärkung des Herzens eingesetzt. Gerade bei EMS-Pferden ist Senkung des Blutdrucks essentiell, das oft auch das Herz in Mitleidenschaft gezogen und geschwächt ist. Überdies ist der positive und funktionsstärkende Einfluss der Mistel auf die Bauchspeicheldrüse und die Regulierung des Blutzuckerspiegels bei EMS bedeutend.

  • Hagebutte

Die Schalen der Hagebutte haben nicht nur eine gute Heilwirkung, sondern auch mit dem hohen Gehalt an Vitamin C eine abwehrkräftestärkende Wirkung. Die Hagebutte hat sich daher in der Hauptsache als hervorragender Vitamin C-Spender bewährt, denn ihr sehr hoher Gehalt an Ascorbinsäure (100 g frische Hagebutten enthalten 400-5.000 mg Vitamin C) macht sie zu einer effektiven Hilfe bei Neigung zu Infektionskrankheiten bei Schwächung des Immunsystems und der körpereigenen Abwehrkräfte und bei Erschöpfungszuständen. Sie regt die Widerstandskräfte an und wirkt dadurch stärkend in der Zeit der Rekonvaleszenz nach Krankheiten. Des weiteren schreibt man ihr eine blutreinigende Wirkung zu. Bei Hufrehe unterstützt sie die Leber als Entgiftungsorgan stärkend und durch ihren hohen Vitamingehalt wirkt sie positiv zur Bildung von gesundem Hufhorn.

  • Bockshornkleesamen

Der Samen des Bockshornklee enthält sehr viele Nährstoffe und setzt sich vor allem ausKohlenhydraten mit vielen Ballaststoffen und Schleimstoffen, Eiweiß und hochwertigen Fetten zusammen. Bemerkenswert für die Samen sind der ungewöhnlich hohe Vitamin C - Gehalt (200 mg / 100 g) und weitere wichtige Inhaltsstoffe wie verschiedene Enzyme, essentielle Aminosäuren (z.B. viel Lysin), Cholin, Vitamin E, beta - Carotin, Mineralstoffe wie Kupfer, Saponine, Flavonoide und ein hoher Gehalt an ätherischen Ölen, weshalb er ein hervorragendes Mittel bei allgemeiner Schwäche des Körpers und des Organismus ist und in Zeiten der Rekonvaleszenz eine gute Hilfe sein kann. Bockshornkleesamen gilt überdies als entzündungshemmend.

  • Knotentang Ascophylum nodosum

Kaum eine Pflanze ist jodreicher als Algen. In der Pferdefütterung spielt vor allem der Knotentang Ascophylum nodosum, der zu den Braunalgen gehört, eine wichtige Rolle. Er enthält – auf ein Kilogramm berechnet – 780 mg Jod. Es genügen also schon 10 Gramm des Heilkrautes, um den erhöhten Jodbedarf eines EMS-Pferdes zu decken. Darüber hinaus ist diese Alge reich an Rohfaser (46 %), Eisen (373 mg) und dem ebenfalls für die Behandlung der Symptome vom EMS relevanten Magnesium (0,8% pro kg). Außerdem enthält der Knotentang 1,6 % Calcium, 0,1 % Phosphor, 4,2 % Natrium, 2,8 % Kalium, 8 mg Zink, 22 mg Mangan und 2 mg Kupfer.

  • Isländisch Moos

Ebenfalls sehr jodhaltig und sogar alsjodhaltigste Landpflanze bekannt ist dasIsländische Moos. Seine stärkende und kräftigende Eigenschaft macht diese Flechte essentiell als Heilpflanze bei Erschöpfungs- und Schwächezuständen.

  • Ingwer

Ingwerfindet bei Pferden vor allem bei entzündlichen Prozessen der Gliedmassen als Entzündungshemmer und Schmerzstiller seinen Einsatz, wobei er auch zur Stärkung des Organismus beiträgt und bei Infekten und Atemwegserkrankungen hilfreich wirkt, wo er überdies eine schleimlösende Wirkung hat. Da der Ingwer sehr scharf schmeckt und zitronenähnlich riecht, wird er nicht immer gerne von den Pferden gefressen. Daher ist es sinnvoll mit kleinen Dosen von 5 Gramm zu beginnen und diese langsam zu steigern. Als Wohlfühldosis wird eine Menge von drei bis fünf Gramm pro 100 kg Lebendgewicht angegeben, also bei einem 600 kg schweren Pferd entspricht das einer Menge von 18 bis 30 Gramm. Eine Besserung stellt sich in der Regel sofort dann ein, wenn die passende Dosis erreicht ist.

  • Hanfsamen

Immer mehr Bedeutung in der Pferdefütterung gewinnt der Hanfsamen. Er enthält sowohl Omega 3, 6 und 9 Fettsäuren für ein gesundes und leistungsfähiges Herz-Kreislaufsystem, als auch alle essentiellen Aminosäuren, die dem Muskelabbau beim EMS-Pferd entgegenwirken können. Die im Hanfsamen in rein natürlichen, organischen und daher sehr gut aufnehmbaren Verbindungen reichlich enthaltenen Mineralien und Spurenelemente, wie Magnesium, Kalium, Calcium, Phosphor und Eisen sind ebenfalls von hoher Relevanz bei Pferden, die vom Equinen Metabolischen Syndrom betroffen sind. Auch Antioxidantien, wie die Vitamine C und E, Enzyme, sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide und essentielle B-Vitamine manchen den Hanfsamen zu einem pflanzlichen Heilmittel, dem man bereits nachsagt, er könnte bei schwerwiegenden Stoffwechselerkrankungen wie dem Metabolischen Syndrom helfen, die Symptome zu lindern – noch fehlen hierzu zwar wissenschaftlich fundierte Studien, aber positive Erfahrungen von Pferdebesitzern mit betroffenen Pferden und die Inhaltsstoffe vom Hanfsamen berechtigen zu der Annahme, dass die „Vitalnüsschen“ den bislang vielfach empfohlenen Leinsamen bei weitem in der Wirkung übertreffen.

Wir empfehlen unserer Heilkräutermischung „“Kuddelmuddel – gegen das große Hormonchaos“ zur Zufütterung, in der alle beim Equinen Metabolischen Syndrom erwähnten und relevanten Kräuter enthalten sind.

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Bewegung

Ein wichtiger Faktor beim Abnehmen ist die körperliche Aktivität des von EMS betroffenen Pferdes - sie reaktiviert die herabgesetzte Insulinsensitivität, verbrennt zusätzlich Fett und wirkt dem Muskelabbau entgegen. Allerdings entfällt die Bewegung während einesakuten Hufreheschubes.

 

Wie erkennt man das Equine Metabolische Syndrom?


Abgesehen von den typischen äußeren Anzeichen, die den Hinweis auf EMS liefern, spielt die Labordiagnostik die größte Rolle – vor allem weil damit diese Stoffwechselentgleisung häufig schon lange vor dem Auftreten klinischer Symptome, insbesondere auch der ersten Rehe nachgewiesen werden kann.

Im Labor konzentriert man sich aufden Nachweis der Insulin-Resistenz, um das Equine Metabolische Syndrom zu diagnostizieren. Bei der Bestimmung von Glukose- und Insulinspiegel im Blut spielt jedoch die Hufrehe eine große Rolle, denn bei akuten Schmerzzuständen kann es zu starken Schwankungen der Parameter kommen und die Aussagekraft des Tests ist dann fragwürdig.

 

Labordiagnostik
Typisch für ein equines metabolisches Syndrom sind einezu hohe Konzentration von Insulin im Blut (Hyperinsulinämie), ein milder bis mäßiger, aberchronischer Anstieg des Blutzuckerspiegels über den Normalwert (Hyperglycämie) und meist ein hoher Triglyceridspiegel, als Zeichen eines gestörten Fettstoffwechsels.

Im Gegensatz zum Krankheitsbild vom Equinen Cushing Syndrom, das in der Anfangsphase oft ähnliche äußere Symptome zeigt wie das Equine Metabolische Syndrom, liegt der ACTH–Spiegel beim metabolischen Syndrom in der Regel im Normbereich.

Für den kombinierten Glukose-Insulin-Test (cGIT) sollte die Blutentnahme morgens nach nächtlicher Nahrungskarenz stattfinden. Dem Pferd wird Glukose und Insulin intravenös verabreicht und der resultierende Blutzucker-  und Insulin­spiegel zu definierten Zeit­punkten gemessen, um so die körpereigene Blutzucker­regulation zu überprüfen. Bei einer gestörten Blutzucker­regulation eines EMS-Patienten kann die zugeführte Glukose nicht zeitnah verstoffwechselt werden und bleibt über einen längeren Zeitraum messbar erhöht.

 

Glukose-Belastungstest nach Robinson, 2003 und Reed, 2004 


• das Pferd muss über Nacht (12 Stunden) nüchtern bleiben
• Die Entnahme der Blutprobe für den Glukose-Basalwert (NaF-Blut) erfolgt morgens
• intravenöse Glukose-Infusion (0,5g pro kg Körpergewicht einer 50-prozentigen Glukoselösung) innerhalb von 5 Minuten
• Blutproben vom weiterhin fastenden Pferd (NaF-Blut) nach 30, 60, 90, 120, 150, 180 Minuten


Bei gesunden Pferden wird der Glukose-Basalwert nach spätestens 3 Stunden wieder erreicht - wird der 0-Wert für die Blutglucose in 3 Stunden nicht wieder erreicht, spricht dies für eine  Glucoseintoleranz.
 

Kombinierter Glukose-Insulin-Test nach N.Frank, 2007 


Dieser Test gilt als höchst sensitiv, denn durch die Verabreichung von Glukose, gefolgt von Insulin, wird der Reaktion des Körpers auf das Insulin voraus gegriffen, wodurch auch die Testdauer verkürzt werden kann.

• das Pferd muss über (12 Stunden) nüchtern bleiben
• Die Entnahme der Blutprobe für den Glukose-Basalwert (NaF-Blut) erfolgt morgens
• intravenöse Glukose-Infusion 150 mg/ kg Körpergewicht einer 50-prozentigen Glukoselösung
• direkt im Anschluss werden 0,10 Einheiten pro kg Körpergewicht Insulin intravenös verabreicht
• Blutproben vom weiterhin fastenden Pferd (NaF-Blut) 1, 5, 15, 25, 35, 45, 60, 75, 90, 105, 120, 135, 150 Minuten

Es bietet sich überdies eine Nüchtern-Insulinbestimmung zusammen mit der Basalprobe an. Da durch die Insulin-Injektion immer ein kleines Risiko besteht, dass der Blutzuckerspiegel abfällt und es zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommt besteht, wird vorsichtshalber Glukose-Infusionslösung bereitgehalten.

Von einer Insulin-Resistenz muss ausgegangen werden, wenn der Blutglukosespiegel länger als 45 Minuten über dem Basalwert liegt. Hierbei kann auch das Maß der Insulinresistenz quantifiziert werden, die sich an der Zeit misst, welche die Glukose braucht, um auf den Ausgangswert zurückzugehen.

Dieser Test wird auch meist für Therapiekontrollen vorgeschlagen.

 

Wir wünschen allen vom Equinen Metabolischen Syndrom betroffenen Pferden ein langes, beschwerdefreies Leben

Euer Team der Neumann Gewürz- und Kräuter Manufaktur

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