Sommerekzem bei Pferden - Ursachen und Behandlungsmethoden

14.04.2014 13:15 | Gesundheitliche Probleme mit Kräutern heilen

 

Ekzem-Testreihe

Das Sommerekzem oder wen juckts, wenn's warm wird?


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Der Lenz ist da!

Doch leider kommen mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auch die geflügelten Plagegeister zurück und trüben die Freude über den Frühling vor allem bei den Besitzern der "Schubberpferde". Die zeigen nämlich, kaum dass die Sonne scheint, die Temperaturen über die 20 Grad-Marke des Thermometers klettern, respektive teilweise auch bereits dann, wenn die Temperatur konstant über 8 bis 10 Grad bleiben, nicht mehr tiefer fallen und damit die Insekten wieder aktiv werden, verstärkten Juckreiz.

Ursachenforschung: Exogenen und endogene Faktoren

Schuld daran sind - betrachtet man zunächst nur die exogenen Faktoren - hauptsächlich die Stechmücken aus der Gattung der Culex, Gnitzen und Kriebelmücken, denn genau deren Speichel wird bei den Pferden, die unter der Hypersensitivität Typ I und damit verstärkt unter den Angriffen dieser Insekten leiden, zum Auslöser des Sommerekzems. Die Symptome dieser allergischen Reaktion treten nämlich in der Regel zwischen April und Oktober auf, was zunächst auch die Bezeichnung "Sommerekzem" erklärt, wobei durchaus auch Schübe erkennbar sein können, in denen der Juckreiz und die auf das damit verbundene Scheuern der Haut verstärkt feststellbar wird. Diese Phasen erstrecken sich meistens auf die Hochzeiten des Sommerekzems im Mai/ Juni, sowie im September. Allerdings spielt das Wetter dabei eine entscheidende Rolle, denn die allergieauslösenden Stechmückenarten sind in der Regel erstmalig bei konstanten Temperaturen um 8 bis 10 Grad unterwegs. Häufig beobachten die Besitzer der bislang unentdeckten Ekzemerpferde die ersten allergischen Reaktionen aber erstmalig im September und damit im Herbst. Insofern werden auch immer mehr der Klimawandel, einhergehend mit erhöhten UV-Strahlen und Ozonwerten, sowie schädliche Umwelteinflüsse zum Thema der Ursachenforschung.

Doch so leicht lässt sich die Ursache des Sommerekzems leider nicht eingrenzen, denn so einfach die Behandlung wäre, kämen nur äußere Einflüsse als Auslöser in Frage – denn dann würde ein Insektizid und eine Fliegendecke, die den Hautkontakt der Insekten zum Pferd und das Einwirken der UV-Strahlen auf die Haut verhindern den durchschlagenden Erfolg bringen müssen – so komplex ist die Allergie in ihrer Gesamtheit. Darum sind sich sowohl Wissenschaftler, als auch Tierärzte, die sich mit der Behandlung des Sommerekzems auseinandersetzen und Ursachenforschung betreiben einig, dass auch endogene Faktoren, also die genetischen und körperlichen Gegebenheit, die jedes Pferd mitbringt, mit eine Rolle spielen. Hierzu gehören beispielsweise

  • der Mangel an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen, welche die Haut für einen gesunden Aufbau ihrer Schichten braucht, aber die auch das intakte Immunsystem und damit die körpereigenen Abwehrkräfte unterstützen
  • eine zu reichliche Fütterung und damit verbundene Verfettung des Pferdes

Moppelpferd

  • Bewegungsmangel
  • eine Stoffwechsel-Störung
  • eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Substanzen, welche die Allergie auslösen (Allergene)
  • Noxen, also Umstände oder Substanzen, die eine schädliche Wirkung auf den biologischen Organismus haben, wie:

  - chemische Noxen (Nebenwirkungen von Medikamenten, Umweltgiften), - - physikalische Noxen aus      einer energiereichen Strahlung (UV-Strahlung,  Röntgenstrahlung) oder mechanischen Traumen,

      - biologische Noxen (Bakterien, Viren, Pilze, Prionen, Protozoen),  psychosoziale Noxen (Stress oder            Einsamkeit)

Galten vor Jahren vor allem die aus ihrer Heimat nach Deutschland importierten Islandpferde aufgrund einer Überreaktion des Immunsystems durch den Transport und die Futterumstellung als typische Vertreter der für das Sommerekzem anfälligen Pferde, weil in der Regel 3 von 4 Isländern im ersten Jahr nach dem Import allergische Hautreaktionen zeigen, sind es zuerst insbesondere auch andere Robustrassen wie Haflinger, Norweger und importierte Criollos gewesen, welche eine verstärkte Neigung zum Sommerekzem entwickelten. Sehr häufig befallen waren dann auch Friesen, aber nachdem in den letzten Jahren eine Zunahme der Erkrankungen auch über andere Rassen zu beobachten ist, geriet die These, dass Robustpferde eben häufiger in der Offenstallhaltung untergebracht würden und insofern ein verstärkter Kontakt mit den allergieauslösenden Insekten möglich ist, ein wenig ins Wanken.

Gewiss spielt es eine Rolle für die verstärkte Zunahme von vom Sommerekzem betroffenen Pferden, dass die artgerechte Haltung immer mehr zu Regel und weniger zur Ausnahme wird und die Pferde sowohl den Insekten, als auch der UV-Strahlung, erhöhten Ozonwerten und anderen Umwelteinflüssen verstärkt ausgesetzt sind, aber leider gilt das Sommerekzem auch immer mehr als "Wohlstandskrankheit", weil das Verhältnis der üppigen Fütterung zum Mangel an Bewegung den Stoffwechsel ungesund belastet. Auch ein sicher gut gemeintes, aber dennoch schädliches Zuviel an Zusatzfuttermitteln zeigt sich oft sehr schnell an einer wenig widerstandsfähigen Haut, denn sie ist nicht nur das größte Organ das den Körper vor den äußeren Einflüssen schützt, sondern ihre Aufgabe ist unter anderem auch die Entgiftung des Organismus, indem sie Toxine (beispielsweise nach einer Medikamentengabe oder dem Füttern chemischer Substanzen oder synthetisch hergestellter Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe) über den Schweiß ausleitet.

Ist es also im Sommer sehr warm und das Pferd schwitzt verstärkt, hat die Haut dann besonders viel zu tun, wenn beispielsweise ein Übermaß an fettlöslichen Vitaminen, die nicht mit dem Urin ausgeschieden werden können, zur Belastung des Stoffwechsels werden. Wann immer den Körper überlastet wird, zeigt sich das vielfach zuerst an einer empfindlicheren Haut, die dann auch auf die äußeren Einflüsse schneller und heftiger reagiert ... meist mit Schuppenbildung und/ oder Juckreiz.

Aber auch Insektenstiche, welche die gesunde Haut mit einer aktiven Zellerneuerung schnell heilen lässt, richten dann größeren Schaden an. Natürlich ist ein Mangel an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen genauso schädlich, denn die Haut braucht zum Aufbau einer gesunden und widerstandsfähigen Struktur Spurenelemente wie beispielsweise Zink oder Vitamine wie das Vitamin H, auch bekannt als Biotin, das Vitamin A, welches für die Hautbildung essentiell wichtig ist, die Zellschutzvitamine E und C, die als wirksamste Mittel gegen freie Radikale, die durch die UV-Strahlung verursachten aggressiven Verbindungen in der Haut abfangen oder auch das Vitamin B3 (Nicotinsäure, Niacin), welches als hauteigenes, wasserlösliches Vitamin den zellulären Energiestoffwechsel unterstützt und dem eine antioxidative Wirkung, welche die Regeneration der Haut fördert zukommt.

Die Gesundheit, respektive die Regenerationsfähigkeit der Haut ist aber auch stark abhängig von einem starken Immunsystem und das kann tatsächlich nicht nur durch einen Vitaminmangel oder eine angegriffene Darmflora zu schwächeln beginnen, sondern auch durch Stress.

Was zuerst einmal recht unwahrscheinlich klingt, nämlich dass...

....Juckreiz eine Art Stressreaktion der Haut ist, ist längst eine wissenschaftlich belegte Tatsache.

Was jedoch vielfach nicht bemerkt wird ist, dass gerade die sogenannte artgerechte Haltung im Offenstall zum Stressfaktor für rangniedrige Pferde werden kann, der sich dann in einer Immunschwäche - gefolgt von einer allergischen Reaktion – äußert. Hierbei spielen der häufige Wechsel der Herden- oder Gruppenkonstellation, zu wenig Platz zum Ausweichen vor ranghöheren Pferden und der Kampf um den Zugang zum Kraftfutter oder zum Raufutter eine große Rolle. Doch auch der Boxenbewohner, der sich sein Futter nicht erstreiten muss und keine Attacken von Herdenmitgliedern zu befürchten hat, weil ihn die Wände seines "Einzelzimmers" wirksam schützen, kann Stress empfinden, denn als Herdentier entspricht die Einzelhaltung genauso wenig der artgerechten und stressfreien Unterbringung von Pferden, wie die Gruppenhaltung in unausgeglichenen Herden mit zu wenig Fläche und Rückzugsmöglichkeiten. Nicht zu unterschätzen ist neben der Einsamkeit auch die Langeweile, die zum Stressfaktor werden kann. Ein weiteres Problem ist der Bewegungsmangel, denn der Stoffwechsel funktioniert nur dann optimal, wenn dem Bedürfnis des Lauftieres Pferd so entsprochen wird, wie es die Natur vorsah: mit regelmäßiger und gleichmäßiger Bewegung.

Es ist sicher nicht leicht, die Umstände, welche als psychosoziale Noxen den sommerekzemfördernden Stress verursachen, zu verändern, aber diese Überlegungen in die Behandlung des Juckreizes und der damit verbundenen Hautprobleme einfließen zu lassen, kann die Heilung maßgeblich fördern oder zumindest die Empfindlichkeit und die Allergieneigung deutlich reduzieren.

Aber woran erkennt der aufmerksame Pferdebesitzer nun, dass er einen "Sommerekzemer" hat?

 

Symptome und andere Widrigkeiten


Die Symptome des Sommerekzems treten vor allem an den Stellen des Haarkleides auf, an denen die Haare senkrecht aus der Haut aufstehen – also am Mähnenkamm, an der Schweifrübe, vielfach sogar an der Bauchnaht und zeigen sich zunächst als kleine Pusteln, die als Reaktion auf die Insektenstiche aber meist kaum zu erkennen sind. Wirklich sichtbar werden Hautirritationen eigentlich erst dann, wenn das Pferd sich an den betroffenen Stellen zu schubbern beginnt ... der Schweifansatz wird durch den starken Juckreiz, der zunächst von den Stichen ausgeht, zur "Klobürste",

 

neumann-gewuerze-sommerekzem-pferde

 

Die Mähnenhaare brechen ab, die Haut wird zuerst kahl, dann wund, anschließend entstehend blutende und nässende Stellen, die verschorfen und schlussendlich weisen der Mähnenkamm und die Schweifrübe die typischen "Rillen" auf, die zwischen den geschwollenen Hautstellen entstehen.

Schnell entstehen auch Entzündungen, denn in die verletzte Haut dringen Bakterien, Schmutz und Keime ein und die Insekten reizen die irritierte und höchst empfindliche Haut zusätzlich immer wieder neu – es entstehen Sekundärinfektionen.

Leider fällt auch den aufmerksamen Besitzern zuerst nur der starke Juckreiz auf und das auch nur, nachdem das Langhaar schon aufgerieben wurde, womit der Teufelskreis schon begonnen hat, denn das Kratzen bringt dem Pferd nur vermeintliche Erleichterung, weil der Juckreiz dadurch nicht etwa verringert, sondern zunehmend verstärkt wird und die zunächst noch kleinen Hautwunden locken zusätzlich noch neue Insekten an, die sich auf der verletzten Haut nieder lassen. Dazu kommt, dass die wenigsten Pferdebesitzer an das Sommerekzem denken, wenn sich ihr Pferd irgendwann im September das erste Mal zu schubbern beginnt, denn das Sommerekzem erwartet man, seinem Namen entsprechend, eher im Sommer. So wird der Juckreiz zunächst meist auf einen Parasitenbefall oder eine Futtermittelallergie geschoben, eventuell wird der Juckreiz höchst effizient vom Tierarzt mit Kortikosteroiden behandelt und das wirkliche Ausmaß des Problems wird erst im nächsten Frühling sichtbar. Wer jedoch den Verdacht hat, dass sein Pferd die Veranlagung zum Sommerekzem in sich trägt, dem kann der funktionale in vitro (FIT) -Test der TiHO Hannover frühzeitig Gewissheit verschaffen.

 

Behandeln – aber natürlich natürlich!


Gerade weil das Sommerekzem das größte Organ, nämlich die Haut befällt und chemische Noxen, wie beispielsweise die Nebenwirkungen von Medikamenten, nicht nur das Sommerekzem verstärken können, sondern die mit allopathischen Arzneimitteln verbundenen Substanzen auch über die Haut aus dem Körper ausgeleitet werden und somit zu einer zusätzlichen Belastung werden können, empfiehlt sich natürlich auch eine natürliche Behandlung, die den Darm, als Zentrum der Gesundheit und die Haut, als von der allergischen Reaktion betroffenes Organ entlastet.

Insofern muss man eigentlich auch den Einsatz von Repellentien, wie chemischen Insektiziden, welche die Plagegeister von den Pferden fern halten, sodass sie erst gar nicht gestochen werden, eigentlich ablehnen. Vor allem aber sind sie entweder hoch giftig und bedenklich für die Gesundheit oder so begrenzt wirksam, dass sie höchstens zwei Stunden ihre volle Wirkung entfalten und das auch nur, wenn das Pferd nicht schwitzt.

Nach meiner persönlichen Erfahrung kann man mit den natürlichen Ölen von Pflanzen eine ganz ähnliche und gesundheitlich unbedenkliche Wirkung erzielen. Hier empfehlen sich die Öle und Tinkturen aus folgenden Pflanzen, Hölzern und Gewürzen, deren starker Duft den Eigengeruch der Pferde überlagert und damit Insekten fern hält:

 

  • Anis
  • Citronella (Zitronengras)
  • Eukalyptus
  • Minze
  • Nelke
  • Sandelholz
  • Zedernholz

Diese Öle eigenen sich auch für natürlich Insektenabwehrmischungen, die man selbst zusammenstellen kann, respektive die man auch noch mit folgenden Ölen ergänzen kann, um nicht nur die Insektenabwehr zu erreichen, sondern der Haut pflegende Substanzen zukommen zu lassen, welche die Regeneration der geschädigten Hautzellen fördert:

 

  • Avocadoöl
    verstärkt den Lichtschutz, wirkt pflegend, hautnährend und hautberuhigend
  • Jasminöl
    beruhigend (viele Ekzempferde sind nicht nur gestresst, sondern zusätzlich durch den ständigen Juckreiz sehr unruhig und so schwitzen sie schnell, was wiederum die Insekten anlockt)
  •   Jojobaöl
    wirkt entzündungshemmend, erhöht die Elastizität der Haut und schützt sie langanhaltend zuverlässig vor Feuchtigkeitsverlust, enthält Provitamin A und Vitamin E, pflegt durch seine günstige Fettsäurenzusammensetzung die Haut, schützt vor Austrocknung, ohne einen schmierigen Film auf der Haut zu hinterlassen (da es sich eigentlich um ein Wachs handelt) und hat einen natürlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier
  • Geranienöl
    hat eine natürliche insektizide, sowie eine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung
  • Kamillenöl/-tinktur
    beruhigt und heilt die überreizte Haut, wirkt lindernd bei übersteigerter Empfindlichkeit der Haut
  • Lavendelöl
    wirkt schmerzlindernd und abschwellend nach Insektenstichen, beruhigt und regeneriert die Haut
  • Mandelöl
    wirkt pflegend, hautnährend und hautberuhigend
  • Nachtkerzenöl
    wirkt hautpflegend, beruhigend und heilungsfördernd durch die darin enthaltenen essentiellen Fettsäuren (Linolsäuren)
  • Neemöl
    wirkt hautpflegend, unterstützt die Regenerierung und Heilung der Haut und hält durch den intensiven Duft die Insekten fern
  • Olivenöl
    wirkt durch den hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, Vitamin E, sowie den vielen enthaltenen Mineralstoffen und Vitaminen hautnährend, pflegend, regenerierend und fördert die Heilung und Zellerneuerung der Haut
  • Sesamöl
    verstärkt den Lichtschutz
  • Schwarzkümmelöl
    wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, hautregenerierend, hautberuhigend, hautpflegend, heilend
  • Teebaumöl
    wirkt desinfizierend, entzündungshemmend, lindert Hautirritationen und hält durch den starken Duft Insekten fern (Teebaumöl sollte vorsichtig auf seine Verträglichkeit getestet werden, denn bei empfindlichen Pferde trocknet es die Haut auch stark aus)
  • Wacholderöl
    wirkt reinigend, stark desinfizierend, unterstützt die Wundheilung und hält durch den intensiven Duft die Insekten fern
  • Walnussöl
    verstärkt den Lichtschutz und enthält mehrfach ungesättigte Fettsäuren, welche hautpflegend, beruhigend und heilungsfördernd wirken

 

Rezepte


Ölmischung gegen Insekten + positiv für irritierte Haut

Eine oft auf ihre Wirksamkeit getestete Ölmischung, die sowohl die Insekten fern hält, als auch positiv auf die irritierte Haut wirkt kann problemlos selbst zusammengestellt werden. Man braucht dazu lediglich:

  • Wacholderöl
  • Eucalyptusöl
  • Nelkenöl
  • Teebaumöl
  • Geranienöl
  • Lemongrasöl
  • Als Basisöl kann Jojobaöl dienen, denn es handelt sich genau genommen ja nicht um ein Öl, sondern um ein Wachs und so ist es auch ausgesprochen oxidationsstabil und trägt zur Stabilisierung von Ölmischungen bei. Darüber hinaus verhält es sich in Emulsionen wie ein Konsistenzgeber und Koemulgator.

Die Mischung kann anschließend mit Wasser auf einen halben Liter Flüssigkeit aufgefüllt und gut geschüttelt mit einem Zerstäuber auf dem Pferdefell angewendet werden.

 

Anti-Juck-Öl

Allerdings kann mit den oben aufgeführten Kräuterauszügen und Ölen auch ein "Anti-Juck-Öl" hergestellt werden, das in den Mähnenkamm, die Schweifrübe und in die Bauchnaht einmassiert, nicht nur Insekten fern hält und die Haut elastisch und gesund erhält, sondern darüber hinaus den Juckreiz stillt.

Ich verwende hierfür

  • als Basisöl Olivenöl, in das ich Knoblauchzehen presste – auch wenn es beim Einreiben des Pferdes im Stall riecht, wie in einer Dönerbude, hält der Geruch des Knoblauchs die Insekten zusätzlich fern.
  • Mandelöl
  • Teebaumöl
  • Neemöl

und um das Haarwachstum zusätzlich zu stimulieren

  • reines Klettenwurzelöl

 

als Emulgator dienen

  • Jojobaöl

 

Bei bereits vorhandenen Verletzungen der Haut kann auch an Aloe Vera gedacht werden, respektive das Olivenöl durch Aloe Vera Gel ersetzt werden.

Equiwohl

Zur Equiwohl-Ölmischung Bild anklicken

 

Anwendung

Ich fülle die Mischung in eine 500 ml-Flasche mit aufgeschraubter Tülle, die es mir erlaubt, das Öl direkt auf die Haut aufzutragen, sodass sie nicht nur auf den Haaren klebt, denn zum einen wirkt das Öl dann nicht da, wo es wirken soll und zum anderen wird das Langhaar dann nicht fettig.

In der Regel reicht es, die Ölmischung einmal täglich sparsam auf die betroffenen Stellen aufzubringen und einzumassieren, um das Schubbern zu vermeiden und sowohl den vollen Schweif, als auch eine üppige Wallemähne über den Sommer zu retten.

Ideal ist es natürlich, wenn ein Sommerekzemer auf der Weide zumindest eine Fliegendecke mit Halsteil, sowie Bauch- und Schweiflatz trägt, aber nicht immer ist das möglich. Gerade bei der Herdenhaltung ist die Gefahr groß, dass die anderen Pferde das Gewebe der Decke beim Spielen zerreißen und unsere Stuten erkannten das in eine Fliegendecke gehüllte Pferd nicht mehr als Herdenmitglied und vertrieben es aus ihrer Nähe.

Allerdings werden die Pferde seit letztem Jahr weniger gegen die fliegenden Plagegeister mit Fliegendecken eingedeckt oder mit Fliegenschutzmittel besprüht, als vielmehr mit einem Zebramuster bemalt. Der Erfolg soll wohl tatsächlich so groß sein, dass sich der Aufwand lohnt – das behaupten zumindest alle die Pferdebesitzer, die schon künstlerisch an ihrem Pferd tätig wurden und Zebrastreifen aufs Fell zeichneten.

Ich gebe allerdings zu, dass die Vorstellung, meine Schimmel mit zu Brei gerührter Holzkohle oder meine dunklen Pferde mit einem "Kreidematsch" zu dekorieren, mich nicht wirklich begeistert. Dabei ist es nicht nur die Vorstellung, dass die Streifen vom Regen abgewaschen oder beim Wälzen im Gras oder im Sand wieder aus dem Fell gerieben werden und ständig erneuert werden müssen, die mich stört, sondern auch, dass ich meine Pferde ungern entstellen möchte und mich der Gedanke, dass ich schlussendlich auch mit einem bemalten Pferd durch den Wald reite, wenn ich eine etwas wasserfestere oder haltbarere Farbe nutze, doch sehr irritiert.

Eine andere Möglichkeit ist es, die Ekzemerpferde abends von der Weide zu holen, denn die Stechmücken, welche das Sommerekzem auslösen, fliegen vor allem in der Dämmerung – wer jedoch keine schattenspendenden Weidehütten oder zumindest Bäume auf der Koppel hat, wird genau die kühleren Abendstunden nutzen wollen, seinem Pferd Weidegang zu gönnen und insofern erweist sich dieser Lösungsvorschlag für das Problem "Sommerekzem" als eher wenig praktikabel.

Auch der Hinweis darauf, dass das ideale Weidewetter für ein vom Sommerekzem geplagtes Pferd die trockene Hitze, strömender Regen oder der starke Wind ist, weil es von den dann inaktiven Stechmücken verschont wird, kann vermutlich den Besitzern der Ekzempferde nicht wirklich helfen, handelt es sich doch eigentlich genau um die Wetterbedingungen, bei denen man sein Pferd eigentlich auch lieber in den Stall holt, als es auf die Weide zu stellen, nur weil die Stechmücken Hitze, Regen und Wind ungern mögen, denn das geht ja dem Pferd genauso.

Nach so vielen Ratschlägen, die kaum wirklichen Nutzen bringen, weil sie entweder mit großen Einschränkungen für das Pferd verbunden sind, der artgerechten Pferdehaltung nicht entgegen kommen oder dem Besitzer eine 24-Stunden-rund- um-die-Uhr-Aufgabe stellen, wenn er sein Pferd dreimal täglich einölen, wahlweise eindecken oder auf das ideale Wetter warten muss, um seinem Sommerekzemer Weidegang zu gönnen, möchte ich nun last but not least noch die Kräuterkur vorstellen, denn sie wirkt tiefgreifend, bringt auch den Stoffwechsel wieder auf Trab und kostet wenig Zeit und Geld, denn die....

Kräutermischung für Ekzemer 

Zur Kräuter-Ekzemerkur "Ruckzuck Antijuck"

...wird entweder direkt ins Kraftfutter gemischt oder mit heißem Wasser überbrüht und abgekühlt, zusammen mit den Kräutern wie ein Tee in das Mash, den Hafer oder die Rübenschnitzel gerührt. Die Dosis von 50 Gramm pro Großpferd wird in der Regel problemlos oder sogar sehr gern gefressen, denn Wildpferde suchen in der freien Natur sogar gezielt nach den Kräutern, die ihnen gerade gut tun und fressen dies dann auch. Weil die Kräuter-Ekzemerkur "Ruckzuck Antijuck" über drei bis vier Wochen täglich gefüttert werden soll, empfiehlt es sich, schon vor der "Schubbersaison" mit der Kräuterkur zu beginnen, sodass der Juckreiz erst gar nicht entsteht und die körpereigenen Abwehrkräfte und die und die Haut gestärkt in die Sommersaison starten.

Die Kur enthält folgende Kräuter:

       Ganze Brennesseln

  • Als Unkraut vernichtet tut man der Brennnessel großes Unrecht, denn als Heilpflanze ist sie ein Allrounder, der sich sowohl zur Entschlackung und Entgiftung durch ihre blutreinigende, blutbildende, stoffwechsel- und haarwuchsfördernde Wirkung zur kurmässigen Anwendung beim Fellwechsel bewährt hat, vor allem wenn die Haut Schuppen bildet und der Fellwechsel nur sehr langsam von Statten geht. Außerdem gehören zu ihren Eigenschaften auch die Reinigung des ganzen Organismus, denn vielfach sind es chemische oder biologische Noxen, die das Sommerekzem auslösen und die aus dem Körper auszuleiten, macht sich die Brennnessel gerne zur Aufgabe, denn sie hat einen großen Bezug zur Haut und wirkt entgiftend und entschlackend.

     Birkenrinde

  • Von alters her gilt die Birke als heiliger Baum, der für die Fruchtbarkeitsfeste im Frühling die jungfräuliche Göttin symbolisiert. Selbst heute noch werden in den Dörfern am ersten Mai Maibäume aufgestellt und der Frühling gefeiert.
  • In der Heilkunde wird die Rinde der Birke wegen ihrer positiven Eigenschaften auf die Regeneration von Haut und Haaren eingesetzt und Birkenrinde soll nsowohl gegen Haarausfall und Schuppen wirken, wie auch gegen Hautprobleme, Ekzeme, Allergien und Flechten. Darum hat sich die Birkenrinde auch für die Frühjahrskur bewährt, denn ihre blutreinigende Wirkung hilft sowohl im Fellwechsel bei Leistungstiefs, als auch zur Entschlackung und Entgiftung bei entzündlichen Prozessen und zur Anregung des Stoffwechsels durch die harntreibende, ausschwemmende Wirkung.

       Klettenblätter

  • Die Klette ist zwar in erster Linie aufgrund ihres haarwuchsfördernden und haarstärkenden Öls beliebt und bekannt, aber gerade zur Behandlung des Sommerekzems leisten die Blätter der Klette wahre Wunder, denn sie wirken juckreizlindernd, hautregenerierend und heilend auch bei schlecht heilenden Wunden und Insektenstichen. Damit gehören sie natürlich in jede Kräuterkur, die der Gesundung und Gesunderhaltung der Haut dient, denn sie ist eigentlich das Haut- und Haarkraut schlechthin

       Ganze Salbeiblätter

  • Die bekanntesten Einsatzgebiete des Salbeis beruhen auf seinen Heilkräften gegen Halsschmerzen. Doch der Salbei kann viel mehr. Man kann ihn gegen fast alle Erkrankungen einsetzen, sagt zumindest der Volksmund. Im Bezug auf seine Heilwirkung auf die Haut unterstützt ihn dabei seine antibakterielle und entzündungshemmende Wirkung und darum hilft er besonders gut bei allen Hauterkrankungen, gegen schlecht heilende Wunden, bei Ekzemen und Geschwüren und auch die Wirkung von Insektenstichen kann durch Salbei gemildert werden. Sogar den Haarwuchs sollen Salbeiblätter fördern und mit all diesen Eigenschaften ergänzt er die Kräutermischung gegen das Sommerekzem auf ideale Weise.

       Queckenwurzel

  • Vor allem ihre reinigende Wirkung auf alle inneren Organe und das Blut macht die Queckenwurzel zu einem wertvollen Kraut in der Pflanzenheilkunde, die auch der Entschlackung dient und damit einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Organismus leisten kann. Trotzdem ist die Quecke eine bei Gartenliebhabern sehr unbeliebte Pflanze, weil sie sich stark vermehrt und praktisch unausrottbar ist. Als Unkraut vernichtet, weil sie dem Boden in hohem Maß Mineralstoffe entzieht, die sie dann speichert, ist die Quecke eine Einschleuserpflanze, die sehr viel Kieselsäure enthält und es dem Körper durch ihr "Einschleuseverhalten" erleichtert, die in der Pflanze enthaltenen Mineralstoffe aufzunehmen. Damit ist die Queckenwurzel, genau wie das Schachtelhalmkraut eigentlich ein, gerade für die Behebung von Haut- und Haarproblemen, sehr wichtiges Heilkraut, denn Silicea – Kieselsäure brauchen Haut und Haare, um gesund zu bleiben. Insbesondere unterstützen die Wirkstoffe in der Queckenwurzel, den Collagen-Haushalt und nicht zuletzt auch die Nieren bei der Entgiftung

       Schachtelhalmkraut

  • Kaum eine Pflanze hat einen so hohen Gehalt an Kieselsäure und genau das macht dieses Kraut besonders interessant bei der Anwendung im Bereich der Haut, denn Kieselsäure fördert den gesunden Aufbau aller Hautschichten und unterstützt die Heilung von Wunden und Hautirritationen. Außerdem wirkt dieses Kraut entzündungshemmend, was gerade bei schon vorhandenen Wunden wichtig ist. Überdies schreibt man dem Schachtelhalmkraut auch eine blutreinigende und durchblutungsfördernde Eigenschaft zu, die wiederum das Zellwachstum der Haut ankurbelt und die körpereigene Abwehr mobilisiert

       Löwenzahnwurzel mit Kraut

  • Dem Löwenzahn ist, wie vielen Frühlingspflanzen eine ausgeprägt blutreinigende und entschlackende Wirkung eigen, weshalb er sich als kurmässige Anwendung zum Fellwechsel genauso bewährt hat, wie nach einer Medikamentenbehandlung, denn er regt sämtliche Verdauungsorgane, sowie die Funktion von Niere und Blase an, wodurch alte Schlacken ausgeschieden werden können, was wiederum den Organismus entlastet und so Hautprobleme, vor allem Allergien und Ekzemen, entgegen wirkt.

Ich wünsche Euch und Euren Pferden, dass Ihr den Sommer zusammen genießen könnt und unbeschwert feststellen dürft:

"Sommerekzem? Wen juckts? Uns nicht!"

 

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