Phytotherapie bei Pferden

14.04.2014 13:20 | Inhaltsstoffe und Ihre Wirkung

 

Die Inhaltsstoffe der Heilkräuter und ihre Wirkung


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Kräuter und Gewürze nehmen im Bereich der Naturheilkunde einen immer größeren Platz ein. Das Heilen mit Meerrettich, Ingwer, Hanf, Hagebutten oder „Unkräutern“ wie Brennnesseln und Quecken gewinnt aber nicht nur aufgrund des Umdenkens im Bezug auf allopathische Medikamente an Bedeutung, sondern auch aufgrund ihrer ganzheitlichen Wirkung auf Körper, Geist und Seele der Patienten, denn ihre Inhaltsstoffe können durchaus auch einen stimmungserhellenden Einfluss auf den Patienten nehmen und hier gilt der erste Grundsatz der ganzheitlichen Heilung:

Heilen heißt: Die Gedanken in die Freude zu lenken!

Oder umgekehrt: Wer ängstlich, sorgenvoll, traurig oder unzufrieden ist – also negative Emotionen hat – ist nicht im seelischen Gleichgewicht, das sich im Idealfall durch einen Zustand der „Glückseligkeit“ definiert, sondern befindet sich im seelischen Ungleichgewicht. Das gilt natürlich nicht nur für Menschen, sondern auch für unsere vierbeinigen Freunde, denn auch sie bringen Stress, Trauer oder Angst aus ihrem Gleichmaß der ausgeglichenen Schwingung. Wenn dies der Fall ist, sendet die Seele Signale an den Körper:

Die Krankheitssymptome.

Vergleichbar ist das mit dem Ölwarnlämpchen im Auto, das zu leuchten beginnt, wenn ein Ölverlust statt gefunden hat, der in seiner Folge zu einem größeren Schaden am Motor führen könnte. Niemand käme nun auf den Gedanken, dem Öllämpchen die Birne herauszuschrauben oder einfach drauf zu hauen, bis es zu blinken aufhört, sondern jeder, dem die ungestörte Funktion seines Autos wichtig ist, wird die Warnung ernst nehmen und den Ölstand messen, Öl nachgießen oder die Autowerkstatt beauftragen, das Problem zu beheben, auf welches das blinkende Öllämpchen hinweist.

Was beim Auto eine Selbstverständlichkeit ist, gilt aber offenbar nicht für den Körper, denn wenn bei uns oder unserem Tier ein „Öllämpchen blinkt“, also ein Krankheitssymptom darauf hinweist, dass die Seele krankt, dann sorgen allopathische Medikamente dafür, dass das Symptom verschwindet ... das Öllämpchen blinkt also nicht mehr, aber die Ursache, nämlich das seelische Ungleichgewicht, ist nicht behoben worden. Statt dessen wird der Körper zusätzlich mit chemischen Substanzen belastet, die meist die Magenschleimhaut angreifen, die gesunde Darmflora zerstören und den Entgiftungsorganen Leber, Niere und Haut mehr abverlangen, als sie üblicherweise zu tun haben, um den Körper frei von sogenannten Noxen zu halten - hierbei handelt es sich Umstände oder Substanzen, die eine schädliche Wirkung auf den biologischen Organismus haben, wie: chemische Noxen (Nebenwirkungen von Medikamenten, Umweltgiften), physikalische Noxen aus einer energiereichen Strahlung (UV-Strahlung, Röntgenstrahlung) oder mechanischen Traumen, biologische Noxen (Bakterien, Viren, Pilze, Prionen, Protozoen),  psychosoziale Noxen (Stress oder Einsamkeit).

Man bekämpft also quasi ein Symptom und fördert mit den Nebenwirkung der allopathischen Medikamente weiter Symptome. Aber nach wie vor krankt die Seele, weil kein Schwingungsausgleich statt fand.

Wenn der Eindruck entsteht, dass ich grundsätzlich alle schulmedizinischen Behandlungen ablehne, so möchte ich diesen Eindruck korrigieren, denn ich bin nicht grundsätzlich gegen allopathische Arzneimittel – viele haben ihre Berechtigung, um rasch zu helfen, wenn das Leben von einer Krankheit bedroht wird, aber ich lehne es ab, einen Husten gleich mit chemischen Keulen zu bekämpfen, solange mir die Natur so viele Heilkräuter und Gewürze gibt, die eben nicht nur das Symptom bekämpfen, sondern die Ganzheit des Patienten und damit nicht nur den Körper von Symptomen befreien, sondern auch auf der geistigen und seelischen Ebene wirksam werden, weil jede Pflanze auch eine Botschaft in den Körper mitbringt, in dem sie heilend wirkt.

Vor allem aber haben sie eine Eigenschwingung, welche die aus der Balance geratene Körperschwingung ausgleichen kann.

Wem diese Gedanken zu „esoterisch“ sind, dem kann ich aber durchaus auch die wissenschaftlich nachvollziehbare Wirkung der Heilkräuter und Gewürze näher bringen, denn Pflanzen wirken auch aus dem Grund heilend, weil sie während der Zeit ihres Wachstums Wirkstoffe durch ihren Stoffwechsel selbst bilden oder von außen aufnehmen und in ihren Zellen speichern, welche im Organismus von Mensch und Tier zu positiven Veränderungen führen können, wenn sie innerlich oder über die Haut aufgenommen werden.

Kräuter - Phytotherapie

Doch nicht alle Inhaltsstoffe, welche die Heilpflanzen in sich bergen wirken heilend wie ein Arzneimittel. Vielmehr ist es so, dass zwar einige der Stoffe, welche in der Naturheilkunde als direkt wirksam Anwendung finden und andere, welche als Begleitstoffe eine ähnliche  Aufgabe wie ein Katalysator übernehmen und die Wirkung der Heilstoffe unterstützen und steuern, indem sie zum Beispiel die Aufnahme durch den Körper des Patienten beschleunigen oder verzögern. Gleichzeitig ist es in der Regel auch nicht nur ein als Heilmittel nützlicher Wirkstoff, der in den Pflanzen vorhanden ist, sondern mehrere, welche sich ergänzen oder unterstützen und so im Zusammenspiel der Gesamtheit aller Wirkstoffe die spezielle Heilkraft und das Einsatzgebiet der Pflanzen definieren.

Teilweise sind die heilenden Wirkstoffe jedoch nicht gleichmäßig in der ganzen Pflanze verteilt, sondern befinden sich entweder verstärkt in den Blättern, den Blüten, den Früchten, den Samen, der Wurzel oder der Rinde und so gilt, dass die verschiedenen Pflanzenteile einer bestimmten Pflanze zum Beispiel ätherische Öle unterschiedlicher chemischer Zusammensetzung in der Rinde und in den Blättern enthalten und so natürlich auch unterschiedlich heilend wirken, bzw. ihr Einsatzgebiet bei unterschiedlichen Krankheiten finden können.

Obwohl bestimmte Pflanzen bei bestimmten gesundheitlichen Problemen nachgewiesen heilend wirken, bedeutet das nicht, dass eine bestimmte Pflanze ihre Inhaltsstoffe immer in der gleich hohen Dosis bereithält, denn der Boden auf dem sie wächstund aus dem sie die Nährstoffe erhält, der Standort, der die Sonnenstunden bestimmt, die ihr zuteil werden, die Art, der Zeitpunkt und Dauer der Ernte und ihre Lagerung bestimmen, obdie Konzentration an Wirkstoffen hoch oder niedrig ist. Aus diesem Grund sollte man darauf achten, wenn man selbst Kräuter zur Heilung züchtet oder erntet, dass man optimale Bedingungen zum Wachstum für die Pflanze schafft, sie zum passenden Zeitpunkt erntet, sie schonend, aber unter den besten Bedingungen trocknet und die Lagerung gewährleistet, dass sie luftig, trocken und dunkel bis zum Verbrauch aufbewahrt wird und sie aber auch nicht zu lange im Vorrat auf ihren Einsatz warten muss, weil dabei die Wirkstoffe abnehmen.

Welche Inhaltsstoffe nun in den Pflanzen vorhanden sind und wie sie wirken, soll hier kurz zusammengefasst werden:

 

Ätherische Öle


In fast allen Pflanzenarten findet man den Heilwirkstoff des ätherischen Öles, welcher durch Wasserdampfdestillation auch aus Pflanzen oder Pflanzenteilen löslich ist und dessen Wirkung auch in der Aromatherapie vor allem durch Verdampfen zur Heilung genutzt wird.

Ätherisch bedeutet, dass die Öle zwar fettlöslich, aber nicht fetthaltig sind und sich verflüchtigen, ohne dass Fettrückstände zurückbleiben.

Trotzdem sind sie aber nicht wasserlöslich, weil sie eine geringere Dichte haben, weshalb sie als Tropfen auf Wasser schwimmen. Ätherische Öle enthalten Stoffe, die der Pflanze dazu dienen können, Insekten zur Bestäubung anzulocken, Schädlinge fernzuhalten und sich gegen Krankheiten zu schützen, die z. B. durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen werden und sie haben aus diesem Grund auch einen sehr intensiven, jeweils pflanzentypischen Geruch. Die Inhaltsstoffe der ätherischen Öle sind sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Ätherische Öle werden in Öldrüsen gebildet und im Pflanzengewebe gespeichert. Sie befinden sich in den Blüten, Blättern, Samen, Fruchtschalen, Wurzeln, Harzen, Rinden oder im Holz. Manche Pflanzen liefern aus verschiedenen Pflanzenteilen, wie bereits erwähnt ätherische Öle unterschiedlicher Zusammensetzung und so kommt es durchaus vor, dass in der Rinde einer Pflanze die chemische Zusammensetzung des ätherischen Öles eine andere ist, wie zum Beispiel in den Blättern und damit auch die Heilwirkung der Rinde eine andere auf den Organismus ist, wie wenn man die Blätter verwenden würde.

In der Naturheilkunde ist ein hoher Gehalt an ätherischen Ölen wichtig für eine effektive Heilwirkung und so werden vor allem Pflanzen mit viel ätherischem Öl, wie zum Beispiel Eukalyptus, als Heilkraut verwendet.

Ätherische Öle wirken antibakteriell, entzündungshemmend, desinfizierend zum Beispiel bei Hautreizungen oder bei Atemwegserkrankungen, sind krampflösend, durchblutungsfördernd und verdauungsregulierend, vor allem bei Magen-Darmproblemen oder Leber- und Gallenfunktionsschwäche.

 

Alkaloide


Alkaloide (Wortbildung aus arabisch al qualja: „Pflanzenasche“ und griechisch -oides: „ähnlich“) sind meist basische, gifthaltige und bitter schmeckende, jedoch natürlich vorkommende, chemisch heterogene, stickstoffhaltige, organische und alkalisch reagierende Verbindungen des Sekundärstoffwechsels, welche auf den Organismus von Menschen und Säugetieren einen sehr starken Einfluss nehmen und sie können bereits als in geringen Dosen aufgenommen Mengen beträchtliche biologische Wirkungen verursachen. Auch wenn man sie als Heilgifte auch zur Gesundung von kranken Organismen verwenden kann, sollten Pflanzen, welche als hauptsächlichen Wirkstoff Alkaloide beinhalten nicht zur Selbstbehandlung oder in Aufgüssen, welche innerlich verwendet werden sollen, angewendet werden, da eine regelmäßige, hoch dosierte oder längerfristige Anwendung zu unerwünschten Nebenwirkungen und Vergiftungserscheinungen führen kann. Sie werden jedoch oft in allopathischen Medikamenten industriell in großen Mengen verarbeitet.

Alkaloide kommen als giftige Substanz zum Beispiel als Morphin in der Schlafmohnpflanze vor, als Atropin in der Tollkirsche, als Colchicin in der Herbstzeitlose, als Capsaicin im Cayennepfeffer oder auch als Cocain, Codein, Koffein, Nikotin oder Strychnin vor.

Aufgrund ihrer Struktur wirken einige Alkaloide als Agonisten oder Antagonisten an Rezeptoren für Neurotransmitter. Beispiele hierfür sind Hyoscyamin und Scopolamin (Muscarin-Rezeptor-Antagonisten) und Morphin (Agonist für Rezeptoren der körpereigenen Endorphine und Enkephaline). Weiterhin können Alkaloide bestimmte Enzyme hemmen (z.B. Physostigmin ist ein Hemmstoff der Cholinesterase) oder die Zellteilung hemmen wie z.B. Colchicin, Taxol und Vincristin.

Da Alkaloide in der Pflanze häufig durch weitere Reaktionen verändert werden, liegen sie meist als Gemische vieler Substanzen vor, wobei das mengenmäßig am häufigsten vertretene Alkaloid als Hauptalkaloid, die übrigen als Nebenalkaloide bezeichnet werden. Alkaloide, deren Stickstoffatom nicht cyclisch gebunden ist wie z.B. Ephedrin, fasst man als Protoalkaloide zusammen. Unter Pseudoalkaloiden versteht man Alkaloide, die nicht aus Aminosäuren sondern aus anderen Strukturen hervorgegangen sind, wie z.B. Terpen- und Steroidalkaloide.
 

Alkaloide tragen häufig Trivialnamen, die aus ihrer botanischen Herkunft (z.B. Atropin aus Atropa belladonna), aus ihrer Wirkung (z.B. Emetin als brecherregendes Mittel = Emetikum) oder aus den Namen eines bedeutenden Chemikers abgeleitet werden.


Man vermutet, dass Alkaloide in der Pflanze gebildet werden, um Fressschäden an ihr durch Tiere zu vermeiden, denn meist sind sie von einem bitteren Geschmack begleitet. Doch mache Waldbewohner wie Hasen, Kaninchen und Rehe verfügen über einen körpereigenen Entgiftungsmechanismus und können zum Beispiel die Blätter der Tollkirsche ohne gesundheitliche Beeinträchtigung von ihrem Verzehr zu bekommen, fressen. Manche Insekten, wie zum Beispiel Schmetterlinge nehmen die Giftstoffe, welche für sie selbst nicht giftig sind, sogar auf, um selbst vor dem Fressen geschützt zu werden und manche Insekten benötigen die pflanzlichen Alkaloide sogar als Vorstufe zur Bildung von Pheromonen.

Pflanzen bei denen Alkaloide nur in geringer Menge als Begleitwirkstoff vorhanden sind und bei deren Einnahme sie nur in untergeordneter Form hervortreten. Alkaloide werden üblicher Weise nach ihrer chemischen Struktur, ihrer Herkunft, ihrer Biogenese und ihrer pharmakologischen Wirkung kategorisiert.

 

Bitterstoffe


Wenn Pflanzen sehr bitter schmecken, enthalten sie die sogenannten Bittermittel, welche in der Naturheilkunde oft auch Amara genannt werden. Doch Bitterstoff ist nicht gleich Bitterstoff, denn sie werden in drei Gruppen unterteilt:

  • reine Bittermittel

Heilpflanzen wie der Enzian oder das Tausendgüldenkraut enthalten reine Bittermittel. Bekannt sind sie als Bestandteil von Magenbittern, denn diese Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an und werden vor allem zur Förderung der Verdauung und bei mangelndem Appetit eingesetzt. Überdies haben Bitterstoffe jedoch auch eine kräftigende Allgemeinwirkung, weshalb auch in der Zeit der Rekonvaleszenz bei unterstützender phytotherapeutischer Behandlung an Pflanzen mit reinen Bitterstoffen gedacht werden sollte. Nicht zu vergessen ist ihre sehr gute Wirkung bei nervöser Überreiztheit und Erschöpfungszuständen.

  • Bittermittel, die auch ätherisches Öl enthalten

Bitterstoffe in Verbindung mit ätherischen Ölen haben grundsätzlich die gleiche Wirkung wie reine Bitterstoffe, aber durch die zusätzliche antiseptische, antibakterielle und antiparasitäre Wirkung, die aus den ätherischen Ölen resultiert, helfen sie auch gegen Bakterien und Parasiten wie Würmer. Mit im Vordergrund steht aber bei den Heilkräutern die Bitterstoffe in Verbindung mit ätherischen Ölen beinhalten auch ihre positive Wirkung auf den Darm, die Galle und die Leber.

  • Bittermittel, die so genannte Scharfstoffe enthalten

Die Bitterstoffe, die Scharfstoffe enthalten, kennt man vor allem als Inhaltsstoffe von Pfeffer, Ingwer und Galgant. Allerdings findet man diese Heilpflanzen in der Regel nicht in einheimischen Gärten, sondern nur als Importgewürze. Vielfach wird die positive Wirkung der Bitterstoffe auf den Magen durch die Scharfstoffe relativiert, da sie die Magenschleimhaut auch reizen können, aber ihre entzündungshemmende Wirkung und ihr positiver Einfluss auf den Kreislauf bleibt trotzdem unumstritten

 

Flavonoide


Wenn die Regel gilt, dass gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen ist, dann wirken darin meist die Flavonoide heilend, denn diese sekundären Pflanzenstoffe sind im Pflanzenreich nicht nur weit verbreitet und kommen praktisch in allen Pflanzen vor, sondern bekämpfen sowohl Bakterien und Viren, als auch Pilze oder Entzündungen, weil sie entzündungshemmend, antioxidativ, antifungal, antiviral, antibakteriell, antimikrobiell und antikanzerogen sind und können  damit auch vor Krebs schützen. Bekannt ist zum Beispiel die krebsvorbeugende Wirkung vieler Beeren, wie beispielsweise der Heidelbeeren, für deren Farbe Anthocyane, eine Untergruppe der Flavonoide, verantwortlich sind, denn sie verleihen abhängig vom pH-Wert eine Farbe von rot über blau bis hin zu blauschwarz. In Tierversuchen wurde beispielsweise auch bewiesen, dass Flavonoide gegen Dickdarm-, Brust- und Hautkrebs wirken.

Allerdings ist nicht zu vergessen, dass es auch bei den Flavonoiden Speziesunterschiede in ihrer Wirkung gibt, obwohl sie alle die gleiche chemische Struktur haben und durchweg zur Gruppe der Polyphenole gehören. Hierbei handelt es sich um eine Verbindung mehrerer Phenole, welche wiederum Verbindungen aus einem sogenannten aromatischen Ring und mindestens einer Hydroxygruppe (= Sauerstoff + Wasserstoff) sind.

Wofür die Pflanze Flavonoide bildet, erschließt sich der Wissenschaft zwar noch nicht sicher, aber die Forschung geht heute davon aus, dass Flavonoide von Pflanzen als Abwehrstoffe gebildet werden. Trotzdem gibt es keine Hinweise auf eine Toxizität flavonoidhaltiger Heilkräuter und so gilt der Verzehr dieser Pflanzen als gesundheitlich unbedenklich und ist damit durchweg als gesund einzustufen.

 

Gerbstoffe


Pflanzen und Bäume, wie die besonders gerbstoffhaltige Eiche, nutzen die zumeist bitter schmeckende Substanz, um sich vor Fressfeinden zu schützen, aber Gerbstoffe sind auch in der Lage, mikrobieller Zersetzung und Fäulnis wie beispielsweise in Samenschalen, älteren Holzzellen und in der Rinde entgegen zu wirken.

Ihre antibakterielle, entzündungshemmende, austrocknende, blutstillende, reizmildernde, bakterizide und fungizide, ja sogar leicht lokalanästhetische und adstringierende (zusammenziehende) Wirkung verdanken die Gerbstoffe ihrer Fähigkeit, Eiweißstoffe der Haut und der Schleimhaut zu fällen und zu bindenund in unlösliche, widerstandsfähige Verbindungen zu ändern, durch welche dieEpidermiszellen der Haut quasi „gehärtet“ werden und damit werden Bakterien Eiweißstoffe entzogen, die Oberfläche verdichtet und Erneuerungsprozesse der Haut unterstützt.

Auch die Reizempfindung der Nervenendigungen wird herabgesetzt und im weiteren verhindern sie die Resorption toxischer Eiweißabbauprodukte und hemmen die Entwicklung und das Eindringen von Bakterien und Pilzen in das Gewebe. Zwar gelten gerade Gerbstoffe, wie die aus der Eicherinde als besonders wirksam, aber leider können sie die entzündeten Schleimhäute von Magen, Darm, Mund und Rachenraum und oberflächliche Verletzungen nicht nur heilen, sondern sie auch reizen. Hier kann der Kaltauszug, der sogenannte Mazerat aus der Eichenrinde, die in kaltes Wasser eingelegt wird, empfohlen werden, denn dadurch gelangen nur wenige der Gerbstoffe in die Flüssigkeit und sie wirkt dann auch nur heilend und nicht reizend.

Als besonders gerbstoffhaltig gelten neben der Eichenrinde Pflanzen wie Salbei, Blutwurz und Frauenmantelund bei den Früchten die Heidelbeere, welche getrocknet auch gegen Durchfall eingesetzt werden kann – allerdings bewirkt ein hohes Maß der frische verzehrten Früchte eher das Gegenteil.

 

Glykoside


Wie viele der Substanzen, die in Pflanzen gebildet werden, dienen auch die Glykoside der Abwehr von Fressfeinden, denn Pflanzen können nicht vor ihren Angreifern weglaufen, aber sie können – wie es beispielsweise der Holunder tut - cyanogene Glykoside beinhalten, aus denen Blausäure (HCN) gebildet wird und die ist für tierische Angreifer hochgiftig, denn das Gift wirkt auf die Atmungskette und hemmt die Energiesynthese. Aber nicht bei allen Gykosiden handelt es sich umcyanogene Glykoside mit Blausäure (HCN), denn darüber hinaus gibt es auch Senfölglykoside mit Schwefel, Flavonide mit drei Kohlenstoffringen, Steroidglykoside mit herzwirksamen Eigenschaften und die Saponine.

Alle Glykoside, unabhängig von ihrer Art bestehen jedoch aus zwei Bestandteilen, welche in verschiedenen Kompartimenten gespeichert werden. Bei einem davon handelt es sich immer um

  • Zucker (als Einfachzucker oder eine Kette von Zuckermolekülen) und beim anderen um den
  • artspezifischen toxischwirkenden Bestandteil, das Aglykon, durch welches sie sich unterscheiden.

Wird nun die Pflanze von einem Fressfeind angegriffen und es kommt dabei zu einer Beschädigung der Zellstrukturen (z.B. durch Frass von Raupen) können abbauende Enzyme jetzt ungehindert die Zuckerbestandteile entfernen und die toxischen Substanzen freisetzen. So ist zum Beispiel die wirksame Substanz des Fingerhutes, das Digitalis, sehr herzwirksam, die Stoffe des Faulbaums sind abführend und die Wirkstoffe der Primel wirken schleimlösend. Cyanogene Glykoside sind beispielsweise auch in den Kernen von Apfel, Quitte, Aprikosen, Pfirsich und Kirschen enthalten, sowie in der Eberesche bei der Heckenkirsche, der Schlehe, in Blättern des Kirschlorbeer, in der Rinde der Traubenkirsche und in den Nadeln der Eibe.

 

Kieselsäure


Genau genommen handelt es sich bei der Kieselsäure um das Spurenelement Silicium in Verbindung mit Wasser, denn Silicium ist zwar eines von 104 Elementen, aus denen sich unsere Erde zusammensetzt, aber es kommt in der Natur niemals in reiner Form vor, sondern in Verbindung mit Sauerstoff als Siliciumdioxid und man findet es vor allem in Gesteinen wie Granit, Bergkristall, Sandstein oder Schiefer.

Aber die größte Rolle spielt Kieselsäure genau da, wo stabile und trotzdem elastische Strukturen benötigt werden – also im Organismus, denn betrachtet man den Körper von Säugetieren, wird er beispielsweise durch ein elastisches und zugleich stabil strukturiertes Blutgefäßsystem mit Blut versorgt. Ebenso muss das gesamte Bindegewebe, Haut, Sehnen, Bänder, Gelenkknorpel, diesen Anforderungen an Elastizität und Festigkeit zugleich standhalten. Was liegt also näher, dieses wertvolle Spurenelement zusammen mit einem Heilkraut aufzunehmen, denn die Pflanzen der Familie der Schachtelhalme und der Gräser nehmen aus dem Boden viel Kieselsäure auf und lagern sie in der Pflanze ab. So kann die Kieselsäure aus dem Ackerschachtelhalm folgende Körperfunktionen unterstützen:

  • Zellstoffwechsel
  • Zellaufbau
  • Aufbau und Stärkung des Bindegewebes
  • Stärkung unseres Immunsystems
  • Elastizität unserer Blutgefäße

Die zellerneuernde Wirkung vom Silicium, hängt mit seiner Fähigkeit zusammen, das 300-fache seines Gewichtes an Wasser zu binden, denn die gesunde Funktion aller Körperzellen steht unmittelbar mit der Wasserbindungsfähigkeit in Verbindung, die erst eine hinreichende Nährstoffzufuhr und funktionierende Stoffwechselprozesse ermöglicht – und es gibt keinen andere Substanz, welche eine ähnliche Fähigkeit hat. Überdies wirkt Kieselsäure nicht nur zellerneuernd und kann damit effizient Alterungsprozessen entgegenwirken, sondern ihm wird auch eine entzündungshemmende und desinfizierende Wirkung zugeschrieben.

 

Saponine


Dem Lateiner wird schon bei der Bezeichnung der Saponine ein Licht aufgehen, denn im lateinischen Sprachgebrauch ist Sapo das Wort für Seife und so handelt es sich um einen Inhaltsstoff von Pflanzen, der in einer wässrigen Lösung nach der Verschüttelung einen haltbaren und relativ formstabilen Schaum bilden. Verantwortlich dafür ist ihre Zusammensetzung aus einem lipophilen, also fettlöslichen, und einem hydrophilen, also wasserlöslichen Teil. Neben ihrer schaumbildenden Eigenschaft in Verbindung mit Wasser, wirken sie auch wie ein Emulgator, der Wasser mit Öl zu einer Emulsion verbinden kann. Überdies können sie den Blutfarbstoff aus den roten Blutkörperchen lösen.

Saponine gehören zur Gruppe der Glycoside und damit zu den sekundären Pflanzenstoffen. Wie bei anderen Glykosiden, kann man auch bei den Saponinen davon ausgehen, dass sie den Pflanzen als Defensivstoffe dienen, denn zum einen deutet der bittere Geschmack darauf hin, dass sie Fraßfeinde davon abhalten sollen, die Pflanze anzugreifen und sie sind toxisch für Insekten und Kaltblüter. Zum anderen wurde in Studien anti-fungale und anti-mikrobielle Wirkungen nachgewiesen. Inwiefern Saponine für Säugetiere schädlich sein können, konnte bislang nicht genau bestimmt werden, wobei natürlich schlussendlich die Dosis die Wirkung eines Giftes bestimmt und im Rahmen einer Kräuterkur die Mengen an aufgenommenen Saponinen zu gering wären, um wirklich schädlich zu wirken. Wobei trotzdem zu beachten bleibt, dass Saponine die Magen- und Darmschleimhaut reizen können.

Den negativen Wirkungen großer Mengen Saponine stehen aber so viele positive Eigenschaften entgegen, dass es sich lohnt,  ihre Heilkraft zu nutzen, denn sie wirken antibiotisch, immunstimulierend und können zur Bekämpfung von Pilzbefall eingesetzt werden. Es gibt sogar konkrete Hinweise darauf, dass Saponine gegen Darmkrebs wirken sollen. Auch ihre schleimlösende Wirkung bei Husten, ihre harntreibende Wirkung, die vielfach bei Frühjahrskräuterkuren erwünscht ist und ihre entzündungshemmenden Eigenschaften machen sie zu Wirkstoffen in Pflanzen, von denen die Naturheilkunde profitiert. Nicht zu vergessen ist auch, dass Saponine die Aufnahme anderer Wirkstoffe der Pflanzen begünstigen, sodass geringere Mengen anderer Wirkstoffe eine größere Wirkung zeigen können.

Saponine sind in der Pflanzenwelt besonders im nährstoffreichen Gewebe wie in Blättern, Blüten, Knollen und Wurzeln weit verbreitet. Enthalten sind sie zum Beispiel im Efeu, im Ginseng und im Knoblauch.

 

Schleimstoffe


Schleimstoffe gehören zu der Gruppe der Kohlenhydrate, genauer gesagt zu der Gruppe der Polysaccharide, welche 90 Prozent der in der Natur vorkommenden Kohlenhydrate ausmachen. Schleimstoffe dienen Pflanzen als Energiereserve und stellen einen Hauptfaktor in der Strukturbildung und Formgebung dar, denn die Zellwand von Pflanzen besteht weitgehend aus einer komplexen Struktur von Kohlenhydraten und Cellulose. Zellwände, die besonders reich an Nichtcellulose-Kohlenhydraten sind, zeigen bei Aufnahme von Wasser eine fadenziehende Schleimbildung.

Als stark viskose Flüssigkeit bilden diese Schleimstoffe eine oberflächenaktive Schutzschicht aus und haben eine entzündungshemmende, eine Blutzucker- und Cholesterinsenkende, sowie eine entgiftende Wirkung und stärken das Immunsystem.

Schleimstoffe werden unterschieden in

  • unlösliche Schleimstoffe, wie sie beispielsweise in Leinsamen vorkommen und
  • wasserlösliche Schleimstoffe.

Die wasserunlöslichen Schleimstoffe wirken vorwiegend im Magen-Darm-Trakt, sie steigern das Darmvolumen und regulieren so die Verdauung, denn diese Schleimstoffe wirken leicht abführend, da sie aufquellen, Wasser binden und den Inhalt des Darms auflockern und sie beugen so Verstopfung vor. Die wasserlöslichen Schleimstoffe legen sich als eine Art Schutzschicht über die Schleimhäute und haben so eine lokal erweichende, adsorbierende, einhüllende, entzündungshemmende und reizmildernde Wirkung auf die Schleimhäute in Mund- und Rachenraum sowie im Magen-Darm-Trakt, weshalb sie vor allem bei entzündlichen Atemwegserkrankungen aber auch zur Stabilisierung und Ernährung der Darmschleimhaut (Darmflora) angewendet werden.

Schleimstoffe wirken zudem pH-neutralisierend und puffern so überschüssige Magensäure ab.

Die wichtigsten schleimstoffhaltigen Pflanzen sind: Andorn, Beinwell, Breitwegerich, Eibisch, Eisenkraut, Huflattich, Königskerzen, Lindenblüten, Leinsamen, Malve, Spitzwegerich, Taubnessel

 

Natürlich enthalten Pflanzen auch:

Vitamine, Mineralien und Spurenelemente

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