Nüsternfrei

26.01.2015 10:52 | Für Pferde

 

Nüsternfrei

Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Für Pferde  „Freiheit für Schnupfennasen – Weg mit dem Schnödder!“

 

Kräutermischung für Pferde:

  • Zur Unterstützung der oberen Atemwege (Nüstern, Nasenhöhlen, Nasengang, Kehlkopf, Luftröhre) bei Ausfluss von Sekret aus den Nüstern
  • Für eine verbesserte Atmung
  • Zur Verbesserung des Abfließens von Sekret (wirkt einem Sekretstau und einer Nebenhöhlenentzündung – unter anderem auch der dentogenen Sinusitis, bei welcher sich die Zahnwurzelen der Backenzähne entzünden können – entgegen)
  • Zum Abschwellen der Schleimhäute
  • Gegen Entzündungen der oberen Atemwege

Nüsternfrei

 

Die Kräutermischung wir im Shop in Kürze zu erhalten sein

 

Ausgewogene Mischung aus handverlesenen Kräutern


  • Holunderblüten:

Holunder wurde nicht nur in der Mythologie der Germanen sehr geschätzt, weil sie überzeugt waren, dass in einem Hollerstrauch die Schutzgöttin Holda wohnt, die Hexen und böse Zauberer vom Haus fern halten sollte, sondern gilt auch als willkommener Busch auf Pferdewiesen, weil er die geflügelten Plagegeister vertreibt. Doch vor allem seine Blüten sind es, die in der Naturheilkunde sehr geschätzt werden, denn sie gelten als das Mittel schlechthin, wenn es um Erkältungskrankheiten geht. Zu ihren wirksamen Inhaltsstoffen gehören ätherische Öle und Flavonoide (3,5 %) wie das Rutin und organische Säuren, welche die Abwehrkräfte stärken, aber auch einen schweißtreibenden Effekt haben, der dazu beiträgt, dass man die Krankheitserreger schneller wieder los wird. Überdies fördern Holunderblüten die Vermehrung des Bronchialschleims (Bronchialsekret) bei trockenem Husten und erleichtern so das Abhusten.

  • Wasserdost:

Er ist in seiner Wirkung zur Stärkung des Immunsystems, Mittel zur Infektbekämpfung und gegen Erkältungskrankheiten vergleichbar mit dem Sonnenhut (Echinacea), wobei der Sonnenhut nach drei Wochen der Anwendung seine positive Wirkung verliert und das Immunsystem schwächt, anstatt es zu stärken, während der Wasserdost seine kräftigende Wirkung behält. Obwohl der Wasserdost ein sehr effizientes Kraut ist, um allen Formen von Schnupfen (auch der allergiebedingte Rhinitis) entgegen zu wirken, geriet er vor vielen Jahren in Verdacht, Leberkrebs zu fördern. Hierzu ist zu sagen, dass der Wasserdost tatsächlich Alkaloide aus der Gruppe der Pyrrolizidinalkaloide enthält, aber toxisch und leberschädigend wirken nur einige dieser Substanzen, wie beispielsweise

  • Senecionin und Senkirkin...

...die in Kreuzkräutern, wie dem stark giftigen Jakobskreuzkraut enthalten sind. Aber Pyrrolizidinalkaloide findet man auch in zahlreichen Pflanzen der Familien Korbblütler, Rauhblattgewächse und Hülsenfrüchtler, zu denen so traditionell wirksame Heilpflanzen wie der Huflattich, der Pestwurz oder das Borretschkraut gehören. Gewiss sollte man auch natürliche Heilmittel, wie sie Kräuter darstellen, stets mit Bedacht einsetzen, denn grundsätzlich macht die Dosis das Gift. Um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass Wasserdost in großen Mengen und über einen langen Zeitraum verabreicht Leberkrebs fördern kann, kamen die Wissenschaftler, weil sie Ratten mit einem Anteil von 32% mit pyrrolizidinalkaloidhaltigen Pflanzen zwangsernährten, respektive den Wirkstoff aus den Pflanzen isolierten und den Tieren in den Blutkreislauf spritzen. Zum einen würde auch eine Zwangsernährung mit harmlosen Kräutern zu Stress führen und das Risiko, an Krebs zu erkranken fördern – zum anderen ist die Wirkung eines isolierten Wirkstoffes mit der Substanz aus der Pflanze nicht vergleichbar. Insofern darf man den Wasserdost in einer Heilpflanzenmischung unbesorgt verwenden, denn der Anteil der Pyrrolizidinalkaloide entstammt zum einen nicht aus einer als gesundheitsgefährdend eingestuften Gruppe und kommt zum anderen in so geringer Menge zum Einsatz, dass auch bei einer längerfristigen Anwendung nicht mit einer Erhöhung des Leberkrebsrisikos beim Pferd zu rechnen ist. Trotzdem sollte man ihn nicht dauerhaft in hohen Dosen als Einzelkraut einsetzen. Überdies wirkt der Wasserdost sogar reinigend auf die Leber und die Milz und wird auch zur Blutreinigung eingesetzt. Seine gesundheitsfördernde Wirkung ist auch so immens, dass man in einer „Schnupfenmischung“ nicht auf ihn verzichten sollte. Neben dem geringen Anteil der Pyrrolizidinalkaloide enthält der Wasserdost Eupatorin, Bitterstoffglykosid, Harz, Gerbstoffe und ätherisches Öl.

  • Majoran:

Der als Gewürz für fettreiche Speisen bekannte Majoran wird in Anlehnung auf seine bekannteste Verwendungsart meist vor allem als verdauungsförderndes und magenentkrampfendes Kraut benannt. Dabei verkennt man die große Stärke dieses Gewürzes, denn es ist ein ideales „Schnupfenmittel“, weil es gegen Keime und Mikroben wirkt. Diese Eigenschaft verdankt das Kraut seinen effizient wirkenden Inhaltsstoffen, zu denen ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoff, Gerbsäure, Saponine, Arbutin, Borneol, Eugenol, Geraniol, Limonen, Menthol, Oleanolsäure, Rosmarin-Säure, Terpinolene, Terpentin und Thymol gehören, die sich als wirksam gegen Erkältungskrankheiten erwiesen, denn Viren, Pilze und Bakterien die sich in der Haut oder in den Schleimhäuten ausbreiten, können mit Majoran erfolgreich behandelt werden. Überdies wirkt Majoran entzündungshemmend und enthält Zink und Vitamin C, das zudem die Abwehrkräfte stärkt und damit Infektionen bekämpft.

  • Fenchel:

Meist kennt man den Fenchel nur als effizient wirkendes Mittel gegen Blähungen und andere Magenprobleme. Aber der Inhaltsstoff, dem der Fenchel seine positive Wirkung auf den Magen verdankt, ist das an trans-Anethol – sein Anteil beträgt bis zu 70 % - und es wirkt nicht nur positiv auf den Verdauungstrakt, sondern auch auf die Atemwege: Es beschleunigt in den Bronchien die Schlagfrequenz der sogenannten Flimmerepithelien, bei denen es sich um kleine Zellfortsätze handelt, die für den Abtransport von Schleim und Fremdstoffen zuständig sind. In der Folge löst sich festgesetzter Schleim und kann abgehustet werden. Insofern gilt der Fenchel sowohl als Heilmittel der Wahl bei Bronchitis und Reizhusten als auch als schleimlösend und damit gesundheitsförderlich bei allen anderen Atemwegskrankheiten, sowie Entzündungen der oberen Luftwege (Katarrh). Ein weiterer, wichtiger Inhaltsstoff im ätherischen Öl des Fenchels ist das Fenchon, das zu etwa 15 % enthalten ist und dem Fenchel den mild bitteren Geschmack verleiht. Er unterstützt vor allem die Wirkung vom trans-Anethol und ist bekannt für seine antimikrobielle Eigenschaft, mit der es das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen kann.

  • Schlüsselblume:

Ihr hoher Saponingehalt verleiht ihr sowohl eine antimikrobielle als auch eine schleimlösende Wirkung und so findet sie ihren Einsatz bei Infekten und Katharren der oberen Atemwege, aber auch bei Krankheiten der unteren Atemwege, wie bei Bronchitis, Husten und allen anderen Anzeichen von Erkältungskrankheiten sowie bei Lungenentzündung, wenn der Schleim festsitzt und sich lösen und abfließen soll.

  • Isländisch Moos:

Das isländische Moos ist eigentlich gar kein Moos, sondern eine Flechte, aber der Name hat sich inzwischen so sehr eingebürgert, dass er wohl dauerhaft bestehen bleiben wird. Die niedrig wachsende Pflanze verzweigt sich geweihartig, was ihr auch den Namen Hirschhornflechte eingebracht hat. Seine Inhaltsstoffe sind: Cetrarin, Fumarsäure, Eisen, Schleim, Vitamine, ätherische Öle. Der wichtigste Inhaltstoff des isländischen Mooses ist der Schleim, der sich schützend um Schleimhäute legt und dadurch Reizhusten und Entzündungen der Atemwege, aber auch Reizzustände der Verdauungsorgane lindert. Gleichzeitig wirkt das isländische Moos antibakteriell und schleimlösend, weshalb es sich ebenfalls gegen Katarrhe der oberen Luftwege, Husten, chronische Bronchitis und aufgrund seiner antiseptischen Wirkung sogar bei Lungenerkrankungen oder Lungenemphysem zur Verwendung empfiehlt.

  • Hagebutten:

Als Bachblüte „Wild Rose“ steht die Heckenrose für die Hoffnung und Lebensfreude. Aber man kennt sie natürlich vor allem als Vitamin C-Lieferant und Bekämpfer von Infekten, sowie Stärker der körpereigenen Abwehrkräfte. Die Hagebuttenfrüchte enthalten neben dem bereits erwähnten Vitamin C oder Ascorbinsäure (100 g frische Hagebutten enthalten 400-5.000 mg) auch Vitamin B1 und B2, Betakarotin, Vitamin K, Nikotinsäure (Niacin), Flavonoide (unter anderem Rutin), Fruchtsäuren, Pektine und Lykopin. Mit ihren vielen vitalisierenden Substanzen können die Hagebutten einen müden Kreislauf zu neuem Leben erwecken, bei Erschöpfungszuständen neue Energie schenken und die körpereigene Abwehr mobilisieren. Diese wunderbaren Eigenschaften der Hagebutte kannten schon die alten Griechen, bei denen das rote Früchtchen als „Götterfrucht“ geschätzt wurde. Allerdings handelt es sich bei der Hagebutte in Wirklichkeit um eine Scheinfrucht, denn die eigentlichen „Früchtchen sind die Kerne in ihrem Inneren. Die wertvollen Inhaltsstoffe stecken jedoch vor allem in ihrer prallroten Schale. Für diese leuchtende Farbe ist im Übrigen das Lykopin – gebunden an den roten Farbstoff der Früchte – verantwortlich, aus dem im Körper Vitamin A gebildet wird und das gilt als zellschützend. Zusammen mit dem hohen Vitamin C-Gehalt, das die Zellen im Kampf gegen die freien Radikalen und damit auch gegen Veränderungs- sowie vorzeitige Alterungsprozesse unterstützt, gilt die Hagebutte als krebsvorbeugend und stärkend in Zeiten der Rekonvaleszenz und bei einem geschwächten Immunsystem. Überdies wirkt die Hagebutte entsäuernd auf den Organismus und unterstützt mit ihrem hohen Eisengehalt die Blutbildung. An Hagebutten kann auch bei Blasen- und Nierenleiden gedacht werden. Der Vitamin C-Gehalt der Hagebutte wird eigentlich nur noch vom Sanddorn übertroffen und sollten ihren Einsatz aber nicht nur bei der Neigung zu Erkältungskrankheiten finden. Die Hagebutte gilt nämlich mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin-B-Komplexen auch als beruhigend und nervenstärkend bei Stress und innerer Unruhe.

  • Lindenblüten:

Sie gelten als eines der wirksamsten pflanzlichen Mittel gegen Erkältungskrankheiten – diesen Ruf verdanken sie ihren wertvollen Inhaltsstoffen, denn in Lindenblüten sind etwa ein Prozent Flavonoide – vor allem die Substanzen Quercitrin, Rutin und Astragalin - enthalten. Ebenso interessant ist aber auch der bis zu 10 %-ige Anteil von Schleimstoffen, bei denen es sich vorwiegend um sogenannten Arabinogalactane handelt. Sie können die Schleimhäute schützen, indem sie eine Schutzschicht darüber legen, die beruhigend wirkt und bei trocknem Reizhusten hilft, den Reiz zu mildern. Auch die ätherischen Öle, die sich unter anderem aus den Stoffen Linalool, Geraniol und Eugenol zusammensetzen, tragen dazu bei, dass die Schleimhäute abschwellen und das festsitzende Sekret abfließen kann. Überdies wirken Lindenblüten schweißtreibend und sorgen wie die Holunderblüten dafür, dass die Krankheitserreger aus dem Körper transportiert werden.

  • Pfefferminze:

Denkt man an die Pfefferminze, fällt einem sofort das wirksame Minzöl ein, das vor allem Menthol, Menthon und Menthofuran enthält und das man bei Erkältungskrankheiten und vor allem bei Schnupfen inhalieren kann, weil es den festsitzenden Schleim löst und zum Abfließen bringt, womit die Nase wieder frei wird. Insofern ist die Pfefferminze mit ihrem hohen Anteil an ätherischen Ölen auch ideal dazu geeignet, schon bei der Aufnahme des Futters für mehr „Luft in den Nüstern“ zu sorgen, denn die Pferde atmen diese Wirkstoffe beim Fressen der Kräuter auch ein (verbessert wird dieser Effekt durch die Teeanwendung und das Überbrühen der Kräuter mit heißem Wasser). Die Blätter enthalten jedoch nicht nur ätherische Öle (Menthol, Menthon und Menthofuran,1,8-Cineol, Limonen, Pulegon und Pinen - α- und β-Pinen), sondern auch Gerbstoffe und Flavonoide. Die verleihen der Pfefferminze eine sekretionsfördernde und antibakterielle Eigenschaft und unterstützen sie in ihrer Wirkung gegen Entzündungen der oberen Atemwege und bakterielle Infektionen. Überdies besitzt das in den Pfefferminzblättern enthaltene ätherische Öl eine hemmende Wirkung auf Bakterien und Pilze.

  • Spitzwegerich:

Der Spitzwegerich hat, wie viele andere Heilpflanzen, ein breites Spektrum von Heilwirkungen. Sein Haupteinsatzgebiet sind jedoch die Atemwege, denn die Pflanze wirkt aufgrund der darin enthaltenen antibiotischen Stoffe sehr gut gegen alle entzündlichen Erkrankungen der Atemwege. Insofern ist der Spitzwegerich ein erfolgreiches und gleichzeitig altbewährtes Hustenmittel, welches gerade bei besonders hartnäckiger und zäher Verschleimung, Bronchitis und Katharren der oberen Atemwege seinen Einsatz findet. Neben den Saponinen und den Schleimstoffen, welche die gereizten Schleimhäute beruhigen und schützen, enthält der Spitzwegerich auch Bitterstoffe, Glykoside, Gerbstoffe, Kieselsäure, Zink, Vitamin C, ätherisches Öl und Lab-Enzym und sollte in keiner Erkältungskräutermischung fehlen, denn der Ausfluss aus den Nüstern steht leider auch oft im engen Zusammenhang mit den unteren Atemwegen und einer starken, festsitzenden Schleimbildung auf den Bronchien.

 

Läuft dem Pferd die Nase – fließt also Sekret aus den Nüstern –  und die Nasenschleimhaut ist angeschwollen, was die Atmung behindert, dann kann es sich dabei um einen noch relativ harmlosen Schnupfen (Rhinitis) handeln, aber dieser entzündliche Vorgang auf der Nasenschleimhaut tritt beim Pferd eher selten auf. Viel öfter kommt es vor, dass der Ausfluss aus den Nüstern im Zusammenhang mit anderen Infekten der Atemwege steht. So ist es durchaus möglich, dass hinter einem Schnupfen eine Erkrankung der oberen (Nüstern, Nasenhöhlen, Nasengang, Kehlkopf, Luftröhre) auch eine Erkrankung der unteren Atemwege (Bronchien, Lunge) steckt. Eine solche Erkrankung kann durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst werden oder eine allergische Reaktion auf Staub oder bestimmte Pflanzen sein.

 

Virusinfektionen...


...beginnen meist mit kurzfristigem hohem Fieber, dass aber schnell wieder abklingt. In der Folge können Symptome wie Husten und Nasenausfluss auftreten. Die Auslöser der Virusinfektion sind Influenza- oder Herpesviren (HV 1 und HV 4), seltener auch Reo- und Rhinoviren oder Adeno- und Parainfluenzaviren. Die Gefahr, die von Viren ausgeht, ist nicht zu unterschätzen, denn im Gegensatz zu bakteriellen Erkrankungen verändern Viren die körpereigenen Zellen. Grund dafür ist, dass Viren keine eigene Zellstruktur besitzen - sie benötigen zum Überleben die Körperzelle eines Wirtes und siedeln sich auf den Schleimhäuten der Atemorgane an. Während sich diese kleinsten Krankheitserreger vermehren, schädigen und zerstören sie diese Zellen. Der Körper wehrt sich gegen die körperfremden Eindringlinge mit einer vermehrten Durchblutung und Schleimbildung, wodurch eine Entzündung entsteht, die einzelne oder mehrere Bereiche der oberen und unteren Atemwege betreffen kann. Überdies bilden sich Antigene auf der Oberfläche der befallenen Zelle, wodurch es zur Immunsuppression (Unterdrückung) oder zu einer Steigerung der Immunvorgänge kommt. Reagiert das Immunsystem übertrieben extrem, kann das dazu führen, dass der Pferdeorganismus während der Virusabwehr auch an sich harmlose Substanzen als Antigene versteht und daraufhin Antikörper bildet, zum Beispiel gegen Milben im Kraftfutter oder Pilzsporen im Heu – aus der Influenza wird dann eine Futtermittel- oder Heuallergie. Im Prinzip müsste man ein Pferd mit einer Virusinfektion separat halten, denn die Viren übertragen sich durch „Tröpfcheninfektion“ sehr schnell auf andere Pferde.
 

Bakterielle Infektionen


Bakterien sind Mikroorganismen, die eigentlich im Körper zu den „Guten“ gehören, denn sie bilden die gesunde Darmflora und erfüllen damit die lebenswichtige Aufgabe, das Immunsystem zu unterstützen. Aber nicht alle Bakterien sind nützlich – schädliche Bakterienarten, die Endotoxine (Gifte) freisetzen und Entzündungen hervorrufen, können die Schleimhäute der Atemwege befallen, weil sie dort optimale Bedingungen zur Vermehrung vorfinden und beispielsweise Infekte wie die Druse (Streptokokkos equi) entstehen lassen. Sie beginnt mit geschwollenen Hals- und Kieferlymphdrüsen und mit Halsschmerzen, wodurch die Tiere nicht schlucken wollen und die typische Haltung mit gestrecktem Hals einnehmen. Husten kann diese Infektionskrankheit begleiten, Fieber bis 41 Grad kann zusammen mit starkem Schwitzen auftreten. Die in der Folge der Druseerkrankung entstandenen Abszesse in den Lymphdrüsen reifen eine Tage lang und brechen dann auf – im Idealfall entleeren sie sich nach außen, denn dann erfolgt auch ziemlich rasch die Heilung. Im Gegensatz zu Viren benötigen die meisten Bakterien keine Wirtszelle, da sie über eine eigene Zellstruktur verfügen. Deshalb können sie nicht nur durch direkten Kontakt, sondern auch durch indirekten, zum Beispiel über Putzutensilien, übertragen werden.

 

Pilze und Parasiten


Relativ häufig werden Erkrankungen der oberen Atemwege von Pilzen (Mykotoxine) ausgelöst, denn sie kommen in der gesamten Umgebung des Pferdes vor und können dann zu einer Mykose führen, wenn das Immunsystem des Pferdes bereits geschwächt ist (meist durch eine Primärinfektion). Mykosen treten häufig in den Luftsäcken an den Ganaschen auf. Die von einer Luftsackmykose betroffenen Pferde husten nicht, sondern leiden „nur“ unter Nasenausfluss oder sogar Nasenbluten.

Pilze kennt man im Stall vor allem aber auch als Schimmelpilze im Futter - besonders im Heu und im Stroh begegnen sie dem Pferdebesitzer leider viel zu häufig. Schimmelpilze besiedeln zwar nicht die Schleimhäute, wenn sie in die Atemwege gelangen, verstärken jedoch bereits bestehende Atemwegserkrankungen und können sie chronisch werden lassen. Im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen und Parasiten fallen den meisten Pferdebesitzern spontan die Lungenwürmer (Dictocaulus arnfieldi) ein, die zwar nicht zu den häufigen Ursachen von Atemwegserkrankungen gehören, aber dennoch die Atemwege irreversibel schädigen können: Gelangen die Eier (meist über Eselkot) auf die Weide und werden vom Pferd aufgenommen, besiedeln sie die Lunge, wo sie das Gewebe durchbohren und in die kleinen Bronchien eindringen. Ein starker Befall von Lungenwürmern führt bei Pferden zu einer Bronchitis: Husten, Schleimbildung, geschwollene Schleimhäute und Nasenausfluss sind die geläufigen Symptome, dazu kommen Leistungsschwäche sowie Appetitlosigkeit.

Typische Symptome chronischer Atemwegserkrankungen sind:

  • Zäher Nasenausfluss: weiß, gelblich bis grünlich
  • Husten, Schnauben, Prusten
  • Mattigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • erschwerte Atmung (Dyspnoe)
  • leicht bis stark erhöhte Atemfrequenz (normal 8 bis 16 Atemzüge/Minute)
  • kein Fieber
  • veränderte Nüsternstellung
  • Dampfrinne an der Bauchseite des Pferdes

Nicht immer ist ein „Schnöddern“ also eine harmlose Begleiterscheinung einer Erkältungskrankheit. Besonders gefährlich ist eine durch stäbchenförmige Erreger (Bakterium Burkholderia mallei) verursachte Pferdeseuche, die früher einmal zu den Gewährsmängeln gehörte und noch heute eine meldepflichtige Krankheit ist: Der Rotz (Malleus). War diese Infektion in Deutschland quasi bedeutungslos geworden, weil sie nicht mehr vorkam, gewann sie durch den Import von Pferden aus Süd-Ost-Europa leider wieder an Bedeutung. Die Gefahr, die von dieser Krankheit ausgeht, ist nicht nur das Risiko für die betroffenen Pferde, innerhalb von vier bis sieben Tagen an der akuten Form sterben zu können (wobei davon meist nur Esel und Maultiere befallen werden), sondern auch die Tatsache, dass es sich um eine Zoonose handelt, was bedeutet, dass auch Menschen daran erkranken und sterben können.

Die Malleus verursachenden Bakterien gelangen über Futter, Tränkwasser oder Einstreu auf die Rachen- und Darmschleimhaut des Pferdes. Von dort breiten sie sich auf die benachbarten Lymphknoten aus und vermehren sich. Die Erreger können auch über offene Wunden in die Blutbahn gelangen. Insofern verwundert es auch nicht, dass neben dem einseitigen Nasenausfluss auch Knötchen und Geschwüre auf der Haut und auf den Schleimhäuten zu den Symptomen des Rotz gehören. Nachdem die Bakterien in den Körper eines Pferdes eingedrungen sind, verbreiten sie sich nach und nach auf allen Organen. Die Frage, wie der Krankheitsverlauf sich darstellt und ob Lebensgefahr für ein betroffenes Pferd besteht, hängt davon ab, wie virulent die auslösenden Bakterien sind – das bedeutet, wie hoch ihr krankmachendes Potenzial ist. Die akute Form tritt meist nur bei Eseln und Maultieren auf – Pferde sind meist von der chronischen Form der Malleus betroffen, die weniger schwerwiegend verläuft. Zu den Symptomen gehört einseitiger Nasenausfluss, der im Zusammenhang mit Schweratmigkeit steht und immer wiederkehrendes Fieber. Dazu kommen in manchen Fällen große Wassereinlagerungen an den Hinterbeinen (Elephantiasis malleosa) dazu, die bis zu den Sprunggelenken reichen können. Da sich die Krankheitserreger vor allem in den Lymphknoten ansiedeln und vermehren, entzünden sich diese. Insbesondere die Lymphknoten am Hals sind davon betroffen.

Darüber, ob ein Nasenausfluss eine ernste Bedrohung der Gesundheit des betroffenen Pferdes darstellt oder relativ leicht zu behandeln und zu heilen sein wird, gibt unter anderem die Beschaffenheit und die Farbe des Sekrets Auskunft, das aus den Nüstern fließt:

  • Intensiv und reichlich fließendes, eher wässriges Sekret aus beiden Nüstern mit geröteter Nasenschleimhaut deutet auf eine Infektion durch Viren hin, wie sie sie Pferdeinfluenza darstellt.
  • Wässrig klarer bis weißer Nasenausfluss, verbunden mit Abhusten zum Beginn der Bewegung und geschwollenen Schleimhäuten kann ein Anzeichen für den Beginn einer COPD/ COB/ RAO (Recurrent Airway Obstruction) sein, die schlussendlich zur Dämpfigkeit werden kann. Ausgelöst wird die Krankheit durch Staubpartikel, die zu Bronchospasmen mit Schleimansammlung und einer Verdickung der Atemwegswände führen.
  • Flockiges, gelbliches, eitriges und schleimiges Sekret ist ein Anzeichen für eine bakterielle Entzündung.
  • Übelriechendes, mit Blut vermischtes Sekret kann ein Hinweis auf eine Verletzung im Nasen-Rachen-Raum des Pferdes sein.
  • Gelblicher, zähflüssiger, eitriger Nasenausfluss wird vielfach der IAD = Inflammatory Airway Disease (entzündliche Atemwegserkrankung) zugeordnet. Betroffen sind vielfach vor allem junge Pferde und in der Regel wird jede entzündliche Atemwegserkrankung, die nicht auf RAO oder eine Infektion zurückgeführt werden kann, unter diesem Begriff diagnostiziert. Zu den typischen Symptomen gehören eine flache abdominale Atmung, Muskelschmerzen, Mattigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit, sowie eine vermehrte Schleimansammlung, die jedoch meist nicht abgehustet wird. Beobachtet werden teilweise geschwollene Lymphknoten und Fieber. Die Ursache kann sowohl viral, als auch bakteriell sein.
  • Einseitiger, geruchsloser Nasenausfluss im Zusammenhang mit einer Flüssigkeit gefüllten, langsam wachsende Umfangsvermehrung in den Nasennebenhöhlen und einer äußerlich sichtbaren Knochenauftreibung kann auf eine Sinuszyste hinweisen.
  • Einseitiger, leicht blutiger Nasenausfluss kann einen Hinweis auf Siebbein-Hämatome liefern – hierbei handelt es sich um tumorartige, langsam wachsende Gebilde am Siebbein, die in fortgeschrittenen Fällen auch Atemgeräusche verursachen, weil die Umfangsvermehrung die Nasengänge blockieren kann
  • Gelblich-grünes, eitrig-flockiges Sekret, welches nur aus einer Nüster fließt und von einem üblen Geruch (auch aus der Nüster kommend) begleitet ist, kann auf eine Sinusitis (Nebenhöhlentzündung), eine dentogene Sinusitis (Pulpitis/ Zahnwurzelentzündungder oberen 3-4 Backenzähne) oder einer Sinusitis maxillaris (Kiefernhöhlenentzündung) führen – vor allem wenn dazu noch eine Umfangsvermehrung im Pferdegesicht auffallend wird.

Die Art des Nasenausflusses bestimmt auch den Namen der Erkrankung, in dem Falle des gelben Sekrets Rhinitis purulenta (eitrig), catarrhalis (schleimig-entzündlich), cruposa (Obstruktion – Verengung der Atemwege) oder nekrosa (absterbendes Gewebe).

Ein Schnupfen (Rhinitis) so harmlos er sich als alleiniges Krankheitsbild darstellt, kann leider auch eine Sekundärerkrankung hervorrufen – besonders häufig davon betroffen sind die Schleimhäute der Nasennebenhöhlen, wenn durch Schwellung der Schleimhäute oder anatomische Besonderheiten der Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen behindert wird, denn durch die Entzündung schwillt die Schleimhaut an und bildet Entzündungsflüssigkeit, die je nach Ursache dünnflüssig bis schleimig oder eitrig sein kann. Bei einer klinisch sichtbaren Nasennebenhöhlenentzündung sind in der Regel Bakterien im Spiel - die Flüssigkeit ist dann eitrig und zäh. Sie kann schlecht aus der Kieferhöhle über den schmalen und häufig auch noch zugeschwollenen Ausgang in die Nase abfließen, wodurch sich eine Eiteransammlung in einem Hohlraum (Empyem) bildet. Hier kann das eitrige Sekret eindicken und seine Konsistenz wird fest und bröckelig – vergleichbar mit Hüttenkäse. In dieser Phase der Sinusitis ist die Entzündung chronisch geworden und von einer spontanen Heilung kann nicht mehr ausgegangen werden. Die Erkrankung kann leider auch auf den Tränennasenkanal oder die Stirnhöhle übergehen.

 

Sind die ganzen Höhlen, die der Pferdeschädel bildet, also nur Quellen, in denen Entzündungen entstehen?


Würde der Schädel des Pferdes aus kompakten Knochen bestehen, wäre er extrem schwer. Darum liegen zwischen der inneren und äußeren Wand der Schädelknochen die Nasennebenhöhlen als Hohlräume, die mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Die größten Nasennebenhöhlen bilden die beiden Kieferhöhlen (Sinus maxillaris), die über einen Spalt mit der Nasenhöhle verbunden sind. In den Boden der Kieferhöhlen münden die Wurzeln der hinteren 3 – 4 Backenzähne des Oberkiefers. Sie werden nur durch eine dünne Knochenschicht abgetrennt und verursachen rund 50% aller Nebenhöhlenentzündungen, wenn diese Zahnwurzeln sich entzünden (dentogene Sinusitis, Pulpitis).

Weitere Nasennebenhöhlen sind die Stirnhöhlen, die Gaumenhöhlen, die Siebbeinzellen und die Keilbeinhöhle. Diese Höhlen erkranken selten, meistens in Gefolge einer verschleppten Kieferhöhlenentzündung.

Eine sogenannte primäre Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen) ohne vorherige Erkrankung wie z.B. einer Pulpitis, Rhinitis oder Druse ist vergleichsweise selten und so steht die Sinusitis meist im direkten Zusammenhang mit einer verschleppten Infektion der oberen Atemwege oder einer Entzündung der Nervenkanäle eines Zahnes (Pulpitis), bei der Bakterien entweder über die Mundhöhle (z.B. bei einer Zahnfachentzündung, bei einer Zahnfraktur, hochgradiger Paradontose oder Karies) oder über das Blut in die sterile Pulpahöhle (Wurzelkanal) gelangen.

Nasenausfluss beim Pferd kann also viele Ursachen haben und bedarf zunächst einer Diagnose des Tierarztes. Allerdings kann die Verbesserung des Haltungsmanagements die Pferde vor „Schnödder“ schützen:

  • Möglichst staubfreies staubiges Heu füttern oder das Heu anfeuchten
  • Ausgeprägte Futter- und Stallhygiene
  • Alternative Einstreu statt Stroh in der Box
  • Täglich sorgfältiges Misten
  • Umstellung auf Außenbox oder Offenstall, Paddockbox
  • Pferd beim Misten, Kehren sowie Füttern von Raufutter nicht in der Stallgasse/ Box lassen
  • Stallgasse vor dem Kehren anfeuchten, um Staub zu binden
  • Vorlegen statt Aufschütteln des Heus
  • Mischen des Getreides direkt vor dem Füttern mit Öl oder übergießen mit Kräutertee

Schlussendlich ist jedoch wichtig zu erkennen, dass wir unser eignes Kälteempfinden nicht auf unsere Pferde übertragen sollten, denn sie passen sich dem Klima an und fühlen sich in kalter, aber frischer Luft wohler, als in zwar wärmerer, aber dafür muffig feuchter Stallluft, wenn alle Fenster aus Angst vor Zugluft und Frost geschlossen werden. Wachsende Strohmatratzen, geschlossene Weiden, überfrorene Paddocks, die keinen Bewegungsreiz bieten oder Pferde, die 23 Stunden in einer Box stehen, um dann eine Stunde in einer staubigen Halle geritten zu werden und anschließen nachschwitzend in der Box stehen und das Stallklima auf 60 % Feuchtigkeit ansteigen lassen, gehören zum Bild des Winters in vielen Ställen. Insofern ist es kein Wunder, dass in dieser Zeit auch das Risiko von Atemwegerkrankungen stark ansteigt, denn das Immunsystem schwächelt und die Viren und Bakterien finden optimale Bedingungen, um zum Angriff zu blasen.

Unsere Kräutermischung „Nüsternfrei“ kann Erkrankungen der oberen Atemwege mit starker Pflanzenkraft effektiv entgegenwirken, aber die Haltung des Pferdes zu optimieren, ist ebenso wichtig, wie Kräuter zu füttern.

 

Dosierung


  • Warmblutpferde (450 bis 600 kg Körpergewicht                             50 g täglich
  • Kleinpferde (Cobs, Araber bis 450 kg Körpergewicht)                    40 g täglich
  • Ponys (bis 300 kg Körpergewicht)                                                      30 g täglich


Trockenfütterung:
Kräutermischung einfach unter das Kraftfutter mengen.

 

Zubereitung als Tee:30 g bis 50 g Kräutermischung für 1 L kochendes Wasser. Ziehzeit: 10 - 15 min Lauwarm zum Futter geben. Kräuter sollen mitverfüttert werden. Für Süßmäulchen 1 EL Honig hinzufügen.

 

Eure Sabine Bröckel

vom Team der Kräuter- und Gewürzmanufaktur Neumann Tiergewürze

 

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