Magengeschwüre – wenn Stress krank macht

16.08.2014 08:51 | Für Pferde

 

Magengeschwüre – wenn Stress krank macht - Stand 20.8.2014


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

Kräutertest Magengeschwüre

Liest man die aktuellen Statistiken über die Häufigkeit von Magengeschwüren beim Pferd, findet man erschreckende Zahlen:

  • 25 - 50 % der zwei bis vier Wochen alten Fohlen

  • 60 % der älteren Fohlen

  • 60 % der Turnierpferde im Dressur-, Spring- und Vielseitigkeitssport

  • 60 – 80 % der Trabrennpferde

  • 90 % der Vollblutpferde im Galopprennsport

  • 30 % der Freizeitpferde in leichter Arbeit die ohne Prüfungsambitionen geritten werden

  • 70 % der Freizeitpferde bei Boxenhaltung und prüfungsambitioniertem Training

leiden an Magengeschwüren.

Lediglich bei ausschließlich auf der Weide gehaltenen Pferden liegt die Inzidenzrate bei unter 10%.

 

 

Die Ursachen von Magengeschwüren


Zieht man aus diesen Zahlen ein Fazit, dann sind es vor allem die reiterlichen, respektive die sportlichen Ansprüche, die wir an unsere Pferde stellen, welche sie krank machen. Dazu kommt die nicht artgerechte Haltung, verbunden mit einer sehr getreidelastigen Fütterung, um mehr Leistungsvermögen zu erzielen. Aber leider ist auch der Schmerz ein Faktor, der bei der Entstehung von Magengeschwüren eine tragende Rolle spielt.

Zusammengefasst ist die Hauptursache für Magengeschwüre physischer und psychischer Stress und der entsteht durch

  • das Training

Je intensiver ein Pferd trainiert wird, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd an Magengeschwüren erkrankt. Bereits ein Laufbandtraining in gewohnter Umgebung führt zu einem erhöhten Risiko – das wurde durch verschiedene Studien belegt. Die Vermutung liegt nah, dass beim kontinuierlichen Laufen ein erhöhter Druck auf den Magen entsteht, der die Magensäure in säureempfindlichere Magenbereiche drückt und dort zu Magengeschwüren führt.

Genauso nah liegt aber auch der Verdacht, dass auch ein Training, welches der Biomechanik des Pferdes entgegenwirkt, beim Pferd eine Verspannung hervorruft und das Pferd in körperlichen Stress gerät. Dazu kommt der Leistungsdruck der zu psychischem Stress beim Pferd führt. Aber auch ein nicht passender Sattel, ein zu scharfes oder schlecht sitzendes Trensengebiss, die Hebelwirkung von Reithalftern auf den Kiefer oder der punktuelle, schmerzhafte Druck auf Bereiche des Kopfes, hervorgerufen durch den Trensenzaum, führen zu Schmerzen, die das Pferd nicht durch Schmerzlaute anzeigt, sondern lediglich durch Gegenwehr – was dann wieder zu Sanktionen und weiterem Stress führt, der Magengeschwüre begünstigt.

 

  • Schmerzen und Krankheiten

Bei der Diagnose von Magengeschwüren bei Pferden stoßen Tierärzte häufig auf weitere Krankheiten, die Schmerzen verursachen, wie Huflederhautentzündungen, Kissing Spines, Spat oder Arthrose. Die bleiben meist trotz ihrer Schmerzhaftigkeit lange Zeit unentdeckt, weil Pferde keine Schmerzlaute von sich geben, sondern Schmerzen still ertragen, bis sie sich dann in konkreten Lahmheiten äußern. Aber auch organische Probleme, wie Nieren- oder Leberkrankheiten oder Hautreizungen können Schmerzen verursachen, die das Pferd nicht durch Lautäußerungen anzeigen kann. Dazu kommen schwere Blockaden und Muskelübersäuerung oder Muskelverspannungen durch ein Training, das die Biomechanik des Pferdes nicht berücksichtigt, respektive durch unregelmäßiges, aber intensives Training, das zu Muskelkater führt. Jede Form von Schmerz führt zu körperlichem Stress und der spiegelt sich dann in der Entstehung von Magengeschwüren wider.

Im engen Zusammenhang mit Magengeschwüren stehen aber vor allem auch Koliken - etwa 80% der in Kliniken vorgestellten Koliker haben Magengeschwüre. Darüber hinaus treten Magenschleimhautentzündungen (Gastritis), die zu Magengeschwüren führen können, häufig in Kombination mit verschiedenen Infektionskrankheiten auf.

 

  • Medikamentengabe

Den Teufel mit dem Belzebub erschlagen – so kann man viele schulmedizinischen Medikationen definieren.

Grundsätzlich sollte natürlich kein Pferd Schmerzen ertragen müssen und insofern sind Medikamente zur Schmerzlinderung durchaus sinnvoll. Entzündungshemmer, Antibiotika oder andere Arzneien zur Heilung von Krankheiten und ihren Symptomen, sind keinesfalls grundsätzlich abzulehnen. Das Problem ist lediglich, dass sie vielfach auch den Magen belasten. Die Verabreichung nichtsteroidale Antiphlogistika (Entzündungshemmer und Schmerzmittel) über den Zeitraum von zwei Wochen kann bereits zur Zerstörung der Schutzmechanismen der Magenschleimhaut und damit zur Bildung von Magenschleimhautentzündungen und –geschwüren führen. Darüber hinaus fällt bei vielen Pferden, die zu Koliken neigen, auch eine schlechtere Durchblutung des Magens auf, die im Zusammenhang mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln steht. Erwiesen ist auch, dass Antibiotika nicht nur die Keime im Magen vernichten, welche die Krankheit fördern, sondern auch die „gesunden“ Bakterien, welche die Darmflora bilden, die als Zentrum der Gesundheit gilt.

In Pferdekliniken werden magensensible Intensivpatienten (vor allem Fohlen), die mit hohen Dosen von allopathischen Arzneien behandelt werden, schon prophylaktisch gegen die Bildung von Magengeschwüren therapiert.

 

  • die Fütterung

Übersäuerung ist nicht nur für die Muskulatur ein Problem, sondern auch für den Magen. Übersäuerung entsteht durch die kontinuierliche Produktion der Magensäure beim Pferd. Die liegt im natürlichen Fressverhalten des Pferdes begründet, denn anders als wir Menschen, ist der Verdauungstrakt nicht auf die Zufuhr von drei Mahlzeiten täglich programmiert, für deren Verdauung dann saure Verdauungssäfte ausgeschüttet werden, wenn die Nahrung im Magen ankommt. Statt dessen ist das das Steppentier Pferd zirka 16 Stunden täglich mit der kontinuierlichen Futteraufnahme beschäftigt, die hauptsächlich nur durch Schlafen, Dösen oder das Aufsuchen neuer Futterquellen unterbrochen wird. Darum ist die ständige Bereitstellung von Magensäure sinnvoll. Aber die ständige Weidehaltung, bei welcher das Magengeschwürrisiko auf unter 10 % sinkt, wird von den wenigsten Pferdebesitzern praktiziert. Statt dessen werden Pferde in Boxen gehalten - bestenfalls mit angrenzendem Sandpaddock -, höchstens stundenweise auf die Weide gestellt und zwei- bis dreimal täglich mit viel Getreide und wenig Heu gefüttert.

Das Problem Magengeschwür beginnt bei einer – im Verhältnis zum Raufutter – zu hohen und sehr kohlenhydrathaltigen Kraftfuttergabe.

Grundsätzlich kann sich die Magenschleimhaut mit Puffersubstanzen gegen den Magensäuregehalt schützen. Außerdem ist sie von einer Schleimschicht überzogen, welche von der Magenschleimhaut selbst gebildet wird und die Magenschleimhaut vor dem Säureangriff der Verdauungssäfte schützt. Aber wenn zwischen den Fütterungen kein Heu zur Verfügung steht und die Wartezeiten zwischen den Kraftfuttergaben zu lang sind, entsteht ein Missverhältnis der im Magen vorhandenen Säure zu den die Magenschleimhaut schützenden Faktoren - die Magenschleimhaut wird gereizt. Es kann zu Magenschleimhautentzündungen und schlussendlich zu Magengeschwüren kommen. Länger als drei Stunden sollte also kein Pferd ohne Futter bleiben müssen.

Aber Futter ist auch nicht gleich Futter und nicht jede Fütterung wirkt Magengeschwüren entgegen. Stärke- und zuckerreiches Futter begünstigt beispielsweise die Erhöhung des Säuregehaltes in der Magenflüssigkeit. Außerdem wird Getreide von Pferden meist schnell gefressen, wenig gekaut und vor dem Schlucken zu wenig eingespeichelt. Der Speichel, der beim Kauen produziert und mit dem Futter abgeschluckt wird, erfüllt eine aber eine wichtige Schutzfunktion: Er enthält Bikarbonat und puffert Säure ab, was bedeutet, dass er einen Teil der Säure neutralisiert, so dass der Mageninhalt weniger sauer und damit weniger aggressiv ist.

Insofern kann man Magengeschwüren am besten mit strukturreicher Nahrung wie Heu entgegenwirken, denn das wird lange gekaut und vor dem Schlucken intensiv eingespeichelt. Hierin findet sich auch der Grund, warum man vor der Kraftfuttergabe Heu füttern soll: Im Magen haben sich durch den Speichel, der durch das Heukauen entstand, schon Puffersubstanzen gebildet, die einen Schutzschild vor der Magenschleimhaut errichten. Steht dem Pferd rund um die Uhr Heu zur Verfügung, ist das bereits eine sehr gute Prophylaxe gegen die Entstehung von Magengeschwüren und eine gangbare Alternative zur Weidehaltung.

Doch nicht nur die Art des Futters (Getreide, Saftfutter oder Raufutter) spielt eine Rolle im Kampf gegen Magengeschwüre. Mit Schimmel kontaminiertes Futter stellt ebenfalls ein hohes Risiko für Magengeschwüre dar. Ebenso ungünstig ist die Verfütterung großer Kraftfutterrationen, auf deren Verdauung der Pferdemagen, dem in der Natur ständig kleine Portionen zugeführt werden, nicht ausgerichtet ist.

Dazu kommt auch der Zeit- und der Stressfaktor, denn je mehr Zeit sich ein Pferd zur Futteraufnahme gönnen kann und je mehr Ruhe es dabei findet, desto geringer wird das Risiko von Magengeschwüren. Dabei spielt nicht nur die intensivere Einspeichelung eine Rolle, sondern auch der Stress, wenn ein rangniedriges Pferd von seinen Artgenossen immer wieder vom Heu oder vom Kraftfutter vertrieben wird. Dafür zu sorgen, dass auch langsame Fresser nicht um ihre Ration fürchten müssen, kein Futterneid entsteht, rangniedrige Herdenmitglieder nicht vom Futter vertrieben werden und während der Fütterung Ruhe herrscht, ist die Aufgabe des Pferdehalters. So sehr die Boxenhaltung den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes widerspricht – so hilfreich kann es sein, rangniedrige Pferde in einer abgeschossenen Box mit Sichtkontakt zur Herde zu füttern, denn so müssen diese Pferde nicht um ihre Ration fürchten und fühlen sich nicht gedrängt, ihr Futter minimal zerkaut und eingespeichelt hinunterschlingen zu müssen.

Entscheidend ist zusätzlich, dass das Training nicht zeitnah mit der Fütterung stattfindet. Ein vom Training gestresstes Pferd wird nicht in Ruhe fressen. Genauso hat aber auch der Magen keine Ruhe, das ankommende Futter zu verdauen, wenn kurz nach der Fütterung Arbeit angesagt ist. Eine Stunde Ruhe vor und nach den Kraftfuttergaben sollte eingehalten werden.

 

  • die Haltung

Es ist keine Frage, dass die Herdenhaltung auf der Weide eine gesundheitsfördernde Pferdehaltung ist – der Beweis dafür ist bereits erbracht, weil Weidepferde weniger gastroskopische Befunde zeigen, als Pferde mit ausschließlicher Stallhaltung. Aber in einer Herde herrscht eine Rangordnung, die mit jedem neu hinzukommenden Pferd erst einmal wieder neu ausgefochten werden muss.

Insofern sollte die Herdenkonstellation nicht ständig verändert werden, um Unruhe zu vermeiden. Wichtig ist auch ausreichend Fläche, damit die Pferde ihre Individuvaldistanz einhalten können und rangniedrige Tiere Platz zum Ausweichen finden. Wenn Heu auf der Weide oder im Sandpaddock zugefüttert wird, sollte sichergestellt sein, dass alle Pferde Zugang zum Raufutter haben und sich nicht nur ranghohe Tiere bedienen dürfen.

Wenn Pferde sich in ihrem Herdenverband wohl und sicher fühlen, wird aber auch jede Trennung von den Artgenossen zum Stressfaktor, der die Entstehung von Magengeschwüren begünstigt. Auch Transporte, Turnierbesuche, die Bearbeitung der Hufe durch den Schmied und die Behandlung durch den Tierarzt verursachen Stress. Meist sind sie nicht zu vermeiden, aber jede Situation, die möglichst entspannt durchgeführt wird, wird zur Magengeschwürprophylaxe.

Stress äußert sich aber auch in Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen, Weben, Boxenlaufen oder wenn Pferde sich selbst Verletzungen beibringen. Meist fehlt diesen Pferden ausreichend Bewegung, körperliche Auslastung und mentale Beschäftigung. Eine reine Stallhaltung sollte darum tabu sein, aber Pferde brauchen auch auf Sandpaddocks Anreize, um sich nicht zu langweilen, denn kleine Flächen laden nicht zum Bewegen ein.

Die Frage, ob man Stress für Pferde vermeiden kann, muss mit nein beantwortet werden, denn auch das natürlichste Pferdeleben ist nicht komplett stressfrei. Der Kampf um die Rangordnung, der Streit der Hengste um die Stuten, das Vertreiben der Jährlinge durch die wieder tragenden Mütter, Verletzung und Schmerzen – alle diese Faktoren bedeuten Stress.

 

  • Stressfaktoren für Fohlen und Jungpferde

Allerdings kommt beim domestizierten Pferd schon im Fohlenalter zusätzlicher Stress hinzu: Transporte zu Brennterminen und Fohlenschauen, die Behandlung von Erkrankungen, Wurmkurgaben, die Gewöhnung an den Schmied, die Trennung von der Mutter beim Absetzen oder ein niederer Rang in der Fohlenherde sind Faktoren, die dazu führen, dass bereits bis 50 Prozent der Fohlen bis zum Alter von vier Wochen bereits Magengeschwüre haben. Eine große Gefahr stellt überdies der Futterentzug dar: Wer die Mutterstute mehr als eine halbe Stunde von ihrem Fohlen trennt, riskiert, dass das Fohlen Magengeschwüre entwickelt, denn das Saugen am Euter füllt nicht nur den Magen und sorgt dafür, dass die Magensäure nicht überhand nimmt, sondern beruhigt das Fohlen auch.

Fohlen

Der Stress nimmt beim heranwachsenden Pferd nicht ab: das Training für Stuteneintragungen für dreijährige Pferdedamen, Hengstkörungen für die zweijährigen Pferdeherren, Freispringwettbewerbe, das Anreiten, erste Turnierstarts in Jungpferdeprüfungen, die Stutenleistungsprüfung für künftige Zuchtstuten, die Hengsleistungsprüfung für gekörte Hengste, der erste Ausritt ins Gelände – alles strapaziert das Nervenkostüm der Youngster. Dazu kommt, dass das Jungpferd den Wechsel vom Aufzuchtstall oder der Jungpferdweide in einen Ausbildungsstall verkraften muss. Hiermit verbunden ist meistens auch eine Futterumstellung und veränderte Haltungsbedingungen sowie der Wechsel von der Haltung in der Herde zur Einzelhaltung, verbunden mit dem Verlust der bekannten Artgenossen, deren Herdenverband dem jungen Pferd Sicherheit gab. Auch der Einzug in den Offenstall erfordert neue Situationen in einem neuen Umfeld, die Stress bedeuten, die aber beim Jungpferd auf dem Weg zum Erwachsenwerden kaum zu vermeiden sind.

 

  • Parasiten, Bakterien, Infektionen

Jede Infektionskrankheit bedeutet für den Organismus Stress, denn er muss sich gegen die Erregerkeime zur Wehr setzen. Ähnlich verhält es sich mit Parasiten wie Magendassellarven und Magenwürmern. Sie kosten den Organismus Energie und verursachen organischen Stress.

Viel diskutiert wird die These, dass die Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori der Auslöser für Magengeschwüre sein könnte. Bei menschen mit Magengeschwüren werden diese Bakterien häufig nachgewiesen. Bei Pferden konnte ein solcher Nachweis bislang aber nicht erbracht werden.

 

Entstehung, Symptome und Gefahren von Magengeschwüren


Zusammenfassen kann man das Fazit ziehen, dass es sich beim Magengeschwür beim Pferd um ein multifaktorielles (vielschichtiges) Geschehen handelt, das viele Ursachen findet.

Sie führen jedoch alle zum gleichen Problem: Einem Überschuss der im Magen vorhandenen Säure und einem Mangel der Faktoren (Säurepuffer Bikarbonat aus dem Speichel, Schleimschicht, welche die Magenschleimhaut selbst produziert), welche die Magenschleimhaut vor dem Säureangriff schützen. Das führt dazu, dass die Magenschleimhaut angegriffen und gereizt werden kann. Es können in der Folge Magengeschwüre entstehen, die sich als abgegrenzte Bereiche in der Magenwand darstellen, an denen die den Magen auskleidende Schleimhaut oder sogar die darunter liegenden Teile der Magenwand zerstört sind.

Das Magengeschwür hat nicht nur viele Namen wie Magenulkus, Ulzerative Gastropathie, Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS), sondern auch viele Gesichter.

Tatsächlich gibt es sogar Magengeschwüre, die zu keinerlei Symptomen führen. Das größere Problem ist jedoch, die Symptome als Anzeichen eines Magengeschwürs zu deuten. Sie sind nämlich oft so unspezifisch, dass man ihr Vorhandensein häufig erst nach einer erfolgreichen Therapie erkennt. Zum Beispiel wenn das Pferd plötzlich mehr Appetit entwickelt als zuvor, sein Verhalten sich zum Positiven verändert oder eine höhere Leistungsbereitschaft als vor der Behandlung feststellbar wird.

Häufiger findet man jedoch eines oder mehrere der folgenden klinischen Symptome, die unterschiedlich deutlich ausgeprägt sein können:

 

Ausgewachsenes Pferd:

  • Appetitlosigkeit, verbunden mit wählerischem (selektiven) Fressen

  • Gestörtes Fress- und Trinkverhalten

Oft kann man beobachten, dass Pferde mit vorhandenem Magengeschwür zuerst Interesse am Futter zeigen, plötzlich jedoch die Futteraufnahme nach kurzer Zeit wieder abbrechen.

  • Stetig wiederkehrende Koliken

Meist erscheinen die Symptome in abgemilderter Form und dauern nur kurz an

  • Vermehrtes Schlecken, Speicheln, Aufstoßen oder Koppen

Die Pferde versuchen dem „Sodbrennen“ durch Aufstoßen, Schlecken oder Koppen entgegen zu wirken. Durch die vermehrte Magensäurebildung wird die Speichelbildung in Gang gesetzt

  • Zähneknirschen oder Kauen ohne Futter

Oft stehen die betroffenen Pferde vor dem Futter und knirschen hörbar mit den Zähnen oder kauen, ohne Futter aufgenommen zu haben

  • Leistungsabfall, Müdigkeit, teilweise verbunden mit häufigem Gähnen

  • Apathie

  • Gestörtes Allgemeinbefinden

  • Gewichtsverlust

  • Aufgetriebner „Trommelbauch“

  • stumpfes Fell

  • Säuerlicher Geruch aus dem Maul

  • Häufiges Flehmen

  • häufig auch immer wiederkehrender Durchfall

 

Fohlen

  • Durchfall

  • Kolik

  • Rückenlage

  • Unterbrochenes Saugen

  • Starkes Speicheln

  • Zähneknirschen und/ oder Kauen ohne Futter

  • Schlechter Entwicklungszustand

  • Struppiges Haarkleid

  • Aufgedunsener Bauch

  • Fieber

  • Veränderung des Blutbildes

Dass die Auswirkungen eines Magengeschwürs das Wohlbefinden des Pferdes drastisch einschränken, ist keine Frage. Trotzdem würden Magengeschwüre auch ganz ohne behandelnde Therapie innerhalb von drei bis sechs Monaten abheilen – vorausgesetzt, dass der oder die auslösenden Faktoren beseitigt werden.

Allerdings besteht bei jedem Magengeschwür auch die Gefahr einer Komplikation, die damit hervorgerufen werden kann. Betroffen können davon der Bereich der Speiseröhre, des Magens und des Dünndarmes sein, denn beim Abheilen der Magengeschwüre entstehen Narben. Im Bereich des Magenausgangs und des anschließenden Darmabschnitts (Duodenum) können die zu Engpässen führen und die Passage des Nahrungsbreis beeinträchtigen. Dieser kann sich dann in den Magen zurück stauen. Die Folgen können Verstopfungen und Koliken sein.

In Fällen, in denen der Abfluss aus dem Magen durch Narben behindert ist, kann die Engstelle operativ erweitert werden. Allerdings ist diese Operation beim ausgewachsenen Pferd aufgrund der Größenverhältnisse meistens nicht machbar, während sie beim Fohlen gut durchgeführt werden kann.

Darüber hinaus können Magengeschwüre in den Magen hinein bluten. Im schlimmsten Fall „frisst“ sich das Geschwür durch die gesamte Magenwand. Weil dadurch ein Loch entsteht, spricht man dann von einem durchgebrochenen oder perforierten Geschwür. Der Durchbruch eines Magengeschwürs in den Bauchraum kann zu einer schwer heilbaren Bauchhöhleninfektion führen. Auch der Durchtritt des Mageninhaltes ist möglich. In diesem Fall könnte es zu einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung kommen, die mit Fieber, Schock und schwersten Koliksymptomen einhergeht. Die Heilungsprognose ist schlecht, denn meist führt diese Komplikation zum Tod des Pferdes.

Es ist also doch sinnvoll, die Abheilung des Magengeschwürs durch eine Behandlung zu unterstützen.

 

Verdachtsmoment und Diagnose


Wer bei seinem Pferd ein oder mehrere typische klinische Symptome beobachtet, die auf Vorhandensein eines Magengeschwürs hinweisen, sollte sich nicht alleine auf seine Verdachtsdiagnose verlassen. Sinnvoll ist es sicher zu gehen, denn nur eine Gastroskopie (Magenspiegelung) ermöglicht es dem Tierarzt, eine exakte Diagnose zu stellen.

Für die Gastroskopie wird ein mindestens zwei Meter langes, flexibles Endoskop (Gastroskop) über Nase und Speiseröhre bis in den Magen geschoben. Müssen Fohlen gastroskopiert werden, ist darum hierfür ein besonders dünnes Endoskop erforderlich. Anschließend kann die Schleimhaut des Magens, die Funktion des Magenausgangs und ein kleines Stück Dünndarm begutachtet werden. Um die Abwehr des Pferdes zu unterbinden, wird es mit Hilfe einer Sedation ruhig gestellt. Um die Schleimhautfalten besser darstellen zu können, sollte der Magen vorsichtig über eine Pumpe mit Luft gefüllt werden.

Zu beachten ist unbedingt, dass der Magen des Pferdes für die Gastroskopie leer sein muss, damit keine Futterbestandteile die Sicht verhindern. Das setzt voraus, dass das Pferd zuvor 12 bis 16 Stunden fastete und vier Stunden vor der Magenspiegelung auch nichts trinken konnte. Erreicht wird das vermutlich nur mit Hilfe eines Maulkorbs, denn selbst eine Spänebox ohne Raufutter ermuntert verfressene oder besonders hungrige Pferde, die Einstreu zu kosten.

Nun stellen gerade die Vorbereitungen zur Gastroskopie mit mindestens 12-stündigem Futterentzug und einer Sedation für ein Pferd mit Magengeschwür eine zusätzliche körperliche Belastung dar. Darum entscheiden viele besorgte Pferdebesitzer sich bei einem begründeten klinischen EGUS-Verdacht für die Durchführung einer so genannten diagnostischen Therapie. Hierbei wird das Pferd mit Medikamenten gegen Magengeschwüre behandelt – bessern sich die klinischen Symptome unter der Behandlung, spricht das für ein Vorliegen von Magengeschwüren.

Bei einem durch eine Diagnose bestätigten Magengeschwür empfehlen sich Kontrolluntersuchungen, die zum einen den Verlauf der Erkrankung und zum anderen den Therapieerfolg nachvollziehen lassen.

 

Therapie gegen Magengeschwüre: Allopathisch …


Die schulmedizinische Behandlung von Magengeschwüren ist situations- und symtomabhängig und setzt sich die Schmerzlinderung und eine beschleunigte Abheilung zum Ziel. Hierfür stehen der Veterinärmedizin zur Behandlung von Magengeschwüren bei Pferden folgende Substanzen zur Verfügung:

  • Säureblocker (wie Omeprazol) führen zu einer Verminderung der Säureproduktion im Magen und einem Ansteigen des pH-Wertes des Magensafts

  • Schleimhautschützende Substanzen wie Sucralfat. Es handelt sich hierbei um ein Aluminium-Salz von Saccharosesulfat, durch dessen Verabreichung ein Schutzfilm aus Sucralfat-Protein-Komplexen entsteht, der die Magenschleimhaut und einen möglichen Ulcusgrund bedeckt. Sucralfat bindet ferner auch Pepsin und Gallensäuren. Zusätzlich wirkt es durch Prostaglandin-, Bicarbonat- und Mucus-Bildung schützend auf die Schleimhaut

  • anorganische und organische Wismutverbindungen

  • Histamin-Antagonisten (Cimetidin) hemmen die Säureausschüttung im Magen

  • Prostaglandine wirken schützend auf die Schleimhaut

  • Antazida neutralisieren die Magensäure im Magen (z.B. Magnesiumhydroxid, Kalziumcarbonat)

  • Prokinetika erhöhen die Peristaltik des Magen-Darm-Traktes

  • Lezithin und Pektin werden als Futterzusätze angeboten, welche die Schleimschutzschicht auf der Magenschleimhaut verbessern, so dass die Magensäure weniger Schaden anrichten kann und die Magenschleimhaut geschützt wird (z.B. Pektin-Lecithin-Glycerin-Komplexe wie Pronutrin®)

Die zur Verfügung stehenden Arzneimittel zur medikamentellen Therapie bei Magengeschwüren reduzieren die Ausschüttung der Magensäure in den Pferdemagen. Dadurch soll die Regeneration der Magenschleimhaut ermöglicht werden. Darüber hinaus ist das Ziel dieser Behandlung die Prophylaxe vor neuen Magenschleimhautentzündungen.

Der Erfolg einer Therapie ist vom jeweiligen Fall abhängig – über längere Zeit bestehende Magengeschwüre sind therapieresistenter, als solche, die erst seit kurzer Zeit bestehen. Grundsätzlich ist die Heilungsprognose bei Magengeschwüren als positiv zu beurteilen, wenn die Behandlung konsequent und lange genug durchgeführt wird. Allerdings kann die Heilung auch Wochen dauern und die Medikamentengabe muss langfristig erfolgen.

 

und mit Heilkräutern


Die Phytotherapie hält einige Heilkräuter bereit, welche die Magengeschwüre bei der Heilung unterstützen können

Hierzu gehören:

  • Mädesüßkraut: Es hilft dabei , die Schleimhäute zu beruhigen und wieder herzustellen und wird zum Schutzes des Magen und des Darms eingesetzt und wirkt Sodbrennen, Magengeschwüren und Gastritis entgegen

  • Kamille: Besonders bekannt ist ihre heilende, krampflösende und schmerzlindernde Wirkung auf den Magen-Darmtrakt und in einer Mischung zusammen mit Fenchel, Anis und Kümmel bei Neigungen zu Kolik, Durchfall oder Verstopfung kann sie solchen Problemen vorbeugen und sogar bei stressanfälligen, nervösen Pferden, welche zu Krampfkoliken neigen, gleichzeitig an zwei Stellen heilen, indem Kamille den Verdauungstrakt und das Gemüt entspannt. Bei Magengeschwüren ist ihre antibakterielle Wirkung relevant, denn sie wirkt Entzündungen im Magen und Darm entgegen

  • Anis: Seine positiven Eigenschaften als verdauungsförderndes Mittel gegen Blähungen und seine verdauungsfördernde, krampflösende und entspannende Wirkung im Bereich der Magen-Darmproblemen macht seinen Einsatz bei Neigung zu Koliken sinnvoll.

  • Fenchel : Vor allem als Mittel gegen Magenprobleme ist der Fenchel zusammen mit Anis und Kamille im Prinzip das Mittel überhaupt bei Neigung zu Koliken und Verdauungsproblemen, denn er löst Krämpfe und Blähungen und kann bei allen Verdauungsproblemen angewendet werden. Seine entzündungshemmende Wirkung unterstütz das Abheilen von Magengeschwüren

  • Kümmel: Als Magenmittel hat sich das ätherische Öl des Kümmels bewährt, denn es verhindert Blähungen und wirkt entkrampfend, weil es die Magensaftsekretion anregt und so die Verdauung fördert. Damit ist Kümmel ein sehr gutes Heilmittel zur Vorbeugung bei Pferden, die zu Koliken neigen und kann bei Futterumstellung oder Stress Magen- und Darmtrakt beruhigen.

  • Hopfen: Er bewährt sich bei der Anwendung gegen nervöse Unruhe bis hin zu Angstzuständen, aber er wirkt auch krampflösend bei Magenbeschwerden, hat entblähende Eigenschaften und hilft gegen Anfälligkeit für nervöse Magenbeschwerden, wie Durchfall oder Stresskoliken. Neben der beruhigenden Wirkung des Hopfens wirkt er aufgrund seiner speziellen Bitterstoffe auch antibakteriell, also bakterientötend, entzündungshemmend und schmerzstillend

  • Pfefferminze: Ihr Hauptanwendungsgebiet ist der positive Einfluss, welchen sie auf den Magen-Darmtrakt ausübt, denn sie ist verdauungsfördernd, entblähend, wirkt gegen Durchfall und krampflösend bei der Neigung zu Koliken.

  • Melisse: Die traditionelle Anwendung findet die Melisse zur Beruhigung des Nervensystems, womit sie gegen stressbedingte Koliken und vorbeugend gegen Magengeschwüre helfen kann. Sie wird auch als Mittel zur Hilfe bei Verdauungsbeschwerden aufgrund ihrer entblähenden und krampflösenden Wirkung verwendet.

  • Malve: Die zarte Pflanze eignet sich nicht zur Aufkochung, sondern sollte nur als Kaltauszug Anwendung finden, weil sonst ihre wertvollen und hilfreichen Schleimstoffe, welche einhüllend auf die Magenschleimhaut wirken, zerstört würden

  • Oregano: Wirkt antioxidativ, was bedeutet, dass oxidative Schäden an kleinen Kapillaren sinken. Außerdem hemmt Oregano das Bakterium Helicobacter pylori, das Magengeschwüre auslösen kann und Botenstoffe, die zu unkontrolliertem Gewebewachstum und Gewebeschäden führen

  • Bockshornkleesamen: Er ist ein hervorragendes Mittel bei allgemeiner Schwäche des Körpers und des Organismus ist und in Zeiten der Rekonvaleszenz eine gute Hilfe sein kann, um Pferde wieder ans Fressen zu bekommen, denn besonders bewährt hat sich der Einsatz von Bockshornkleesamen auch als Appetitanreger bei schwerfuttrigen Pferden, bei älteren Pferden zum Entgegenwirken von Gewichtsverlust durch schlechte Verdauung und zum Auffüttern bei mageren Tieren, sowie als Mittel zur Vorbeugung gegen Verdauungsprobleme

  • Ulmenrinde: Im Bast der inneren Ulmenrinde befindet sich der wertvolle Schleim, welcher dem des Leinsamens in seiner magenfreundlichen Wirkung nicht unähnlich ist. Er enthält Hexosen, Pentosen, Methylpentoses, Hexosans (Zuckermolekül-Verbindungen) und Polyuronide (Pektin) sowie Gerbsäuren (3 %), Stärke, Mineralien, Phytoesterols (Cholesterin), Sesquiterpene (Moose), Kalziumoxalat; ferner Fettsäuren, wie Caprylic Acid, die bei der Anwendung Pilzbefall verhindern (Candidapilz). Bekannt wurde die Ulmenrinde in Verbindung mit der natürlichen Entwurmung und Entgiftung, denn ihr Schleim erfasst Abfallstoffe in allen Bereichen des Körpers, einschließlich Darm, und hilft dann, sie auszuscheiden. Somit können auch die abgetöteten Würmer ausgeleitet werden. Der Grund für ihre entgiftende Wirkung ist vor allem die Reflexanregung der Nervenenden im Magen- und Darmbereich, welche zur Absonderung des Schleims durch die Membranen der urinausscheidenden Organe führt. Ulmenrinde wird in der Regel von Tieren (auch von Katzen) sehr gerne genommen, weil sie mild und süßlich schmeckt. Ulmenrinde kann auch den Appetit anregen und beim Zunehmen helfen, wenn die Tiere trotz guten Appetits abnehmen.

Die Kräuter sind in der Kräutermischung „Magenfit“ für Pferde mit Magengeschwür, vermehrter Magensäureproduktion, empfindlichem Magen und Kolikneigung enthalten.

Kräuter gegen Magengeschwüre

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Besonders wichtig ist natürlich die Vermeidung von Stress. Allen Stress jedoch vermeiden zu wollen, hieße jedoch, die gesamte Domestikation des Pferdes in Frage zu stellen, denn wo man Pferde sportlich nutzt, werden sie immer Stress ausgesetzt sein. Darüber hinaus bleibt ein Pferd, das ausschließlich auf der Weide steht, auch nicht vom Stress verschont. Trotzdem sollte gerade bei magensensiblen Pferden auf eine artgerechte Haltung und ein entspannter Umgang geachtet werden, denn schon das Bemühen, die Hektik der heutigen Zeit, die auch uns Magengeschwüre bereitet, nicht auf unseren Partner Pferd zu übertragen, kann eine effiziente Magengeschwür-Prophylaxe sein.

Wenn Getreide gefüttert werden soll, empfiehlt sich eher fusarienfreier Hafer (frei von Schimmelpilzgiften), als andere Getreidesorten. Idealerweise sollte der Hafer gekocht verfüttert werden. Allerdings gilt auch hierbei, dass Heu immer vor dem Kraftfutter gegeben werden muss, damit genügend Speichel gebildet und geschluckt werden konnte, der Bikarbonat enthält und die Magensäure vor der Magenschleimhaut abpuffert.

Wir wünschen all Euren magensensiblen Pferden gute Besserung und den bereits gesunden Pferde weiterhin Gesundheit und Wohlbefinden.

Euer Team von der Kräuter- und Gewürzmanufaktur Neumann

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