Kräuter - Kuren für den Futtertrog

19.07.2014 14:33 | Inhaltsstoffe und Ihre Wirkung

 

Kräuter-Kuren für den Futtertrog


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

 

Kurmässige Anwendung über drei Wochen/ tägliche Dosis 50 – 100 Gramm

  • unterstützend zu einer Therapie
  • entlastend als Jahreszeiten – Kur
  • zum Aufbau in der Rekonvaleszenz
  • nach Krankheiten
  • zur Vorbeugung
  • Kräutermischungen eignen sich zwar zur dauerhaften Anwendung, aber damit keine Gewöhnung eintritt und die Heilkräuter in ihrer Wirkung nur noch abgeschwächt aufgenommen werden können, sollte nach einer Anwendung von drei Monaten jeweils eine Pause von drei Wochen eingelegt werden.

Kräutermischungen werden am besten mit kochendem Wasser als Aufguss über das Futter verabreicht. Nach meiner Erfahrung wurden sie am Besten angenommen, wenn wir sie in feine Melasseschnitzel gaben, diese dann mit dem kochenden Wasser übergossen und anschließend abgedeckt mindestens 30 Minuten ziehen und quellen ließen, bis sie auf handwarme Temperatur abgekühlt waren und die Pferde sie fressen konnten.

Aber es gibt natürlich auch andere Möglichkeiten, Heilkräuter anzuwenden und empfehlen sie sich als

  • direkte Gabe in frischer oder getrockneter Form
  • Aufguss mit kochendem Wasser (Teeanwendung oder Infus)
  • Absud
  • Abkochung (Dekokt)
  • Kaltauszug (Mazerat)
  • Tinktur
  • Öl
  • Salbe

Indian Summer   

Die Dauer der Anwendung von Kräuterkuren


Die Phytotherapie sollte nur in Ausnahmefällen als Langzeittherapie angewendet werden, da bei allen Anwendungen von allen Heilkräutern eine eventuelle und unerwünschte Gewöhnung eintreten kann.

Eine Heilkräuterkur dauert in der Regel mindestens drei Wochen, wobei manche Kräuter erst nach sechs Wochen ihre vollumfassende Wirkung erreichen, aber sie sollte auch nicht länger als drei Monate bei akuten Erkrankungen und nicht länger als sechs Monate bei chronischen Beschwerden angewendet werden, weil sich der Organismus sonst an die Wirkstoffe gewöhnt und die Heilkraft der Kräuter durch die Langzeitwirkung abgeschwächt wird oder sogar ganz nachlässt.

Nach einer Daueranwendung sollte darum eine Pause von mindestens drei Monaten eingelegt und bei Bedarf vorübergehend ein anderes Kraut mit ähnlicher Wirkung verwendet werden. Anschließend kann man das Heilkraut wieder problemlos für mindestens drei Monate verwenden und sicher sein, dass es seine positiven Eigenschaften an den Körper abgibt und er sie auch aufnimmt.

Bei wenigen chronischen Krankheiten, wie Dämpfigkeit, Hufrollenerkrankung oder Hufrehe, welche eine dauerhafte Gabe von Kräutern erforderlich machen, kann eine durchgehende Anwendung über zwölf Monate angezeigt sein, doch auch hier sollte dann eine mindestens sechswöchige Pause eingelegt werden, wobei z.B. die Wirkung von Ingwer auch bei Daueranwendung über mehrere Jahre keine nachlassende Wirkung zeigte und ich ihn auch bei Kräuterpausen weiter anwendete.

 

Die Dosierung der Heilkräuter zur innerlichen Anwendung


In der Regel nimmt man bei Einzelkräutern pro Gabe 30 Gramm der getrockneten Pflanze, wobei z.B. Thymian mit höchstens 15 Gramm dosiert werden sollte, da eine höhere Dosierung zu Herzrhythmusstörungen führen kann, ebenfalls sollte die Teufelskralle und der Mönchspfeffer nur mit 15 Gramm verfüttert werden und z.B. Schöllkraut ist leicht giftig und sollte darum nur in geringen Dosen von höchstens 10 Gramm in Mischungen verwendet werden.

Bei frisch verwendeten Kräutern entsprechen 30 Gramm getrocknete Substanz ungefähr 100 Gramm, also einer handvoll, frischen Pflanzen.

Bei Mischungen stellt man in der Regel für Kuren eine Mischung von einem Kilogramm her und nimmt dafür fünf bis zehn verschiedene Heilkräuter von denen man dann je 100 bis 200 Gramm in die Mischung gibt, und dann pro Tag 50 bis 100 Gramm dieser Mischung an ein Pferd verfüttert.

Setzt man eine Kräutermischung nur kurzfristig bei einer akuten Krankheit (Husten, Lahmheit, Pilzerkrankung) bis zur Genesung ein, so nimmt man pro Tag und Gabe in der Regel 10 – 20 Gramm pro Heilkraut, je nachdem wie viele Kräuter man gleichzeitig verwendet. Mehr als zehn Kräuter sind jedoch nicht immer sinnvoll gleichzeitig einzusetzen, sodass man nicht über eine Gabe von 100 Gramm Heilkräuter pro Tag und Pferd kommen sollte.

Manche Kräuter können bei wählerischen Pferden zur Futterverweigerung führen. Hier kann man entweder Traubenzucker oder Honig unter den Auszug oder das Futter mischen. Bei Ingwer hilft meist, ihn unter Apfelmus zu rühren, um ihn den Pferden schmackhaft zu machen.

 

Die Haltbarkeit von Kräutern


Frische Kräuter sollten möglichst gleich am Tag der Ernte verfüttert werden, (eine Ausnahme sind Brennnesseln oder Disteln, die meistens erst am Tag nach dem Schnitt gefressen werden) da sie sonst verderben oder bei Wärme die Pflanzensäfte zu gären beginnen.

Erntet und trocknet man Heilkräuter selbst, ist darauf zu achten, dass die Trockentemperatur 35 Grad Celsius nicht überschreitet und die Pflanzen nicht dem prallen Sonnenlicht ausgesetzt werden, da sonst wichtige Inhaltsstoffe, wie z.B. die ätherischen Öle verdampfen und verloren gehen.

Ideal ist zum Trocknen der Pflanzen ein Dörrapparat. Hat man jedoch keinen Dörrapparat zur Verfügung, sollte man die Kräuter in einem luftigen, trockenen Raum auslegen, da sie bei feuchtem Raumklima schnell schimmeln und dann verdorben sind.

Ich bewahre die getrockneten Kräuter jeweils in mit ihrem Namen beschrifteten Papiertüten auf, da sie in geschlossenen Behältern, bei geringer Restfeuchtigkeit ebenfalls zu schimmeln beginnen und sie in einer Papiertüte trocken, luftig und dunkel lagern – alle drei Faktoren tragen zur Haltbarkeit bei.

Doch auch bei optimaler Lagerung nehmen die Wirkstoffe mit der Zeit ab und so sollte man getrocknete Kräuter nicht länger als ein Jahr aufbewahren und die Bevorratung an Kräutern so einrichten, dass sie spätestens nach einem Jahr verbraucht sind.

Öle, Salben und Tinkturen sollten möglichst kühl und dunkel gelagert werden. Hier empfiehlt es sich, sie in dunkle Apothekerglasflaschen zu füllen und sie gut verschlossen an einem kühlen Ort zu lagern. Auch hier gilt, dass sie Wirkstoffe nach einem Jahr abnehmen und man Öle und Tinkturen nach einem Jahr aufgebraucht haben sollte um sich der vollen Wirksamkeit sicher sein zu können.

Frisch gepresste oder gezapfte Pflanzensäfte vergären schnell. Man sollte entweder nur die Portion herstellen, die man an einem Tag benötigt oder sie in verschlossenen Glasflaschen im Kühlschrank aufbewahren, aber auch hier kann nach drei Tagen der Gärprozess einsetzen, weshalb man sie, wenn man sie länger anwenden möchte, in kleinen Portionen einfrieren sollte.

Ebenfalls nicht zur längeren Lagerung geeignet sind Pflanzenaufgüsse. Für sie gilt das Gleiche, wie für die Pflanzensäfte, denn man sollte sie möglichst in den Mengen herstellen, welche man pro Tag braucht, oder sie in einer verschlossenen Glasflasche oder einem Marmeladenglas (nie in einem Metallgefäß) im Kühlschrank lagern – jedoch auch nicht länger als drei Tage.

Kräutermischung Aufatmen

 

Anwendungsarten von Heilkräutern


Die direkte Anwendung als frische oder getrocknete Pflanze

Die meisten Heilkräuter kann man auch als frische oder getrocknete Pflanze direkt ins Futter des Pferdes geben, denn sie werden in der Regel problemlos mitgefressen. Lediglich bei sehr wählerischen Pferden kann es sinnvoll sein, zur Geschmacksverbesserung Honig oder Traubenzucker zuzufügen oder nur den Aufguss zu verwenden.

Bei leicht giftigen Pflanzen wie der Mistel sollte nur der Kaltauszug, in welchem sich das Gift nicht aus der Pflanze löst, Verwendung finden und die Pflanzenteile nicht mitverfüttert werden.

Ebenso kann es bei Hölzern, Wurzeln oder sehr harten Pflanzenteilen sinnvoll sein, sie entweder pulverisiert, als Tinktur oder als Aufguss zu verwenden.

  • Der Aufguss mit kochendem Wasser (Teeanwendung oder Infus)

Die verbreitetste Form, Heilkräuter an Pferde zu verabreichen ist der Aufguss, bei dem die frischen oder getrockneten Pflanzen- oder Pflanzenteile wie Teekräuter mit kochendem Wasser überbrüht und dann anschließend 15 Minuten zugedeckt ziehen sollen. Man kann diesen Sud handwarm über das Futter gießen. Die Pflanzenteile können ebenfalls ins Futter gegeben werden und müssen nicht herausgesiebt werden.

In der Regel nimmt man bei Anwendung eines Einzelkrautes 30 Gramm der getrockneten Kräuter, bei frischen Pflanzen entsprechend mehr (ca. 100 Gramm) oder bei der Anwendung einer Kräutermischung je getrocknetem Kraut 10 Gramm, auch hier werden von frischen Pflanzen entsprechend mehr (ca. 30 Gramm) benötigt und übergießt die Kräuter mit 300 bis 500 ml kochendem Wasser. Der Aufguss kann dann innerlich angewendet werden.

Bei uns hat sich die Methode bewährt, die Kräuter über 500 Gramm trockene feine Melasseschnitzel oder Fertigmash zu geben, welche dann mit kochendem Wasser überbrüht und 30 Minuten zugedeckt stehen gelassen werden, bis der Brei auf handwarm abgekühlt ist und den Pferden verabreicht werden kann.

  • Der Absud

Der Absud wird im Prinzip nach dem gleichen Verfahren hergestellt wie der Aufguss oder Teezubereitung. Da er jedoch vor allem äußerlich als Wundauflage, Waschung, Umschlag oder Kompresse verwendet wird, werden die Kräuter aus der Flüssigkeit herausgefiltert. Man kann die Kräuter durchaus noch verfüttern oder als Wundauflage verwenden.

Mit dem Absud tränkt man die Watte, das Mulltuch, bzw. Baumwolltücher oder Bandagenunterlagen und legt diese dann auf die betroffenen Körperstellen auf.

  • Die Abkochung (Dekokt)

Besonders harte Pflanzenteile werden als Abkochung zubereitet. Dies gilt vor allem für Wurzeln und Hölzer. Hierbei gibt man 30 Gramm der Hölzer oder Wurzeln in einen Kochtopf mit ca. einem halben Liter kaltem Wasser und lässt die Mischung auf dem Herd langsam aufkochen und anschließend noch weitere 5 bis 10 Minuten weiterkochen. Anschließend ist es sinnvoll, den Topf abgedeckt stehen zu lassen, bis die Flüssigkeit auf handwarme Temperatur abgekühlt ist. Nun können die Wurzel- oder Holzstücke aus dem Sud genommen und die Flüssigkeit über das Futter gegossen werden.
 

Kräuter, die viele ätherische Öle haben, sollten nicht abgekocht werden, da sich die ätherischen Öle sonst verflüchtigen würden.

  • Kaltauszug (Mazerat)

Ein Kaltauszug ist bei allen Blüten, Kräutern oder schleimhaltigen Wurzeln, deren Wirkstoffe zu empfindlich sind und durch die Hitzeeinwirkung des kochenden Wassers zerstört werden würden sinnvoll.

Bei der Mistel kommt beispielsweise noch hinzu, dass der leichte Giftstoff, den die Mistel enthält, sich nicht in kaltem Wasser löst und ein Mistelkaltauszug daher ungefährlich ist.

Die Kräuter oder Pflanzenteile (30 Gramm auf einen halben Liter Wasser)  werden für den Kaltauszug mit kaltem Wasser gut bedeckt. Anschließend lässt man sie zugedeckt am besten über Nacht acht bis 12 Stunden ziehen und filtert vor dem Verfüttern die Kräuter heraus und den Kaltauszug entweder direkt übers Futter zu geben oder ihn auf handwarme Temperatur zu erwärmen.

Wichtig ist, dass man für Kaltauszüge nur einwandfreie Kräuter bekannter Herkunft verwenden sollte, denn im Gegensatz zu gekochten oder überbrühten Kräutern werden eventuelle Krankheitserreger beim Kaltauszug nicht durch Hitze abgetötet.

Typische Pflanzen für Kaltauszüge sind:

  • Baldrianwurzel
  • Hagebutten
  • Wasserdost
  • Königskerze
  • Engelwurz
  • Eibisch
  • Malve
  • Mistel

 

Die Herstellung und Anwendung von Tinkturen


Eine Tinktur ist ein Kräuterauszug, welcher mit Hilfe von Alkohol hergestellt wird.

Hierzu verwendet man am besten einen handelsüblichen Doppelkorn mit 40% Vol. Zwar gibt es in der Apotheke auch 70% Alkohol für Tinkturen zu kaufen, doch er ist teurer und eine wirkliche Verbesserung der Qualität konnte ich nicht feststellen.

Man nimmt zur Herstellung einer Tinktur ca. 30 Gramm getrocknete oder 100 Gramm frische Kräuter (je nach Größe des Behälters) und gibt sie zusammen mit 300 ml Alkohol in ein Glas mit Schraubdeckel, wobei die Kräuter gut mit der Flüssigkeit bedeckt sein sollen. Das anschließend gut verschlossene Glas sollte nun an einem warmen, am besten sonnigen Platz stehen und die Kräuter sollten darin mindestens zehn Tage, besser aber sechs Wochen ziehen – je länger die Kräuter in der Flüssigkeit verbleiben, desto intensiver wird die Tinktur in ihrer Wirkung.

Wenn die Mischung fertig ist, filtert man sie am besten durch einen Kaffeefilter oder ein Gazetuch und gießt sie zur Lagerung in eine dunkle Flasche.

Da Tinkturen je nach Pflanzenessenz, wie zum Beispiel bei Arnika, sehr stark in ihrer Wirkung sind, sollte man sie immer nur verdünnt anwenden. Die Tinktur kann nun in der Regel 1:5 verdünnt äußerlich als Umschlag oder Waschung angewendet werden, bzw. 1:10 verdünnt als Spülung oder Kompresse.

Tinkturen dürfen auch verdünnt nicht im Bereich des Auges angewendet werden!

Man kann Tinkturen auch als Basis für Heilsalben verwenden, bzw. sie tropfenweise in Melkfett einrühren, wenn es schnell gehen muss.

Die innerliche Anwendung von Tinkturen bei Pferden ist aus zwei Gründen schwierig, denn zum einen lehnen viele Pferde den Geruch und Geschmack von Alkohol ab und zum anderen ist die Tinktur in ihrer Wirkung stärker und oft sehr viel unvorhersehbarer als bei einem Aufguss. Zwar kann man, wenn es schnell gehen soll und keine Zeit oder Möglichkeit besteht einen Aufguss herzustellen, die Tinktur mit Wasser 1:50 verdünnt ins Futter mischen oder wenn das Pferd die Nahrung verweigert oder den Geruch nicht akzeptiert 10 Tropfen, vermischt mit 30 ml Wasser in eine Einwegspritze gefüllt, direkt ins Maul geben, aber die optimalste Lösung, Kräuter ins Pferd zu bekommen sind Tinkturen nicht.

Zwar habe ich auch gute Erfahrungen gemacht, wenn ich wenige Tropfen Pfefferminztinktur mit Wasser vermischt in ein Sprühfläschchen gefüllt und über das Heu und die Einstreu von hustenden Pferden gesprüht habe, um ihnen die Atmung zu erleichtern, aber da Tinkturen die Schleimhäute reizen können, ist die innerliche Anwendung für eine länger Anwendung ungeeignet.

 

Herstellung und Anwendung von Heilkräuterölen


Oft als Einreibung oder zur Herstellung von Salben werden Heilpflanzen als Ölauszug verwendet, den man entweder kaufen oder selbst herstellen kann.

Wie bei der Herstellung von Tinkturen benutzt man dazu entweder 30 bis 50 Gramm getrocknete oder 100 bis 150 Gramm frische Pflanzen, welche man in ein Glas mit Schraubdeckel gibt, welches nun zu 2/3 mit den Kräutern gefüllt sein sollte. Nun gibt man 150 bis 250 ml eines hochwertigen pflanzlichen Öles wie Olivenöl, Distelöl, Mandelöl oder Jojobaöl hinzu, wobei natürlich Mandelöl und Jojobaöl noch einen zusätzlich hautpflegenden Effekt haben, aber auch teurer und meist nur in Apotheken oder Reformhäusern erhältlich sind, als die handelsüblichen Oliven- oder Distelöle, welche man im Supermarkt kaufen kann. Außerdem sind Jojobaöl und Mandelöl nicht zur innerlichen Anwendung geeignet.

Sollte das Glas mit der Pflanzen/Öl-Mischung nicht ganz gefüllt sein, gibt man von beiden Substanzen noch etwas hinzu, bis das Glas wirklich voll ist. Anschließend wird es verschlossen und möglichst für 3 bis 6 Wochen in die Sonne gestellt. Wenn es soweit ist, dass man es benutzen kann, werden die Pflanzenteile herausgefiltert, das Öl in eine dunkle Flasche umgefüllt und an einem kühlen Ort gelagert.

Ölauszüge können aber auch mit getrockneten Pflanzenteilen und Öl im Winter hergestellt werden, wenn keine Möglichkeit besteht, die Sonnenwärme zu nutzen, bzw. wenn keine frischen Pflanzen wachsen und geerntet werden können, indem man das Öl mit der Pflanzensubstanz erhitzt. Diese Methode eignet sich auch für Ölauszügen aus Wurzeln wie zum Beispiel der Beinwellwurzel.

Wie bei der ersten Herstellungsweise von Ölauszügen werden auch hier Pflanzen, in diesem Fall dann in getrockneter Form oder die Wurzeln (frisch oder getrocknet) zerkleinert in ein Glas mit Schraubdeckel gegeben, sodass 2/3 des Behälters damit gefüllt ist und das Öl hinzugefügt, bis das Glas voll ist. Nun wird das Glas mit dem Schraubdeckel verschlossen und in einen Topf mit Wasser gestellt, welches auf dem Herd langsam zum köcheln gebracht wird. Nach ca. 15 Minuten im köchelnden Wasserbad, stellt man die Herdplatte aus und lässt das Öl langsam abkühlen.

Natürlich kann diese Methode speziell bei Wurzeln auch im Sommer angewendet werden. Dann stellt man anschließend das Öl an einen sonnigen Platz, während man es im Winter möglichst nah an die Heizung stellen sollte.

Sinnvoll ist es, das Öl einmal täglich zu schütteln. Verwenden kann man es nach ca. einer Woche, wobei auch hier gilt, dass je länger die Pflanzenteile Zeit haben, ihre Wirkstoffe in das Öl abzugeben, desto stärker wirkt das Öl bei der Anwendung.

Bevor man das Öl jedoch verwendet, gießt man es zusammen mit den Pflanzen- oder Wurzelstückchen durch einen Kaffeefilter in ein Glasgefäß wie zum Beispiel ein weiteres Marmeladen- oder Einweckglas, da es schwierig ist, das Öl direkt in eine dunkle Apothekerflasche, in der es optimaler Weise gelagert werden sollte, zu filtern, denn zum einen wäre der Flaschenhals zu eng um die gesamte Menge Öl aus dem Kaffeefilter in die Flasche zu bekommen, ohne dass nicht ein großer Teil daneben fließt und zum anderen tropft das Öl nur sehr langsam durch den Filter und dieser Vorgang doch auch etwas länger dauern, bis die gesamte Menge des Öles durch den Filter floss – bei einer instabilen Flasche ist die Gefahr des Umkippens also sehr viel größer, als bei einem bauchigen Marmeladen- oder Einweckglas. Zur Lagerung sollte das Öl aber noch einmal in eine dunkle Apothekerflasche gefüllt und kühl gelagert werden, damit das Öl nicht ranzig wird.

Die Ölauszüge aus Pflanzenteilen können wie auch die Tinkturen für die Salbenherstellung weiterverwendet werden, nur dass dann keine weitere Ölzugabe nötig ist, sondern nur noch ein Konsistenzgeber beigefügt werden muss, welcher der Salbe die Festigkeit und Streichfähigkeit verleiht.

Ölauszüge werden vor allem äußerlich zur Einreibung verwendet. Innerlich angewendet unterstützt zwar zum Beispiel das Johannisöl den Verdauungsapparat, aber auch hier gilt, wie bei den Tinkturen, dass Pferde bestimmte Öle aufgrund ihres Geschmacks oder Geruchs nicht mögen und sich Jojobaöl und Mandelöl als Grundlage für einen Ölauszug verwendet, nicht für die innerliche Anwendung wie ein Speiseöl eignen und der einfachere Weg, die Heilwirkung der Pflanzen ins Pferd zu bringen, ist trotzdem der Aufguss oder die Verabreichung getrockneter oder frischer Kräuter direkt über das Futter.

  • Ausnahmen bilden das fertige Heilölprodukt

- Colosan von Dr. Schaette, welches bei Kolik mit 18 ml pro Tier und Gabe direkt ins Maul verabreicht wird und keimwidrig durch die Inhaltsstoffe chinesisches Zimtöl und Schwefel, sowie krampflösend durch Anisöl, Fenchelöl und Kümmelöl wirkt sowie

- Kaschmieder Magen-Darm-Elixier von der Chemischen Fabrik Twistringen, welches ebenfalls bei Kolik mit 18 ml pro Tier und Gabe direkt ins Maul verabreicht wird

 

Bewährt haben sich als Heilkräuterölauszug zum selbstherstellen vor allem:

  • Johanniskrautöl

Es ist bekannt für seine Heilwirkung zur Einreibung bei Muskelschmerzen, leichten Verbrennungen, infizierten Wunden, Geschwüren und Neuralgien. Allerdings sollte bei Schimmeln, Schecken oder Pferden mit sehr lichtempfindlichen Haut das Öl im Sommer nicht angewendet werden, bevor das Pferd nach draußen gestellt wird, da Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut noch steigert und es so zu Sonnenbrand kommen kann.

Bei der Herstellung von Johannisöl sollte man keine getrockneten, sondern frische Blüten verwenden , da ihre Wirkstoffe sich sehr viel besser auf das Öl übertragen.

Johanniskrautöl hat eine rötliche Färbung, welche man auch feststellen kann, wenn man die Blätter der Johanniskrautblüten zwischen den Fingern zerreibt.

  • Ringelblumenöl

Besonders bewährt hat sich Ringelblumenöl zur Einreibung bei Hautirritationen, wie Verletzungen, Ekzemen oder auch bei Mauke, denn es wirkt wundheilend, entzündungshemmend und schmerzlindernd.

  • Beinwellöl

Als Grundlage von Salben wird Beinwellöl vor allem verwendet, aber es eignet sich auch sehr gut dazu, es direkt auf die Haut gegen Ekzeme und zur Wundheilung aufzutragen oder die betroffenen Stellen bei Problemen des Bewegungsapparates damit einzureiben.

 

Die Herstellung und Anwendung von Salben


Salben werden äußerlich überall da angewendet, wo sie heilend und wundabdeckend Verwendung finden und wo Kompressen oder Umschläge mit Absud schwierig anzubringen sind.

Wichtig in der Salben- und Cremeherstellung sind:

  • Öle
  • Konsistenzgeber, sind nur bei Cremes wichtig, damit sie nicht zu fest, aber auch nicht zu flüssig sind und werden bei Salben nicht benötigt. Hierzu gehören
    • Fettlösliche Verdickungsmittel:
    • Bienenwachs, gute Schutzwirkung, bleibt als Film schützend stehen. Leichte Emulgatorwirkung als Co-Emulgator. Härtet recht stark.
    • Kakaobutter, aus Kakaobohnen, bietet gute Zusatzfettung. Härtet nur wenig.
    • Shea-Butter, ein Stoff, der auch in der Haut vorkommt. Wird aus dem    afrikanischen Karite Baum gewonnen. Sehr heilsam und macht die Creme schön streichfähig. Hat einen geringen, natürlichen Lichtschutzfaktor. Leichte Emulgatorwirkung als Co-Emulgator. Härtet schwach.
    • Lanolin (Wollwachs), sehr weich, aber gute Heilwirkung. Gute Emulgatorwirkung. Härtet nur sehr wenig
    • Cetylalkohol, eine feste Substanz, die hauteigenen Substanzen ähnelt und daher      leicht einzieht. Stabilisiert Emulsionen. Härtet sehr stark.
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    • Wasserlösliche Verdickungsmittel zur Kaltanwendung
    • Gelbilder, für wässrige, kaltgeschüttelte Gels.
    • Xanthan, für wässrige, kaltgeschüttelte Gels.
    • Gelatine, für wässrige, erhitzte Gels.
    • AgarAgar, für wässrige, gekochte Gels.
    • Johannisbrotkernmehl, für gekochte Anwendungen.
  • Emulgatoren sind in der Herstellung von Salben nicht nötig, aber Cremes enthalten einen Wasseranteil und hier sind Emulgatoren das Geheimnis, das den Unterschied zwischen Salbe und Creme ausmacht, denn normalerweise trennen sich Fett- und Wassermoleküle und lassen sich nicht zu einer Einheit verbinden. Doch durch Emulgatoren, welche sich auf der einen Seite mit dem Wasseranteil und auf der anderen Seite mit dem Fettanteil verbinden, entstehen Emulsionen. Jede Creme ist eine Emulsion.

Je nachdem, ob der Wasser- oder der Fettanteil höher ist, unterscheidet man verschiedene Arten von Emulsionen:

  • Viel Öl gruppiert sich um wenig Wassermoleküle: Wasser-in-Öl-Emulsion (W/O).
  • Viel Wasser gruppiert sich um wenig Ölmoleküle: Öl-in-Wasser-Emulsion (O/W).

Die meisten Emulgatoren sind auf einen Emulsionstyp spezialisiert. Nur wenige Emulgatoren können beide Arten von Emulsion bilden, je nachdem, in welchen Anteilen man Fett und Wasserbestandteile zusammenfügt.

Cremes bestehen aus einer Fettphase, einer Wasserphase und einem Emulgator, der die beiden verbindet.

Salben bestehen ausschließlich aus fetten oder fettverträglichen Anteilen. Sie brauchen keinen Emulgator, sind in ihrer Konsistenz jedoch teilweise eigenwillig.

  • Wasser
  • Heilkräuter als wirksame Substanzen

Zur Herstellung von Salben mischt man Öl (z.B. Olivenöl, Distelöl, Mandelöl oder, Jojobaöl) und einen Konsistenzgeber (z.B. Bienenwachs) miteinander und lässt die Mischung im Wasserbad miteinander verschmelzen und erhält, nachdem die Mischung abgekühlt ist, eine streichfähige Konsistenz, welche mit dem Wirkstoffgeber (getrocknete und pulverisierte Pflanzenteile oder Tinktur) vermischt wird.

Da die Konsistenz jedoch stark vom jeweilig verwendeten Öl und Konsistenzgeber abhängig ist und bei der Verwendung von Tinkturen noch einmal Flüssigkeit hinzukommt, welche die Salbe weicher macht, können die Mengenangaben leicht variieren, bzw. sollte die Salbe bei Verwendung von Tinkturen als Wirkstoffgebergeber mit etwas mehr Konsistenzgeber hergestellt werden.

 

Salben Grundrezept

  • 30 ml Öl (Olivenöl, Distelöl, Mandelöl oder Jojobaöl)
  • 2 Gramm Bienenwachs
  • 30 Gramm des Wirkstoffgebers als getrocknete und pulverisierte Pflanze oder als Tinktur

1.   man gibt Öl und Wachs in einen hitzefesten Behälter möglichst mit Schraubverschluss (z.B. Marmeladen- oder Einweckglas) und stellt diesen in einen Topf mit siedendem Wasser – dabei sollte man Topflappen verwenden, denn das Glas erwärmt sich schnell, sobald es im Wasserbad steht

2.   nun wartet man, bis sich das Bienenwachs verflüssigt hat und rührt die Mischung um

3.   Zur Kontrolle, ob die Mischung die passende Konsistenz hat, gibt man einen Tropfen davon auf einen Teller und prüft, ob sie richtig ist – allerdings kann die Paste auf dem Teller aufgrund der geringen Menge härter wirken, als sie es in der Gesamtmenge ist.

4.   Ist die Salbe zu weich, gibt man vorsichtig dosiert Bienenwachs hinzu – ist sie zu hart, ergänzt man tropfenweise das Öl.

5.   Ist die Konsistenz der Salbengrundlage passend, nimmt man sie aus dem Wasserbad und lässt sie auf handwarme Temperatur abkühlen.

6.   Nun kann man 30 ml der gewünschten ätherischen Öle oder der Tinkturen in die Grundlage einrühren, bzw. 30 Gramm pulverisierte Wirkstoffe (getrocknete Pflanzen, Früchte oder Samen) mit der Salbengrundlage vermengen.

7.   Sobald die Salbe ganz abgekühlt ist, verschließt man den Behälter und lagert sie möglichst kühl und dunkel.

Um die Salbe cremiger und leichter verstreichbar zu machen, kann man einen weiteren Konsistenzgeber hinzufügen und dafür die Menge des Bienenwachses verringern.

Erweitertes Salben Grundrezept

  • 30 ml Öl (Olivenöl, Distelöl, Mandelöl oder Jojobaöl)
  • 1 Gramm Bienenwachs
  • 4 Gramm Lanolin oder Kakaobutter
  • 30 Gramm des Wirkstoffgebers als getrocknete und pulverisierte Pflanze oder als Tinktur

Die Arbeitsschritte sind identisch zum Salben Grundrezept, nur dass ein weiterer Konsistenzgeber mit in der Öl/ Bienenwachs-Mischung geschmolzen und in die Mischung eingerührt wird.

Es ist jedoch durchaus möglich, anstatt des Öles und der pflanzlichen Wirkstoffe ein selbst hergestelltes oder fertig gekauftes Heilkräuteröl zu verwenden, um daraus eine Salbe herzustellen und dann das Olivenöl, Distelöl, Mandelöl oder Jojobaöl statt dessen wegzulassen, da sie sonst zu flüssig würde.

Man verwendet dann

  • 30 bis 45 ml des Pflanzenöls (z.B. Ringelblumenöl, Arnikaöl oder Beinwellöl) und
  • 2 bis 3 Gramm Bienenwachs

 

Salben-Grundrezept mit Schweineschmalz oder Kokosfett

Traditionell wird Salbe häufig aus Schweineschmalz gemacht, weil es in seiner Konsistenz bereits als Salbe passend ist, sehr gut in die Haut einzieht und sich auch gut verstreichen lässt. Wem jedoch der Gedanke, aus tierischem Schweineschmalz eine Salbe herzustellen unangenehm ist, der kann statt dessen auch das pflanzliche Kokosfett verwenden. Die Wirkung der Salbe wird nicht beeinflusst davon ob man Kokosfett, Schweineschmalz oder Öl und Bienenwachs als Grundlage zu ihrer Herstellung verwendet.

Um eine Salbe mit Schweineschmalz oder Kokosfett herzustellen benötigt man:

  • 70 bis 100 Gramm Schweineschmalz oder Kokosfett
  • ca. 6 - 30 Gramm Heilkräuter (möglichst frische Pflanzen, wobei außerhalb der Erntezeit auch getrocknete Substanz verwendet werden kann)

1.   man gibt das abgewogene und in kleine Stücke geschnittene Schweineschmalz oder Kokosfett in einen kleinen Topf und lässt es auf kleiner Flamme langsam vollständig schmelzen bis es flüssig ist

2.   nun lässt man das Fett ein wenig abkühlen, aber es muss dabei noch flüssig bleiben

3.   anschließend gibt man die Blüten in ein hitzebeständiges Gefäß und übergießt sie mit dem noch flüssigen Fett, wobei die Blüten von der Menge so abgemessen sein sollten, dass sie noch komplett vom flüssigen Fett bedeckt sind

4.   Nun stellt man den hitzebeständigen Behälter mit dem Kräuter/ Fett-Gemisch in einen Topf mit Wasser, welches auf dem Herd erwärmt wird, bis es den Siedepunkt erreicht hat, stellt den Herd auf kleine Flamme und lässt das Fett mit den Kräutern ca. 30 Minuten im Wasserbad ziehen.

5.   Anschließend nimmt man die Masse vom Herd und stellt sie über Nacht abgedeckt oder noch besser für ein paar Tage zur Seite, damit die Pflanze ihre Wirkstoffe in das Fett abgeben kann. Auch hier gilt: Je länger die Mischung ziehen darf, desto intensiver ist die Wirkung der Salbe.

6.   Bevor die Salbe jedoch verwendet werden kann, wird sie noch einmal auf ca. 40 Grad Celsius im Wasserbad erhitzt, bis das Fett wieder flüssig ist und man die Pflanzenteile herausfiltern kann

7.   Dazu benutzt man am besten einen Kaffee- oder Teefilter, welchen man auf das Gefäß gibt, in dem man die Salbe lagern möchte und gibt das flüssige Fett mit den Pflanzenteilen hinein

8.   Sobald die Salbe ganz abgekühlt ist und sie sich von flüssig zu fest in ihrer Konsistenz verändert hat, verschließt man den Behälter und lagert sie möglichst kühl und dunkel.

Besonders als Salbe bewährt hat sich die Ringelblumensalbe, welche nach dem Rezept sehr gut hergestellt werden kann und sich vor allem bei schlecht heilende Wunden, Blutergüssen, Geschwüren, Quetschungen, Zerrungen, Ekzemen vielfach als heilend bewiesen hat.

Da die Ringelblumenblüten ihre sonnengelbe Farbe an das Fett abgeben, kann man bei ihr sehr gut den Zeitpunkt erkennen, wann sie zur Anwendung fertig ist, denn das Fett hat die Farbe dann angenommen und damit sind die Wirkstoffe in es übergegangen. Nachdem die Salbe noch einmal erhitzt wurde und die Blüten herausgefiltert wurden, wird die Salbe jedoch nach dem Auskühlen und Erhärten wieder fast weiß.

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