Das Immunsystem der Katze / Teil 1

02.11.2014 10:36 | Für Katzen

 

Das Immunsystem der Katze – die körpereigene Polizei im Einsatz gegen Krankheitserreger


Von Sabine Bröckel / Tierheilpraktikerin, Autorin und Besamungswartin

 

Das Immunsystem ist eine Art körpereigene Polizei, die den Organismus von Menschen, Tieren und sogar Pflanzen vor dem Angriff und Schädigungen durch körperfremde Substanzen oder Lebewesen, wie beispielsweise Mikroorganismen (die ebenfalls über ein Immunsystem verfügen, wenn auch in stark reduzierter Form) schützt. Grundsätzlich unterscheidet es zwischen eigenen und fremden Strukturen und dient damit der Erhaltung der individuellen Integrität. Allerdings ist das Immunsystem auch in der Lage, fehlerhaft gewordene körpereigene Zellen zu zerstören.

Katzeninfekte

Insofern trägt das Immunsystem seinen Namen auch zu Recht, denn der Begriff „immunis“, der aus dem lateinischen Sprachgebrauch entnommen wurde, bedeutet so viel wie unberührt, frei oder rein – und genau dafür sorgt dieses komplexe Netzwerk aus verschiedenen Organen, Zelltypen und Molekülen: Dass der Körper von Schaden unberührt und frei und damit rein bleibt.

Auch Katzen haben natürlich ein Immunsystem, denn wie alle Lebewesen sind sie permanent der Bedrohung durch schädliche Mikroorganismen  aus der belebten Umwelt ausgesetzt. Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze sowie einzellige (z. B. Protozoen wie Plasmodien) beziehungsweise mehrzellige Parasiten (z. B. Bandwürmer), die in den Katzenkörper eindringen, können das Gewebe des Organismus zerstören und Funktionsstörungen bis hin zu Krankheiten auslösen.

 

Die angeborene Immunantwort

Darum verfügt jeder Organismus über den Abwehrmechanismus der „angeborenen Immunantwort“ – die Struktur der an ihr beteiligten Proteine ist im Genom festgelegt, Daraus resultiert, wie das Immunsystem auf als fremd eingestufte Stoffe und Lebewesen reagiert. Die von der angeborenen Immunantwort als bedrohlich erkannten Erreger werden schon nach Minuten nach ihrem Eindringen in den Körper erkannt, angegriffen und nach wenigen Stunden sind sie bereits eliminiert.

Auch wenn die angeborene Immunantwort, unterstützt durch eine Vielzahl von Zelltypen und löslichen Faktoren, die jeder für sich schnell und effizient wirken können, den Großteil aller Infektionsbedrohungen rasch und effizient abwehren kann, geht der Körper auf Nummer Sicher: Er holt sich zusätzlich Hilfe von der adaptiven Immunabwehr.

 

Die adaptive Immunabwehr

Dieses spezifische Abwehrsystem entwickelte sich im Laufe der Phylogenese der Wirbeltiere aus der angeborenen Immunantwort und im Gegensatz zum angeborenen Abwehrsystem, handelt es sich hierbei um eine erworbene Immunabwehr, die sich durch die Anpassungsfähigkeit gegenüber neuen oder veränderten Krankheitserregern auszeichnet.

Das adaptive Immunsystem verfügt über Gedächtniszellen, die sich an die Strukturen (Antigene) der Angreifer erinnern. So kann es jeden Angreifer wieder erkennen und bei jeder Infektion ganz gezielt zelluläre Abwehrmechanismen aktivieren sowie spezifische molekulare Antikörper bilden, um bei einem erneutem Angriff dieses Krankheitserregers innerhalb von kürzester Zeit eine angemessene Abwehrreaktion zu ermöglichen.

Diese Funktion der adaptiven Immunabwehr nutzt man beim Impfen: Das adaptive Immunsystem wird mit einer geringen Anzahl der Krankheitserreger konfrontiert, bekämpft sie, bildet spezifische Abwehrmechanismen und Antikörper dagegen und erkennt und bekämpft sie danach sofort wieder, wenn sie auf die Idee kommen sollten, erneut einen Angriff auf den Körper zu starten.

Die am adaptiven Immunsystem beteiligten Zellen bezeichnet man als antigenpräsentierende Zellen – zu ihnen gehören die  so genannten professionellen Zellen, wie die dendritischen Zellen, die Monozyten, Makrophagen (Fresszellen) und B-Lymphozyten.

Grundsätzlich haben zwar alle Zellen die Fähigkeit zur Antigenpräsentation, aber bei den professionellen Zellen ist die Antigenpräsentation eine ihrer wesentlichsten Funktionen – nur sie können eine Aktivierung von T-Lymphozyten auslösen, die zuvor noch nicht mit dem entsprechenden Antigen in Kontakt gekommen sind.

Überdies formen zwei weitere Gruppen von Zellen die wesentlichen Elemente der adaptiven Immunität:

  • Die T-Lymphozyten gewährleisten primär die zellvermittelte Immunantwort und unterstützen im Weiteren die B-Lymphozyten.
  • Die B-Lymphozyten sind für die Abwehrmaßnahmen zuständig, die sich über sezernierte (lat. abgesonderte) Antikörper gegen Eindringlinge in den Körperflüssigkeiten (Humores) richten und sind damit für die humorale Immunität verantwortlich.

Die Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen, die im Knochenmark, der Quelle aller Abwehrzellen, gebildet werden. Um ihren vielfältigen Aufgaben gerecht werden zu können, findet in der Thymusdrüse die Prägung der weißen Blutkörperchen statt: Sie lernen körpereigenes Zellgewebe von Fremdkörpern zu unterscheiden.

Die Lymphozyten und Makrophagen (Fresszellen) sind frei bewegliche Immunzellen, die sich im Blutstrom, in den Lymphgefäßen und in den Geweben über den ganzen Körper verteilen.

 

Das organbezogene Abwehrsystem


Das Immunsystem muss jedoch nicht nur im Körper als organbezogenes Immunsystem gegen krankmachende Eindringlinge kämpfen. Auch nach außen funktioniert das Abwehrsystem des Körpers. Hier ist das haut- und schleimhautassoziierte Immunsystem aktiv.

Zu den weiteren wichtigen Organen, die sich für die Speicherung der Immunzellen verantwortlich zeichnen, gehören

  • die Lymphknoten übernehmen die Aufgabe als Filtersystem des Gewebswassers (Lymphe) und eliminieren Erreger, Zellbruchstücke sowie entartete Zellen. Ihre Funktion ist abhängig von der Körperregion, an welcher die jeweiligen Lymphknoten sitzen. Kommt es zu einer Infektion, vergrößern sich die Lymphknoten aufgrund der erhöhten Ausscheidung und es kann sich auch Eiter bilden
  • die Milz ist nicht nur das größte Lymphorgan, sondern auch der Speicher für Lymphozyten und Thrombozyten (Blutplättchen) und Makrophagen (Fresszellen). Auch Stoffwechselprodukte wie Schlacken und Gifte, die nicht ausgeschieden werden können, lagert die Milz ein. Überdies baut sie Blutzellen und Gerinnungsprodukte ab
  • die Mandeln bestehen aus lymphatischem Gewebe, das rund um den Rachenraum angeordnet ist. Insofern können die Mandeln Krankheitserreger, die über das Maul und die Nase eindringen und folglich dieses Gewebe passieren müssen, schon zeitig mit einer spezifischen Abwehrreaktion eliminieren.
  • der Blinddarm verfügt in seinem Wurmfortsatz über zahlreiche Lymphfollikel, über die ebenfalls Abwehrmechanismen gegen Erreger gesteuert werden.

 

Das haut- und schleimhautassoziierte Immunsystem


Das haut- und schleimhautassoziierte Immunsystem wird zwar im äußeren Hautsystem aktiv, es steht jedoch über das Schleimhautsystem mit dem Körperinneren in Verbindung.

Zum haut- und schleimhautassoziierte Immunsystem gehören

  • die äußere Haut
  • die Schleimhaut von Hals, Nase, Rachen
  • die Bronchialschleimhaut
  • die Harnweg- und Genitalschleimhäute
  • die Schleimhaut des Darms

Der Darm als Zentrum der Gesundheit


Nicht umsonst ist es in der alternativen Heilkunde ein Grundsatz, dass die Gesundheit ihren Ursprung im Darm findet, denn zirka 80 % aller Abwehrzellen sind in der Darmschleimhaut lokalisiert. Insofern ist es nicht erstaunlich, dass in diesem Körperbereich ein ständiges und notwendiges Immuntraining statt findet und von den so aktivierten Immunzellen überdies auch wichtige Impulse für das ganze Immunsystem ausgehen. In der Darmschleimhaut befinden sich Massenansammlungen von Lymphknoten, die aus zahlreichen Lymphfollikel gebildet werden – sie werden auch als Peyer-Plaques bezeichnet.

Natürlich ist es sinnvoll, dass gerade die Darmschleimhaut so intensiv an der Immunabwehr des Körpers beteiligt ist, denn sie hat den intensivsten Kontakt mit der Außenwelt: Hier wird die Nahrung mit ihren vielen Inhaltsstoffen verwertet, respektive die unverwertbaren Bestandteile als Kot geformt und ausgetrieben.

Die Darmschleimhaut ist aber nicht nur gegen Bakterien aktiv – in ihr sind auch Bakterien aktiv, die an der Verdauung und an der Stärkung des Immunsystems beteiligt sind. Insofern ist es wichtig, dass nicht alle Bakterien angegriffen werden, sondern eine ausgewogene Balance zwischen ihnen besteht.

Als Bespiel können die Kolibakterien (Escherichia coli) dienen, die eigentlich zu den „Guten“ gehören, denn es handelt sich bei ihnen um Darmbakterien, die Bestandteil der Darmflora des Dickdarmes sind und die Darm für die Zersetzung von Kohlenhydraten und Eiweißen mit verantwortlich sind. Überdies sind sie in der Lage, Vitamine des B-Komplexes (z. B. Vitamin B1und B12, Folsäure) zu bilden und sind damit an der Regulation des Vitaminhaushalts beteiligt. Gleichzeitig sorgen sie für die Abwehr von Krankheitserregern im Dickdarm.

 

Warum fürchtet man sich also vor einer Infektion mit diesen Bakterien?

Die Antwort ist einfach: Sie lösen, wenn sie im Dickdarm überhand nehmen, starken Durchfall aus. Also sollte nur die E-Coli-Bakterien im Darm sein, die der Verdauung dienen – folglich sollten keine E-Coli-Bakterien von außen in den Darm gelangen, die für ein Übermaß der verdauungsfördernden Keime sorgen.

Behandelt man jedoch eine Durchfallerkrankung mit Antibiotika, eliminiert das Medikament nicht nur die Überzahl der E-Coli-Bakterien, sondern alle. In der Folge gerät die empfindliche Balance der in der Darmflora enthaltenen Bakterien aus dem Gleichgewicht und das Immunsystem wird geschwächt.

Ähnlich verhält es sich auch bei Entwurmungen, denn nicht nur die Darmparasiten werden von den Wirkstoffen eliminiert, sondern auch die verdauungsunterstützenden Mikroorganismen der Darmflora. Auch dabei besteht die Gefahr, dass die Darmflora ihre Aufgaben nicht mehr erfüllen kann und eine Neuverwurmung damit sogar erleichtert wird. Schließlich könnte sich ein gesunder Katzenorganismus mit einem ausgeprägten Immunsystem durchaus selbst gegen solche Eindringlinge wehren – wo aber die Balance der Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist, fehlen die Abwehrkräfte und der Körper scheitert beim Angriff gegen den Befall mit Parasiten, Bakterien, Pilzen, Viren und anderen Krankheitserregern.

 

Wenn das Immunsystem streikt: Katzen im Kampf gegen Infekte


 

        Immunsystem Katze        

 

Aber nicht nur Medikamente, sondern auch Stress, psychische Belastungen, schlechte Haltungsbedingungen oder schwer verdauliche Futtermittel schwächen das Immunsystem – viele Katzen reagieren darum auf für sie bedrohliche Veränderungen ebenfalls mit Durchfall. Auch ältere, kranke, rekonvaleszente Katzen oder Katzen nach Medikamentengaben erkranken schneller an Infekten.

Zu denen gehören beispielsweise:

  • Katzenschnupfen
  • Katzenseuche (Panleukopenie)
  • FeLV (Felines Leukose-Virus, "Katzenleukämie")
  • FIP (feline infektiöse Peritonitis, Bauchfellentzündung)
  • FIV (Feline Immunschwäche Virusinfektion, Katzen-Aids)

 

Katzenschnupfen


Diese Infektionskrankheit, die vor allem zu Entzündungen der Maulschleimhaut, der oberen Atemwege und der Bindehaut der Augen bei Katzen führt, klingt zwar harmlos, aber trotzdem kann Katzenschnupfen gerade bei Katzenkindern und älteren Katzen durchaus lebensbedrohlich werden – äußert sich die Infektion bei ihnen in ihrer schwersten Form, können auch die Haut und die Lunge betroffen sein.

Die typischen Symptome sind gerötete, tränende Augen und wässriger (später auch eitriger) Nasenausfluss und häufiges Niesen. Das Sekret aus den Augen und der Nase kann im Verlauf der Krankheit auch Krusten bilden. Meist sind auch die oberen Atemwege entzündet und es kommen andere typische Schnupfensymptome dazu, wie ein eingeschränkter Geruchssinn, Schluckbeschwerden, Atemprobleme, Lethargie, Appetitlosigkeit und Fieber. Je schwerer die Erkrankung sich zeigt, desto größer können die Schädigungen sein, zu denen auch die Geschwürbildung in der Schleimhaut (Maul und Zunge oder auch an den Augen) gehört. Bei chronischen Fällen kann es zum Knochenschwund an der Nasenmuschel kommen und/ oder zu Augenschäden bis hin zum Erblinden.

Katzenschnupfen ist extrem ansteckend – vor allem immunschwache Katzen infizieren sich leicht über den Speichel und Sekrete bereits akut erkrankter Katzen, wenn die niesen oder husten, respektive die Katzen engen Kontakt zueinander haben. Darum gelten besonders Katzen, die zu mehreren gehalten werden als besonders gefährdet. Katzen müssen aber nicht unbedingt Symptome des Katzenschnupfens zeigen, um ansteckend zu sein. Sie können nach einer früheren Erkrankung auch Träger der Erreger dieser multifaktorielle Infektion sein, an der meist Viren wie Herpes- und Calici-Viren, Bakterien wie Bordetellen oder Chlamydien oder Parasiten wie Chlamydophila felis beteiligt sind.

Zwischen Ansteckung und Ausbruch des Katzenschnupfens liegen meist wenige Tage.

Der Tierarzt diagnostiziert den Katzenschnupfen zum einen aufgrund der typischen Symptome und mit Hilfe eines Abstrichs der Schleimhäute der Katze (Augen, Rachen, Nasensekret) bei der nach den Bakterien gesucht wird. Die Viren lassen sich durch eine Blutuntersuchung bei Tieren mit speziellen Antikörper-Tests nachweisen, wobei geimpfte Katzen Antikörper in ihrem Blut gebildet haben und damit die Diagnose nicht eindeutig ist.

Allopathisch wird Katzenschnupfen meist mit Antibiotika, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Amoxicillin oder Tetracyclin, behandelt. Das Problem dabei ist, dass das Immunsystem damit weiter geschwächt wird, auch wenn die Symptome durch die Medikamente rasche Besserung erfahren. Sinnvoll wäre es darum, auf die Stärkung des Immunsystems zu achten – was im Übrigen auch prophylaktisch sinnvoll ist.

Da infizierte Katzen oft das Futter und das Trinken verweigern, weil ihr Geruchssinn eingeschränkt ist, sollte man ihnen pastiges Futter aus der Tube und Wasser ins Mäulchen geben. Auch die Augen und die Nase sollte vorsichtig gereinigt werden. Vielfach lösen sich die Krusten mit einem feuchten Läppchen nur schlecht. Dann ist es sinnvoll, ein mildes Öl zur Reinigung zu verwenden, weil das die Haut nicht so reizt. Auf ätherische Öle muss aber unbedingt verzichtet werden, denn aufgrund ihrer Glucuronidierungsschwäche vertragen Katzen keine ätherischen Öle – sie können sie im Körper nicht abbauen und es könnte zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Die Heilprognose ist bei früh behandelten Katzen sehr gut. Allerdings kann eine Katzenschnupfeninfektion gerade bei sehr jungen oder bei immunschwachen Katzen tödlich enden oder chronisch werden.

 

Katzenseuche, Katzenstaupe ( Feline Panleukopenie)


Diese aggressiv verlaufende und sehr ansteckende Krankheit, die vorwiegend bei jungen Katzenwelpen (im Alter von zwei bis sechs Monaten) auftritt, wird durch das Parvovirus ausgelöst, welches das Körpergewebe zerstört. Betroffen kann auch der Darm oder das Knochenmark sein. Die häufigste Übertragung findet von der Mutterkatze auf ihre Kitten statt. Aber auch andere Katzen können zum Überträger werden – vor allem, weil die Ansteckung auch über kontaminierte Gegenstände, wie Katzenkörbe, Näpfe, Katzentoiletten erfolgen kann oder auch über Kleidung, die der Mensch trägt, wenn er eine infizierte Katze streichelte. Weil Parvoviren  ausgesprochen widerstandsfähig sind, kann eine Ansteckung auch noch nach einem Jahr durch den Kontakt mit einem verseuchten Gegenstand erfolgen. Hierbei gelangt das Virus über die Schleimhäute von Nase und Maul in den Körper der Katze. Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) liegen bei der Katzenseuche meist vier bis sechs Tage.

Vielfach wird im Zusammenhang mit Parvoviren auch eine ähnliche Erkrankung beim Hund genannt – die Übertragung von Hund auf Katze oder umgekehrt, ist bei der Katzenseuche jedoch nicht bekannt.

Erste Symptome sind meist Apathie, Fressunlust und manchmal auch hohes Fieber (40°C bis 41°C). Rasch kommen dann jedoch Magen- Darmprobleme wie Durchfall und immer wiederkehrendes Erbrechen hinzu, wodurch der Flüssigkeitshaushalt der Katze vollkommen aus dem Gleichgewicht gerät und die Dehydrierung (Austrocknung) droht.

Vor allem Katzenwelpen und junge Katzen können binnen eines Tages an der Felinen Panleukopenie sterben. Bei Kitten, die im Mutterleib oder direkt nach der Geburt mit dem Virus infiziert wurden, kann es auch zu Hirnschäden (Kleinhirn-Hypoplasie) und Blindheit (Netzhaut-Dysplasie) kommen.

Beim Verdacht auf Katzenseuche ist schnelles Handeln lebenswichtig für die erkrankte Katze. Der Tierarzt kann das Parvovirus durch eine Blut- und eine Kotuntersuchung (direkter Nachweis möglich) nachweisen. Bei infizierten Katzen ist ein dramatisches Absinken der weißen Blutkörperchen auffällig, weshalb die Krankheit auch den Namen Panleukopenie trägt. (Leukopenie = Verminderung der weißen Blutkörperchen).

Zunächst wird die Katze vom Tierarzt mit elektrolythaltigen Infusionen (Tropf) versorgt, um dem Tier verlorene Flüssigkeit und Salze (Elektrolyte) zuzuführen. Im weiteren wird mit einem Antiemetika der Brechreiz bekämpft, damit der Katze nicht noch mehr Körperflüssigkeit verloren geht. Gegen die bakteriellen Infektionen wird ein Breitband-Antibiotika (z.B. Amoxicillin-Clavulansäure) verabreicht. Mitunter verordnen Tierärzte im akuten Krankheitsstadium der Katzenseuche auch Interferone, welche die Virusentwicklung hemmen. In schwersten Fällen kann unter Umständen eine Bluttransfusion notwendig sein, um das Leben der Katze zu retten.

Grundsätzlich gilt die Feline Panleukopenie als heilbar. Allerdings ist die Sterblichkeitsrate gerade bei sehr jungen oder geschwächten Katzenwelpen trotz einer Therapie hoch. Meist entscheiden die ersten fünf Tage über Leben und Tod – übersteht die Katze diese fünf Tage, steigt ihre Chance auf Genesung deutlich.

 

FeLV (Felines Leukose-Virus, "Katzenleukämie")


Zu den bei Katzen häufig auftretenden Infektionskrankheiten gehört auch das Feline Leukämie-Virus (FeLV), besser bekannt als Leukose. Leider gehört diese unheilbare Krankheit auch zu den häufigsten infektiösen Todesursachen der Katze - beinahe jeder 6. Todesfall bei Katzen wird durch Leukose verursacht.

Der Verursacher der „Katzenleukämie“ ist ein Retrovirus. Im Gegensatz zum Felinen Immunodeficiency Virus (FIV), das zwar ebenfalls von einem Retrovirus verursacht wird, aber zu den Lentiviren gehört, zählt FeLV zur Unterfamilie der Oncornaviren.

Zwar können FeLV und FIV ähnliche Krankheitsbilder hervorrufen, trotzdem weisen sie schon unter dem Mikroskop deutliche Unterschiede auf: FeLV ist fast rund, FIV ist länglich. Auch genetisch sind sie nicht zu vergleichen und ihr Struktureiweiß unterscheidet sich in Größe und Zusammensetzung. Insofern gibt es auch keine  Kreuz-Immunität, denn FeLV-Antikörper können nicht an FIV andocken, FIV-Antikörper nicht an FeLV.

Die Symptome der Leukose können allerdings auch sehr unterschiedlich sein, sodass es schwer ist, ein klares Krankheitsbild zu beschreiben und sie zu erkennen. Vielfach fällt zunächst nur auf, dass die Katze sehr oft unter Infektionen leidet, häufig krank ist und eine schwach ausgeprägte Immunabwehr besitzt. Dazu kommt, dass zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der Symptome wenige Tage, aber auch Monate oder sogar Jahre vergehen können. Allerdings bedeutet auch ein positiver Leukose-Test nicht zwingend den raschen Tod der infizierten Katze, auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist. Gelingt es, das Immunsystem der Katze zu stärken, kann sie durchaus noch Jahre mit dem Virus leben. Trotzdem sind Leukose-Patienten aufgrund der immunsuppressiven Wirkung des Virus krankheitsanfällig und bedürfen sorgfältiger Beobachtung und sofortiger tierärztlicher Hilfe, sollten sich Symptome einer Infektion zeigen.

Ein anderes Problem ist, dass die Katze die Viren höchstwahrscheinlich ausscheidet und andere Katzen anstecken kann, auch wenn sie keine ausgeprägten Symptome zeigt. Tatsächlich gibt es jedoch sogar ausgewachsene Katzen, die nach dem Kontakt mit dem Virus eine natürliche Immunität entwickeln – bei diesen Katzen ist das Virus jedoch im Blut und im Knochenmark meist nicht nachweisbar und sie können auch als eigentlich infizierte Katzen ein hohes Alter erreichen.

Wo sich das Virus jedoch nur verkapselt, können Stress, Krankheiten oder Kortisone es aktivieren und damit zum Ausbruch der Krankheit führen.

Dem Verdacht auf Leukose sollte dann nachgegangen werden, wenn die Katze häufig an Infektionen erkrankt, die sich nur schwer und dauerhaft heilen lassen, obwohl ein gesundes Immunsystem in der Lage wäre, das Problem selbst zu beheben. Sobald Infektionen entweder behandlungsresistent sind, chronisch zu werden drohen oder Symptome immer nur vorübergehend verschwinden, ist in jedem Fall jedoch das Immunsystem zu überprüfen und zu stärken.

Mit FeLV ist vielfach auch der Katzenschnupfen verbunden, für den Leukose-Katzen anfälliger werden. Darum niesen infizierte Katzen auch häufig. Zunächst fällt jedoch meist eine verstärkte Apathie auf, zu der meist Appetitverlust und eine plötzliche Abmagerung und/ oder Fieber kommt. Die Katzen trinken vermehrt und große Mengen, die Schleimhäute sind anämisch blass und oft ist auch das Zahnfleisch entzündet. Auch der Verdauungstrakt beginnt Probleme zu machen und es kann zu Durchfall, Erbrechen oder Verstopfung sowie Blut im Kot kommen. Tragende Katzen resorbieren die Föten oder es kommt zum Abort und Totgeburt der Welpen. Aber auch Unfruchtbarkeit kann ein Indiz für Leukose sein. Allerdings maskieren viele dieser Folgeerkrankungen das eigentliche Problem. Einen Hinweis auf das FeL-Virus liefern verdickte Lymphknoten.

Leukose begünstigt auch die Entstehung von Tumoren in der Brusthöhle und im Bauch (Leber, Niere, Darm) – hierdurch können Atemprobleme oder sogar Atemnot, Magen-Darmentzündungen mit Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Leber- und Nierenerkrankungen, Augentrübung und Nervenkrankheiten ausgelöst werden.

Der Retrovirus überträgt sich durch Aufnahme infektiöser Körperflüssigkeiten wie beispielsweise Speichel, Augen- und Nasensekrete sowie über Urin und Blut aus offenen Wunden. Insofern erfolgt die Ansteckung auch meist durch gegenseitiges Belecken oder durch Beißen. Allerdings stecken die Viren auch im Kot und werden durch Beschnüffeln aufgenommen und durch das Benutzen der gleichen Katzentoilette. Auch Fress- und Trinknäpfe können kontaminiert sein und eine Ansteckung begünstigen. Eine infizierte Mutterkatze kann ihre Welpen bereits im Mutterleib oder nach der Geburt über die Muttermilch anstecken.

Obwohl fast jede Katze im Laufe ihres Lebens einmal mit dem Leukosevirus in Berührung kommt und es hoch ansteckend ist, infizieren sich lediglich sieben von zehn Katzen tatsächlich. Von diesen sieben Katzen verfügen aber wiederum vier bis fünf Katzen über eine ausreichende Immunantwort, um nicht zu erkranken. So bleiben etwa 2 bis 3% Katzen, deren Immunsystem zu schwach ist, um dem Virus abzuwehren – am häufigsten sind davon Katzenkinder im Alter bis zu 8 Wochen betroffen. Diese Katzen, die tatsächlich erkranken, produzieren in Folge weitere Viren und sind ansteckend.

Für Menschen und andere Tiere besteht jedoch keine Ansteckungsgefahr. Darüber hinaus ist das Feline Leukämie-Virus relativ empfindlich, kann durch die meisten gängigen Desinfektionsmittel (HIV/HBV-wirksam) inaktiviert werden und verliert in der Umwelt rasch seine Infektiosität.

Das Leukosevirus lässt sich nur schwer diagnostizieren. Zunächst müssen erst einmal andere neoplastische Erkrankungen wie beispielsweise das Immundefizienzsyndrom der Katzen (FIV, „Katzenaids“), die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP), die Feline Infektiöse Anämie („Hämobartonellose“) oder andere Infektionskrankheiten ausgeschlossen werden. Trotzdem bleibt es schwierig nachzuweisen und nur dann zu erkennen, wenn es im Blut zirkuliert. Häufig „versteckt“ es sich jedoch in einem Organ und so besagt ein negativer Bluttest auch keinesfalls, dass die katze nicht an Leukose erkrankt ist. Mehr Sicherheit bietet eine histopathologische Untersuchung von Bioptaten und Knochenmark und eine Punktierung von Brust- und Bauchhöhle mit anschließender Zytologie der entnommenen Flüssigkeiten.

Die Leukose wird als unheilbare Krankheit beschrieben. Allerdings kann durch die Stärkung des Immunsystems der Ausbruch der Krankheit zurückgedrängt werden

 

FIP (Feline infektiöse Peritonitis, Bauchfellentzündung)


In den frühen 60er Jahren wurde erstmals über die Feline infektiöse Peritonitis geschrieben, aber erst im Jahr 1978 gelang die erste Virusisolation. Die Klassifizierung der FIP als Coronavirus gelang ein Jahr später.

Grundsätzlich sind die Felinen Corona-Viren relativ harmlos, denn sie lösen lediglich eine ungefährliche Darminfektion aus, die sich durch milde bis mittlere Durchfälle zeigt und manchmal von Fieber und Schnupfensymptomen begleitet wird. Während erwachsene Katzen meist gar keine Symptome zeigen, können bei Katzenwelpen deutliche Krankheitsanzeichen auftreten – ähnliches gilt für immunschwache ausgewachsene Katzen.

Aus diesem Grund ging man bis Mitte der 1990er Jahre davon aus, dass es sich bei der harmlosen Form des "Felinen Enterale Coronavirus" (FECV) um ein anderes Coronavirus handelt, als bei der gefährlichen Form des "FIP-Virus" (FIPV). Dass das aggressive FIP-Virus durch eine spontane Mutation des FEC-Virus entsteht, bei der sich das genetische Material des Virus ändert und die im Darm der Katze statt findet, weiß man inzwischen jedoch.

Weil jedoch beide Viren – sowohl das FEC-Virus, als auch das mutierte FIP-Virus –  in ihren genetischen Eigenschaften identisch sind, können sie mit den aktuell zur Verfügung stehenden Diagnosemethoden auch nicht voneinander unterschieden werden. Insofern werden auch beide Viren unter dem Begriff "Felines Coronavirus"(FCoV) für alle bei der Katze vorkommenden Coronaviren benannt.

Warum jedoch ein im Prinzip harmloser Virus im Darm einer Katze zu einem tödlichen Virus mutieren kann, ist wissenschaftlich nicht erklärbar. Man geht davon aus, dass Stress, wie häufige Ausstellungsbesuche oder ein Besitzerwechsel, aber auch Aufenthalte in Katzenpensionen, Tierheimen, sowie Tierarztbesuche oder andere Krankheiten, die das Immunsystem schwächen, wie die
Feline Leukose (FELV) oder das Feline Immunschwächevirus (FIV) die Mutation begünstigen und somit die körperliche Verfassung der Katze mit eine Rolle spielt.

Zu einem geschwächten Immunsystem können auch Bakterien oder Parasiten sowie  chronische Erkrankungen oder ein vermehrter Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika und Kortison führen.

Ganz sicher muss man berücksichtigen, dass das Risiko für Katzenwelpen, sich mit Coronaviren zu infizieren meist mit 6 bis 8 Wochen am höchsten ist, wenn der Schutz der mütterlichen Antikörper nachlässt und die Kitten nicht mehr gesäugt werden. Meist erkranken Katzen bis zum Alter von einem Jahr häufiger an FIP, als ausgewachsene Katzen. Trotzdem sind alle Katzenarten und Altersgruppen für FIP empfänglich – besonders wenn ihr Immunsystem geschwächt ist.

Die Tatsache, dass FIP vor allem bei Katzen vorkommt, die in größeren Gruppen auf engem Raum zusammenleben, in denen der Infektionsdruck höher ist, lässt auch den Schluss zu, das die gemeinsame Nutzung einer Katzenkiste ein Grund für das Entstehen der Krankheit mit einkalkuliert werden muss, denn infizierte Katzen deponieren mit ihrem Kot oder Harn Coronaviren in die Kistchen und die werden dann über die Nase beim Beschnüffeln der Häufchen und Pfützchen aufgenommen.

Tatsächlich ist der Katzenkot die Hauptübertragungsquelle der Coronaviren. In der Regel gehen die Coronaviren nach dem Ausscheiden auch schnell zugrunde, aber es gibt einige FCoV-Stämme, die bei Raumtemperatur nach dem Antrocknen auf Oberflächen bis zu 7 Wochen lang infektiös bleiben. Insofern bleiben Katzentoiletten, Futternäpfe und Schlafkörbe, aber auch die Kleidung der Menschen, die mit den Katzen Kontakt haben, eine Möglichkeit, die Viren weiter zu geben.

 

Grundsätzlich besteht also stets ein erhöhtes Infektionsrisiko, wenn Katzen mit dem Maul oder der Nase in Kontakt mit infizierten Kot, Harn oder Speichel kommen.

Wichtig ist jedoch zu wissen, dass sich Katzen prinzipiell nicht mitdem FIP-Virus infizieren, sondern mit dem im Prinzip harmlosen Felinen Coronavirus. Erst wenn dieses Virus im Darm der Katze zu seiner aggressiven Form mutiert, entsteht die Krankheit FIP.

Insofern geht man auch davon aus, dass mindestens die Hälfte aller Freigänger-Katzen schon einmal Kontakt mit dem Coronavirus hatten. Noch höher ist der Prozentsatz bei Mehrkatzenhaltung, wie sie in Katzenzuchten, Tierheimen oder Haushalten mit mehr als vier Katzen vorkommt. Hier nimmt man sogar an, dass 80 % der Katzen sich schon einmal mit dem Coronavirus ansteckten. Trotzdem entwickeln aber nur etwa 5 % aller mit dem FCo-Virus infizierten Katzen eine FIP – wo Katzen einzeln gehalten werden, wird dieser Prozentsatz noch unterschritten.

Die klinischen Symptome für eine Infektion mit dem Corona-Virus (FCoV-Infektion) ist von gelegentlichem Durchfall begleitet. Teilweise zeigen sich auch Symptome von Schnupfen, Fieber oder Appetitlosigkeit.

Mutiert jedoch das Coronavirus und bricht die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) meist viele Wochen, Monate, teilweise sogar Jahre nach der Infektion mit dem Coronavirus aus, fällt zunächst die Apathie der betroffenen Katze auf. Dazu kommt, dass sie schlecht frisst, Fieber bekommt und vielfach auch abmagert. Gelegentlich entwickelt sich Durchfall, Verstopfung oder eine Gelbsucht. Erbrechen kann ebenso vorkommen, wie blasse anämische Schleimhäute. Besonders auffallend ist, dass Fieberschübe antibiotikaresistent sind. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Krämpfen und Lähmungen kommen oder zu unkoordinierten Bewegungen je nachdem, welche Organe (Leber, Nieren, Darm, Bauchspeicheldrüse sowie Augen und das Zentrale Nervensystem) entzündlich verändert sind. Besonders häufig kommt es zu Entzündungen von Brustfell (Pleuritis, Brustfell-Entzündung) und Bauchfell (Peritonitis, Bauchfell-Entzündung).

Vielfach wird über eine feuchte (exsudative) und in eine trockene (granulomatöse) Form der Felinen infektiöse Peritonitis berichtet – allerdings weiß man inzwischen auch, dass nur eine Form der FIP existiert, die lediglich eher feucht oder trocken ausgeprägt sein kann:

  • Die Ausprägung zur eher feuchten FIP kennzeichnet sich dadurch, dass es etwa ein bis drei Wochen, nachdem die ersten Symptome beobachtet wurden, zu einer umfangvermehrenden Flüssigkeitsansammlung (Aszites) in der Bauch- oder Brusthöhle kommt. Punktiert man die Umfangsvermehrung, tritt eine eiweißreiche, zähflüssige, teilweise mit Eiterschlieren durchsetzte, gelbliche Flüssigkeit zutage. Ein solcher Erguss fällt jedoch zu Anfang optisch vor allem bei abgemagerten Katzen auf, wenn die lokale Vermehrung des Körperumfangs deutlich hervortritt. Im Verlauf der Krankheitsentwicklung drückt die Flüssigkeit dieses Ergusses aber auch auf die Organe: Bildet sich das Sekret in der Brusthöhle, fallen auch Atemprobleme bis hin zur Atemnot auf – die Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle lässt den Bauchumfang merklich anwachsen und beeinträchtigt die Verdauung.
  • Prägt sich die Krankheit eher zur trockenen Form hin aus, führt das unter anderem zu geschwulstartigen Gewebeneubildungen (Granulomen) an unterschiedlichen Organen der Katze wie Auge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Lymphknoten oder Milz. Neben diesenentzündliche Knötchen können auch Veränderungen im Zentralen Nervensystem auftreten, die zu Koordinationsproblemen in der Bewegung führen.

Wenig vielversprechend ist der Hinweis, dass die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) nur an einer toten Katze zu 100 Prozent sicher diagnostiziert werden kann – befremdlich ist diese Tatsache vor allem, weil von den Tierärzten bei dem Verdacht auf FIP, einhergehend mit Flüssigkeitsergüssen, geraten wird, die Katze zu erlösen. Dass jedoch solche Flüssigkeitsansammlungen auch bei einer Herzinsuffizienz, beim malignen Lymphom oder bei bakteriellen Entzündungen auftreten, macht die Diagnose nicht leichter. Zwar kann man das Punktat, also die entnommene Flüssigkeit aus den Ergüssen auf Coronaviren testen, so die Krankheit zur ihrer feuchten Form hin tendiert, man kann auch den Kot mit Hilfe eines Elektronenmikroskops untersuchen und es stehen Bluttests zur Verfügung, aber all diese Diagnosemethoden belegen höchstens eine Infektion mit Corona-Viren, nicht aber, ob die Katze die mutierten, FIP-auslösenden oder die nicht mutierten, harmlosen Viren in sich trägt.

Überdies wird beim „FIP- Test“ lediglich der Gehalt an Antikörpern gegen das Feline Coronavirus (FCoV)im Blut gemessen. Der kann zwischen 25 bis 1600 liegen und wird als Titer bezeichnet. Liegt die menge der Antikörper nun im niedrigen oder mittleren Bereich, bedeutet das lediglich, dass die Katze mit dem Virus in Kontakt kam, aber dies trifft auch auf viele gesunde Katzen zu. Selbst hohe und ansteigende Titer findet man bei Katzen, die keinerlei Symptome für FIP zeigen.

Man darf sogar davon ausgehen, dass diese Katzen niemals an FIP erkranken, denn die alleinige Anwesenheit von Antikörpern gibt keine Auskunft, ob die Katze momentan mit FCoV infiziert ist, respektive ob sie für eine Infektion empfänglich ist oder ob sie Coronaviren ausscheidet und in welcher Form die Viren aktiv sind.

Auch wenn man natürlich bei einer so hoch ansteckenden Krankheit gerne vermeiden würde, dass eine an FIP erkrankte Katze andere Katzen ansteckt, gibt eine erkrankte Katze stets nur die zunächst harmlosen Corona-Viren weiter, nicht die Krankheit FIP – die entsteht nur im einzelnen Individuum, wenn das Virus mutiert.

Zieht man also einen positiven „FIP-Test“ als Grundlage heran, eine Katze einzuschläfern, riskiert man, einem Tier das Leben zu nehmen, bei dem die Krankheit vielleicht nie ausgebrochen wäre, dennKatzen können auch zu lebenslangen, infektiösen Trägern werden, ohne dass sie selbst erkranken.

Leider ist also auch davon auszugehen, dass in der Vergangenheit durch eine falsche Interpretation der "FIP-Tests" mehr Katzen gestorben sind, als an FIP selbst.

Eine weitere Problematik ist die extrem lange Inkubationszeit von mehreren Monaten bis zu Jahren zwischen der Ansteckung mit dem Virus und dem Ausbruch von FIP, wenn das Virus zu seiner aggressiven Form mutiert. So kann eine klinisch vollkommen unauffällige Katze für einige Wochen, Monate oder dauerhaft zum Trägertier werden und die FCo-Viren periodisch oder ständig ausscheiden und damit empfängliche Tiere infizieren.

Für eine gesunde Katze mit einem starken Immunsystem und bei optimalen Haltungsbedingungen ist es in der Regel sogar möglich, eine FCoV-Infektion erfolgreich zu überwinden.

Ist jedoch die Folge eines mutierten Virus der Ausbruch der Felinen infektiösen Peritonitis, gibt es keine heilenden Therapien und auch keine Prognose, dass eine Katze diese Krankheit überlebt.

Insofern gilt es, auf die Prophylaxe zu setzen. Dazu gehört in erster Linie, dass der Infektionsdruck minimiert wird. Vor allem wo mehrere Katzen in einem Haushalt leben, sollte man auf angemessene Hygiene achten: Jede Katze sollte ihre eigene Katzenkiste, ihren eigenen Napf und persönlichen Schlafkorb haben und die Toiletten sollten täglich gereinigt werden. Ideal sind auch eher kleine Katzengruppen bis zu vier Tieren und Freigängerkatzen sind tatsächlich weniger gefährdet, weil sie nicht immer wieder auf die gleiche Stelle koten und damit weniger Kontakt zu den Häufchen infizierter Katzen besteht.

Auch eine weitgehend stessfreie Haltung wirkt vorbeugend. Besitzerwechsel oder häufiger Wechsel in der Katzengruppe begünstigen eine Infektion.

Über eine FIP-Impfung wird teilweise sehr kontrovers diskutiert, denn im Prinzip infiziert man die Katze mit dem Coronavirus, um eine entsprechende Immunantwort zu erhalten, mit der die Katze Antikörper bildet – doch genau so kann FIP entstehen, wenn die Viren mutieren. Außerdem wird eine geimpfte Katze damit automatisch immer FCoV-positiv sein, weil sie infiziert wurde und Antikörper gebildet hat.

Insofern ist auch der Nutzen von halbjährlichen Untersuchungen, zu denen bei positiv getesteten Katzen geraten wird, eher fragwürdig.

Sinnvoll ist es aber – zu den Prophylaxe-Maßnahmen – das Abwehrsystem der Katze zu stärken, denn wie alle Infektionen, hat auch das Feline Coronavirus nur eine Chance in der Katze aktiv zu werden, wenn das Immunsystem der Katze sich nicht ausreichend zur Wehr setzen kann.

 

FIV (Felines Immundefizienz-Virus, "Katzen-AIDS")


Die umgangssprachliche Bezeichnung „Katzen-AIDS“ für das Feline Immundefizienz-Virus (FIV) lehnt sich an die Ähnlichkeit der HIV-Infektion beim Menschen an – eine Übertragung von der Katze auf den Mensch oder umgekehrt ist jedoch nicht möglich.

Die Krankheit basiert auf einer Immunschwäche, die durch das Immundefizienz-Virus ausgelöst.wird, welche langfristig die körpereigenenen Abwehrkräfte zerstört. Allerdings sind die Symptome eher unspezifisch und zum Tod führen letztlich die Sekundärinfektionen, hervorgerufen durch weitere Erreger wie Bakterien oder Pilze, gegen die sich der geschwächte Katzenkörper nicht mehr wehren kann.

Infizierte Katzen können, ähnlich wie HIV-infizierte Menschen, mehrere Jahre mit dem Virus infiziert sein, ohne dass die Krankheit ausbricht. Solange die Katze symptomfrei ist, kann sie meistens ein ganz normales Leben führen.

Die Übertragung findet meist durch Bisse statt. Insofern sind unkastrierte Freigängerkater, die häufig Revierkämpfe austragen, besonders gefährdet. Eine Übertragung auf sexuellem Weg spielt bei Katzen eine eher untergeordnete Rolle.

Die Feline Immunschwäche Virusinfektion durchläuft mehrere Stadien:

  • Infektionsphase – rund vier Wochen nach der Infektion mit dem Virus zeigen sich häufig Krankheitsanzeichen wie Fieber, Mattigkeit und Durchfall bei der Katze, jedoch sind die Symptome meist auch nur leicht ausgeprägt.
  • Trägerphase – diese, der Infektionsphase folgende Zeit kann mehrere Jahre andauern und ist in der Regel frei von sichtbaren Symptomen. Allerdings ist die infizierte Katze trotzdem ansteckend.
  • Krankheitsphase – ist das Virus aktiv mit der Zerstörung des Immunsystems beschäftigt, leiden die betroffenen Katzen beispielsweise an Appetitverlust, einhergehend mit Gewichtsverlust, oft auch Fieber, Entzündungen im Maul (Zahnfleisch-Entzündungen, Maulschleimhaut-Entzündungen), und/ oder an Veränderungen der Lymphknoten.
  • Endstadium – in dieser letzten Phase der Felinen Immunschwäche Virusinfektion kommt es häufig zu begleitenden Infektionen, wie einer Lungenentzündung (Pneumonie), die von dem geschwächten Immunsystem nicht mehr abgewehrt werden können. Vielfach verschlechtert sich darum auch das Blutbild. Außerdem kann es zur Tumorbildung  und zu neurologischen Ausfällen bei der erkrankten Katze kommen, die mit Bewegungsstörungen einhergehen. Die Prognose in der Finalen Phase ist der Tod der Katze innerhalb eines Jahres, denn die Feline Immunschwäche Virusinfektion (FIV, Katzen-Aids) ist nicht heilbar.

Allerdings lässt sich das Eintreten der Finalphase durch eine entsprechend sorgfältige Haltung, die wenig Kontakt zu Krankheitserregern ermöglicht (auch Freigängerkatzen eventuell vermehrt in der Wohnung halten) und die Stärkung des Immunsystems hinauszögern.

Um die Virusproduktion bei der Felinen Immunschwäche Virusinfektion zu hemmen, steht unter anderem der antivirale Wirkstoff Zidovudin (AZT) zur Verfügung.

Zum Problem – aus der Sicht der alternativen Tiermedizin – kann jedoch der Einsatz von Antibiotika werden, wenn sie gegen die Begleitsymptome der Sekundärkrankheiten eingesetzt werden, denn sie schwächen die Abwehrkräfte.

Wie bei vielen Infektionskrankheiten bei Katzen, ist auch bei FIV die Diagnose über den Nachweis der im Körper der Katze gebildeten Antikörper gegen das Virus möglich. Sie bilden sich bei rund 90 % der Katzen mit Feliner Immunschwäche Virusinfektion rund zwei bis vier Wochen nach der Infektion. Allerdings gibt es auch Patienten, bei denen es bis zu einem Jahr dauert, bis sich Antikörper im Blut gebildet haben. Überdies kann die Antikörper-Produktion im Endstadium der FIV deutlich abnehmen, sodass sie im Blut nicht mehr nachweisbar sind.

Neben weiteren Bluttests können – wenn Symptome erkennbar sind - Maulschleimhaut- und Zahnfleischentzündungen einen Hinweis auf FIV liefern.

 

Mit Kräutern im Kampf gegen Krankheitserreger


 

Immunschwäche Katze

 

Die naturheilkundliche Therapie zielt  bei der Anfälligkeit für Infektionen oder bei bereits erfolgter Ansteckung mit Viren auf eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung, ergänzt durch Kräuter, welche die Abwehrkräfte steigern können.

 

Glucuronidierungsschwäche


Allerdings wird eine Kräuterbehandlung bei Katzen durch die Glucuronidierungsschwäche erschwert – was bedeutet: Katzen fehlt die Glucuronyltransferase (Uridin-5'-diphospho-glucuronosyltransferase), bei der es sich um ein in der Leber lokalisiertes Enzym handelt. Dieses Enzym unterstützt sowohl den Abbau körperfremder Substanzen, welche sich nicht im Organismus vorkommen und sich nicht natürlich bilden, sondern durch chemische Vorgänge synthetisiert oder mittels biotechnologischer Verfahren hergestellt werden (Xenobiotika).

Hierzu gehören vor allem Substanzen aus allopathischen Medikamenten, Alkohol und Umgebungsgifte – und genau die können Katzen nicht oder nur sehr langsam abbauen, weil sie keine Glucuronyltransferase haben.

Insofern können schon geringe Mengen eines Analgetikums (Schmerzmittel) wie Paracetamol oder Acetylsalicylsäure oder Wirkstoffe wie Permethrin (Antiparasitikum) nicht in der Leber der Katze abgebaut werden. In der Folge kommt es zur toxischen Akkumulation der Leber, weil sich die nicht abbaubaren Substanzen darin ansammeln. Eine solche Vergiftung führt oft zum Tod der Katze.

Allerdings ist das Katzenleben nicht nur von Xenobiotika bedroht. Auch eine Glucuronidierung von sekundären Pflanzenstoffen, wie Scharfstoffen (Ingwer), Salicylsäure (als Salicin vorliegend in Weidenrinde), aber auch Terpenen, die meist als Hauptingredienz in ätherischen Ölen vorkommen (Teebaumöl) ist Katzen nicht möglich.

Damit scheiden so wirkungsvolle Heilpflanzen wie der Sonnenhut (Echinacea), Ginseng, Wermut oder Kurkuma als Ingredienzien für unsere Kräutermischung zur Immunsystemstärkung von Katzen aus. Vor allem, weil wir davon ausgehen müssen, dass Katzen mit einer Immunschwäche, die mit Krankheiten wie FIP oder FIV zusammen hängen, mehr oder minder dauerhaft mit den Abwehrkraftkräutern unterstützt werden müssen – hierbei wäre das Risiko einfach zu groß, dass es bei längerfristiger Gabe der Kräutermischung durch die Glucuronidierungsschwäche zu einer Anhäufung von Substanzen in der Leber kommt, die für die Katze giftig sind und die sie nicht, wie der Hund, über die Niere ausscheiden kann.

 

Wenn es schmecken soll – Pulver statt ganzer Pflanzen


Zum Text Teil 2

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